Schopftintling: Die wundersame Verwandlung eines Pilzes

Zwei Schopftintlinge von oben aufgenommen

Der implodierende Schopftintling

Wenn der Schopftintling aufgeht, stellt sich die Frage, was man mit ihm macht. Schnell essen, bevor er zu alt ist oder ihn erst einmal reifen lassen, um sich seiner abseits der Küche zu bedienen. Denn dieser Pilz kann verzaubern. Nicht nur den verwöhnten Gaumen.

Old school, old fashined und ziemlich aus der Mode gekommen ist es, Briefe, Einladungen, Rezepte und Texte aller Art mit der Hand zu schreiben. Mit Feder und Tinte auf schönem Papier seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Wer jedoch diese altmodische Form der Tintenmalerei liebt, wird begeistert sein, zu erfahren, was man mit Pilzen so alles anstellen kann. Auch außerhalb der Küche…

Der Schopftintling: Ein Pilz wie eine nackte Glühbirne

Schopftintling im Garten

Seit Jahren schon wächst ein Pilz in meinem Garten, von mir unbemerkt, heran und ich habe ihn erst jetzt entdeckt und näher kennengelernt. Habe ihn behandelt, so als wäre er eine nackte Glühbirne, die unbeachtet von der Küchendecke baumelt und geduldig darauf wartet, vielleicht doch noch irgendwann mit einem schicken Lampenschirm ummantelt zu werden. Doch wie es das Schicksal will, sieht man die Birne im Alltag irgendwann nicht mehr und so läuft sie Gefahr, der Unsichtbarkeit anheim zu fallen.

Solange, bis eines Tages lieber Besuch vor der Tür steht und völlig überrascht nach dem Fortgang des Umzuges fragt…

Wie der Glühbirne in der Küche, erging es auch dem Schopftintling im Garten.

Junger Schopftintling lugt aus dem Herbstlaub hervor

Der Schopftintling am Teller

Von Haus aus nicht besonders pilzaffin, bin ich nicht unbedingt eine Pilzexpertin und kenne daher auch nicht viele Pilze. Mit Ausnahme des Fliegenpilzes, der mir aus meinen Naturmagazinen geläufig ist. Eierschwammerl und Champignons lassen sich gerade noch identifizieren, manchmal sogar konsumieren, vorzugsweise die ersteren. Doch dann ist es auch schon aus mit der Pilzbestimmung.

Auf den Teller kommen sie im Alltag leider auch nur äußerst selten, da seit jeher familiäre Voreingenommenheiten dem Pilz, insbesondere dem Speisepilz, gegenüber an der Tagesordnung sind und ein Umdenken aller Wahrscheinlichkeit nach nicht stattfinden wird. Jedenfalls nicht in absehbarer Zeit.

Diesem Umstand Rechnung tragend, ist es mir somit beinahe unmöglich, ein Pilzgericht zuzubereiten und zur Verkostung zu reichen, ohne meine hypersensiblen Nasen unnötig in Bedrängnis zu bringen. Obwohl Schopftintling auf Ofenkartoffeln mit Parmesankruste äußerst verlockend klingt. Sollten Sie hingegen Interesse an diesem Gericht haben, schreiben Sie mir einfach ein paar Worte in den Kommentaren und Sie erhalten das Rezept umgehend. Quasi undercover, unter der Hand. 

Das Leben eines Schopftintlings im Zeitraffer

Der “Zauberpilz” wird auch Spargelpilz, Schopfpilz, Tintenpilz, Porzellantintling oder Eiertintling genannt.

Junger Schopftintling, noch ganz weiß und geschlossen
Junger Tintenpilz

Schopftintlinge wollen gefunden werden. Sie wachsen wild im Garten, auf Wiesen und in Wäldern. Entdeckt man junge Schopftintlinge, müssen diese so schnell wie möglich verarbeitet werden, da sie sich innerhalb kürzester Zeit auflösen und regelrecht zu tropfen beginnen. Die Pilze verwandeln sich in eine farbintensive Flüssigkeit, werden zu Tinte. Daher wird man Schopftintlinge auch vergeblich am Markt oder im Laden suchen, denn die Gefahr, eine schwarze Brühe feilbieten zu müssen, ist definitv zu groß. Daher kommen nur die Jungen ins Töpfchen und die Alten landen im Tintenfass.

Schopftintling, der sich langsam von unten nach oben dunkel verfärbt

Die Verwandlung des Schopftintlings beginnt.

Schopftintling, der aufgeht
Schopftintling mit aufgebreiteten Hut

Schwarze Flüssigkeit tropft auf den Boden

Schopftintling,  zu schwer geworden und geknickt,am Rand schwarz verfärbt, liegt mit dem Kopf am Boden
Der Niedergang des Schopftintlings

Wie man aus Schopftintlingen Tinte macht

Anleitung: Sammeln Sie ein paar Tintlinge und geben sie kopfüber in eine Glasschüssel. Was den spannenden Nebeneffekt hat, dass man die Verwandlung von allen Seiten mitverfolgen kann. Warten Sie nun ab, bis die schwarze Flüssigkeit der Pilze ausgelaufen ist. Das kann durchaus aus ein paar Tage dauern, je nach Reifegrad des Schopftintlings. Die schwarze Brühe wird sodann durch ein Sieb abgeseiht. Das macht man, um allfällige Pilzüberreste zu filtern. Wer die Pilztinte gerne ein wenig kompakter hätte, kann zum Abschluss die Tinte noch mit einem Teelöffel Gummi Arabicum verrühren. Einmal durchschütteln und schon ist die Tinte fertig.

Der Pilz hat seine Schuldigkeit getan. Der Pilz kann gehen. Jetzt sind Sie an der Reihe.

Schreiben sie doch mal wieder mit Feder & Tinte. Eine hübsche Einladungskarte zur nächsten Party oder Geburtstagsfeier. Oder Sie üben sich ein wenig in Kalligraphie. Mit Tinte aus dem Garten oder dem Wald, der Schopftintling machts möglich!

Doch da geht noch mehr. Werfen Sie unbedingt auch einen Blick auf den Faltentintling und Sie werden stauen, wozu er in der Lage ist. Lesen Sie hier weiter.

Soviel sei verraten, er ist der Artist unter den Tintlingen, ein richtiger Akrobat schön!

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