Ackerschachtelhalm oder Zinnkraut im Garten

Porträt eines Hartnäckigen
Ihre Sorgen möchten wir haben. Lautet ein Werbungslogan, den ich aus gegebenem Anlass auf den Ackerschachtelhalm Befall in meinem Garten ummünze. Der Garten ist voll bis obenhin mit dem hartnäckigen Halm und es drängt sich die Frage auf, wie man den Wucherer wieder loswird.

Vom Ackerschachtelhalm und Teichschachtelhalm

Auf der Suche nach einer Lösung gegen Ackerschachtelhalm stieß ich auf einen Hilferuf, in dem ein verzweifelter Leser berichtete, er habe sich Wochen zuvor mehrere Schachtelhalme zugelegt und während alle anderen Pflanzen in seinem neuen Teich mehr oder weniger zu wachsen begannen, rührte sich ausgerechnet beim neu erstandenen Schachtelhalm nichts. Unglaublich!

Abgesehen davon, dass allein schon die Idee, sich freiwillig einen solch wüchsigen Halm zuzulegen Magengrimmen bei mir verursacht, ist es doch mehr als erstaunlich, dass der Halm in Untätigkeit verharren soll. Davon kann in meinem Garten nicht die Rede sein. Da schiesst er in die Höhe und begräbt alles, was nicht die 5cm Marke schafft, rücksichtslos unter sich. Ausrupfen wäre eine prima Alternative, funktioniert nur leider nicht.

Nichtsdestotrotz, dem Mann jedenfalls kann geholfen werden. Mein Ackerschachtelhalmfeld steht ihm jederzeit offen. Selbstredend pro bono, kostenfrei, lediglich gegen Abholung, gerne auch en gros, in großen Mengen. Sofern mein Halm auch im Teich funktioniert, da es sich ja um eine Landratte im Gegensatz zum Teichschachtelhalm handelt.

Finger weg vom Schachtelhalm

Unter dem Strich jedoch kann jeder froh sein, der keinen Schachtelhalm in seiner Nähe hat. Weder im Garten noch im Teich, denn der Bursche breitet sich ungezügelt wie stark aus und bildet dabei Rhizome. Das sind kräftige Ausläufer, die unterirdisch verlaufen und sich überall hinschlängeln, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Kreuz und quer durchs Gelände. Ähnlich wie beim Bambus, der ohne Wurzelsperre zur Gefahr für Garten und Haus werden kann und dem nicht nur nachgesagt wird, dass er sich sogar durchs Mauerwerk schiebt, wenn er gerade lustig ist. Ein rechter Bengel, der im schlimmsten Fall für Überraschung im Wohnzimmer sorgt, wenn plötzlich ein Bambusrohr neben dem Sofa zu Tage kommt und aus dem Boden linst.

Der Schachtelhalm hingegen ist zum Glück nicht ganz so durchsetzungskräftig wie sein Kollege Bambus, aber nicht minder enervierend für sein Umfeld. Besonders unsympathisch ist die Tatsache, dass er dazu tendiert, andere Pflanzen zu verdrängen.

Wie wird man Ackerschachtelhalm los?

Der Ackerschachtelhalm ist in der Tat hartnäckig. So ist es kein Wunder, dass zu seiner Abwehr eine ganze Menge Tipps und Tricks durch die Gartenwelt geistert, von denen hier die interessantesten und vielversprechendsten unter die Lupe genommen werden sollen.

  • Wurzeln

Die Möglichkeiten sind nicht berauschend, dennoch einen Versuch wert. Gleich vorweg jedoch die schlechte Nachricht: Die Ackerschachtelhalm Wurzeln sind zwar dünn, aber stark wie Drahtseile. Ganz im Gegensatz zu Giersch, der sich meist spielend mit der ganzen Wurzel aus der Erde ziehen lässt. Wenn man entsprechend zart und vorsichtig anzieht.
Sonst haben wir auch hier den Salat. Nur ist Giersch nicht jedermanns Sache in der Salatschüssel. Dabei ist das eine der besten Varianten, ihn elegant aus dem Garten zu verbannen. Direkt aus dem Garten, frisch auf den Tisch. Garteninspektor LeserInnen wissen um das Problem und haben es vielleicht auch selbst schon ausprobiert. Den Giersch zu verpeisen. Heißt es doch nicht zufällig „Love it or eat it“, was soviel bedeutet wie „Vergiss den Giersch oder schmeiß ihn in den Salat oder mach Gemüse draus“.
Ganz so einfach ist es beim Ackerschachtelhalm nicht. Wer ihn nicht eindeutig identifizieren und vom Sumpfschachtelhalm unterscheiden kann, tut gut daran, die Finger davon zu lassen, denn der zweitgenannte Halm enthält Giftstoffe, die uns nicht zuträglich sind und zu Vergiftungserscheinungen führen können. Somit scheidet die kulinarische Variante schon einmal aus. So die Literatur.
In der Praxis werde ich somit nie erfahren, wie der Schachtelhalm vom Acker schmeckt, auch wenn dieser in Asien als Gemüse angebaut werden soll.

  • Vlies
  • Rhizome

Besondere Optimisten sehen  nicht gleich so schwarz. Greifen die Idee rund um den Teichschachtelhalm auf, nehmen am Teich eine Anleihe und werfen womöglich eine Folie über den gemeinen Schachtelhalm. In der Hoffnung, ihn zu erdrücken. Keineswegs vor lauter Liebe. Ganz im Gegenteil, wollen sie ihn doch nachhaltig in seinem Wachstum hemmen. Wer nun glaubt, dem Schachtelhalm mit einem lässig übergestülpten Vlies die Luft zum Atmen zu rauben, der irrt. Leider. Denn selbst wenn das Vlies jahrelang den Schachtelhalm unter sich bedeckt hält, hat dieser auch weiterhin die besseren Karten. Kaum wird das Vlies gelüpft, ist der listige Schlingel schon wieder da. Wie eh und je. Wenn auch in deutlich geschwächter als zuvor. Was darauf hinausläuft, dass der gewinnt, der den längeren Atem hat. Der Schachtelhalm oder sein nicht amüsierter Gärtner. Doch die Lage ist noch dramatischer. Denn der Ackerschachtelhalm scheint sich, so jedenfalls in meinem Garten, ein unterirdisches Weg- und Wuchssystem angelegt zu haben und taucht plötzlich an neuen Stellen auf, wo er bisher noch nie gesehen ward.
Wer jetzt zwischenentspannt aufatmet und glaubt, ein solches Rhizomsystem locker mit dem Spaten und einem entsprechenden Stich in den Griff zu bekommen, der irrt leider auch diesmal. Nicht, weil die Ausläufer meterweit in die Tiefe reichen, abgesehen davon, dass sie sich nicht auf eine Richtung beschränken und sich senkrecht und waagrecht ausbreiten, sondern – und das macht die Sache nicht besser – weil der Schachtelhalm Sporen bildet. Sporen, die im Wind segeln und, derart mobil, überall im Garten Fuß fassen können.
Ein Jammer, wenn er sich über Nacht zwischen Flammenblumen und Rosen entfächert. Denn wie soll man ihn dort jemals wieder ausgraben? Was ja ohnedies schon im Bereich des Märchens liegt. Ihn nachhaltig auszugraben. Jedoch ist es an nicht ganz so prominent bewachsenen Stellen deutlich leichter und geht lockerer von der Hand, ihn am Kragen zu packen und mit Haut und Haaren auszureißen. Allein der Versuch zählt.
Für eine Rhizomsperre ist es immer dann zu spät, wenn der Bursche schon im Garten wohnt. Abgesehen davon, dass sich der Halm ja auch nicht an unterirdische Grenzen hält.
Hier hilft nur, radikal ans Werk zu gehen. Auf einer übersichtlichen Fläche, auf der nichts anderes wächst und das tut es ja zum Glück selten in einer solchen Nachbarschaft, in die Tiefe zu graben und die Wurzeln und ihre Verbindungen zu kappen. S.o., dem Wildwuchs an die Wurzeln gehen.
Nicht ganz unähnlich, wie wenn man einem Bambus, der dem Garten entwachsen ist, versucht, ein Bein zu stellen. Ich habe es selbst erlebt, was das heißt, einen zwei Meter hohen Bambus auf mehreren Quadratmetern Gartenfläche zu entfernen und bin entsprechend gewappnet. Arbeitstechnisch, als auch zeitlich. Und dieser Zeitfaktor ist nicht zu unterschätzen. Bis die Sache nachhaltig erledigt ist. Spaziergang war das keiner.

  • Mähen

Mähen wäre eine prima Sache, hilft allerdings nur bedingt. Als Nachbearbeitungsmaßnahme nach einer radikalen Entfernung mit der Hacke jedoch ist es angezeigt, in regelmäßigen Abständen über die bearbeitete Fläche hinweg zu mähen. Zumindest immer dann, wenn sich junge Spitzen wieder ans Tageslicht schieben.
Ist es nämlich gelungen, einen Fleck Wiese so umzugraben, dass die Ackerschachtelhalmwurzeln dabei ausgehoben werden konnten, ist die leidige Angelegenheit ja noch lange nicht ausgestanden. Denn immer wieder ist mit Nachwuchs zu rechnen, der ungestüm den Himmel sehen will. Wer hier die Fläche gut im Auge behält, diese professionell observiert wie Inspektor Cluseau im Rosaroten Panther, der hat Aussicht, die nachkommenden Halme durch stetes Mähen zu schwächen. Solange, bis eine Partei aufgibt. Sei es der Halm oder die Gärtnerin. Der Ausgang ist ungewiss.

Zeigerpflanze Ackerschachtelhalm

Was also hat die Pflanze, was die anderen nicht haben? Nun, der Ackerschachtelhalm ist eine Zeigerpflanze d.h. sie gibt Auskunft über ihren Standort.
Wenn sie sich einmal an einer Stelle häuslich eingerichtet hat, dann wird’s in der Regel ungemütlich. Denn an Ort und Stelle, dort wo sie wächst, herrscht ein magerer und verdichteter Boden vor. Einer, der Staunässe liebt. So wie mein Fleckchen Nordhang, das im Lauf der Jahre offensichtlich zum Paradies für Ackerschachtelhalm avanciert ist.
Hätte ich das nur rechtzeitig erkannt……hätte ich vielleicht eingegriffen und den Boden bearbeiten können. Was zumindest schon einen Ansatz in sich birgt. Denn der Knackpunkt ist auch in diesem Fall der Boden, der, so er neu aufgebaut oder verbessert wird, dann auch gleichzeitig wieder attraktiv für andere Pflanzen wird.

Gute Nachbarschaft im Garten

Ich habe mich derweil in mein Schicksal gefügt und nütze die Chance, dem unwirtlichen Ambiente einen natürlichen Touch zu verpassen und setze mein Projekt, eine naturbelassene Wiese mit den Schönsten der Schönen zu gestalten, weiter fort. Mit Pflanzen, die ebenfalls das Karge lieben.
So bohre ich ungeniert Löcher, wo es mir gefällt und pflanze herrlich unkomplizierte und anspruchslose weiße Margeriten, blaue Kornblumen und roten Mohn an. Solange bis mein Hangstück von oben bis unten voll ist.
Momentan herrscht noch Harmonie am Hang und ehrlicherweise macht sich der Ackerschachtelhalm dazwischen gar nicht schlecht. Nimmt er indes eines Tages Überhand und droht die aparten Margeriten und ihre Freunde zu überwuchern, werde ich ihm völlig ungeniert wie rücksichtslos an den Kragen gehen.
So sind alle zufrieden: Margeriten, Kornblumen, Mohn und die Gärtnerin.
Und der Ackerschachtelhalm darf sich ins Fäustchen lachen, hat er doch gewonnen und darf bleiben. Fürs Erste. Glaubt als Sieger aus dem Spiel um die Besiedelung meines Gartenhanges hervorzugehen, doch er irrt. Denn wer einen wilden Bambus erlegt hat, zwingt (hoffentlich) einen Ackerschachtelhalm locker in die Knie. Wenn es denn sein muss.

Ackerschachtelhalm gegen Schädlinge

Der Fairness halber soll jedoch auch darauf hingewiesen werden, dass der Ackerschachtelhalm natürlich auch seine guten Seiten hat. Wer die Mühe nicht scheut und eine Brühe aus seinem Bewuchs herstellt, kann aktiv seinen Garten stärken und gesund halten. Auf die befallenen Pflanzen gesprüht, kann selbst der wüchsigste Halm oder das Zinnkraut, wie man zu diesem Mammuthalm auch sagt, zum Helfer in der Not werden und gegen Blattläuse, Mehltau oder auch die Kräuselkrankheit eingesetzt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, der Ackerschachtelhalm nervt mehr im Garten, als er Zuspruch erhält. Mich. Andererseits enthält er wertvolle Inhaltsstoffe und findet in der Kräuterheilkunde regen Zuspruch und Anwendung. Dort schätzt man ihn aufgrund seines hohen Kieselsäuregehaltes, der sich positiv auf die Durchblutung und den Stoffwechsel auswirken kann. Aber das ist eine andere Geschichte.  

1 Kommentar zu „Ackerschachtelhalm oder Zinnkraut im Garten“

  1. Den haben wir auch: Ackerschachtelhalm auf verdichtetem Boden mit Staunaesse. Ich habe erst einmal bodenverbessernde Pflanzen gesaeht: Oelrettich, Senf und Kleearten. Erst war der Oelrettich sehr dominierend, dann die Wicken. Im zweiten, viel trockeneren Jahr, haben die Kleearten und Graeser und besonders der tief wurzelnde Steinklee alles ueberwuchert. Den Schachtelhalm sehe ich nur noch am Buergersteig.

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