Handarbeit

Baumschnitt mit der Hand. Ein Erfahrungsbericht

Die Idee, einen gut 5 Meter hohen Baum mit der Hand zu schneiden mutet vielleicht auf den ersten Blick an wie eine Schnapsidee. Ist es auch aller Wahrscheinlichkeit nach.

Und so hat alles begonnen…

Hilfe zur Selbsthilfe!

Meine persönliche Challenge war, einen in Schieflage geratenen Baum zu retten, einen bedrohlich zur Seite geneigten Baum durch einen gekonnten Schnitt wieder so gut wie möglich zu begradigen und zum Weiterwachsen zu beflügeln.

Meine Hilfsmittel für dieses Projekt waren dabei eine etwas in die Jahre gekommene Handsäge an einem Teleskopstiel in Länge eines Laubrechens, eine kleine und eine große Gartenschere und natürlich Gartenhandschuhe. Leichte Bergschuhe meiner eigenen Stabilität wegen, um selbst in der Balance zu bleiben sowie eine Sonnenbrille gegen herabfallende Späne beim Sägen. Last but not least habe ich einen Stuhl des Möbelhauses mit dem lustigen Elch zur Hebebühne für mich umfunktioniert, Leiterersatz.

Der Baum wächst mit jedem Schnitt!

Die Vorbereitungen waren ein Kinderspiel, verglichen mit dem was dann kommen sollte. Die ersten Schnitte waren relativ zügig und rasch erledigt, die höheren, dünneren Äste fielen butterweich und es schien mir alles glatt von der Hand und der Säge zu gehen. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war das Phänomen des wachsenden Baumes. Der Baum wurde gefühlt von Schnitt zu Schnitt immer größer, dicker und wuchtiger.

Winkelberechnung

Nicht nur, dass der Baum mit jedem Schnitt gewachsen ist, hat auch der fachgemäße und korrekt berechnete Fallwinkel der Äste plötzlich eine immense Bedeutung bekommen. Dieser Winkel ist äußerst wichtig, darf niemals vernachlässigt und aus den Augen verloren werden und ist unabdingbar für einen erfolgreichen und unblutigen Schnitt!

Bedauerlicherweise ist diese Form der Handarbeit eher ungünstig, will man die Fallrichtung eines Astes beim Schneiden berücksichtigen und im Voraus berechnen.
Aufgrund der überraschenden Höhe des Baumes und meiner hohen Anspannung, den perfekten Sägewinkel zu erzielen, war ich letztlich doch heilfroh, die Säge überhaupt im Zielbereich ansetzen zu können. Es dürfte somit auch wenig überraschen, dass Kollateralschäden nicht ausgeblieben sind. Eine gekappte Eisenverstrebung, ein zerschmetterter Bewegungsmelder auf den ersten Blick, Verspannungen aller Art sowieso.

Auch nicht von schlechten Eltern waren die herab donnernden Äste, ganz schöne Brummer, die leider auch abtransportiert werden mussten. Abgesehen vom Gewicht dieser Hünen und der Beschwerlichkeit, diese durchs Gelände zu bewegen, erforderte auch die Zwischenlagerung einiges an Kreativität. So ein Baumschnitt ist reichlich!

Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt gelinde gesagt schon etwas mürbe und hatte kaum mehr Muße, so richtig ausführlich und nachhaltig darüber nachzudenken, wohin mit dem Holz und bin nur noch nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ vorgegangen. Mit letzter Kraft habe ich den halben Baum hinters Haus gehievt, nicht ohne zuvor die Seitenäste entfernt zu haben, ansonsten wäre ich mit dem sperrigen Gehölz nicht allzu weit gekommen.

Wie es jetzt dort mit dem Handgesägten weitergehen soll, steht derzeit noch in den Sternen!

Ob die Aktion, den Baum zu entlasten Früchte bzw. Blätter tragen wird, ist abzuwarten. Schief und instabil ist der arme Baum nach wie vor, eine gute Erdung ist etwas anderes. Optisch vorerst noch gewöhnungsbedürftig, sieht er aber gar nicht so schlecht aus, je nachdem von welcher Seite man gerade guckt.

Ich bleibe jedenfalls optimistisch, setze auf Erfolg und freue mich, zumindest einen Rettungsversuch unternommen zu haben. Und halte es bis auf Weiteres mit Doris Day,  que sera, sera!

M. Claude empfiehlt:

Gärtner können fast alles und doch ist es manchmal gar nicht verkehrt, sich fachmännische Unterstützung zu genehmigen!

Gönnen Sie sich bei Bedarf auch mal eine kleine Hilfe bei der Gartenarbeit!

7 Kommentare zu „Handarbeit“

  1. Ein ziemlicher gefaehrliches Unterfangen, hola die Waldfee!
    Gerade bei solchen Arbeiten ist es doch besser, wenn Profis am Werk sind. Dann haettest du dir moeglicherweise auch einiges an Arbeit erspart. Aber ich verstehe dich, ich moechte auch immer alles alleine schaffen…wobei ich mich dann manchmal in Aufgaben reinsteigere, die ich besser jemand anderen ueberlassen haette.
    Zumindest ist nichts passier, dass ist das Wichtigste!

  2. Super, vielen Dank!
    Angela link
    3/8/2015 06:41:48 am
    Oh mei! Wenn ich das mit dem Stuhl lese wird mir schon ganz schummerig… Das mit dem zu verarbeitenden Holz kann ich auch nachvollziehen. Die halbe Terrasse ist voll mit den Stammabschnitten des letzten Strumopfers, die wir irgendwann man spalten muessen (mir graut jetzt schon).
    Gut, dass Dir nichts passiert ist!
    Viele Gruesse, Angela

  3. Lieber Nikolaus,
    das bekommst du garantiert hin!
    Als kleine Eselbruecke dient die ueberlieferte “Goldene Regel”, dass die Rosen im Fruehjahr geschnitten werden sollen, wenn die Forsythien bluehen.
    Jetzt im Sommer ist es wichtig, immer alles Verbluehtes wegzuschneiden, dann sind sie frei von Ballast und koennen so richtig schoen bluehen.
    Viel Freude mit deinen Rosen!
    Liebe Gruesse
    Dani

  4. Liebe Claudia,
    pass gut auf dich auf!
    Wirklich abenteuerlich war, die Flugrichtung der abgesaegten Aeste maximal zu steuern, da der Baum mitten im Garten steht und die Aeste bei unguenstigem Fall einiges mehr haetten demolieren koennen.
    Der Reiz, derartige Arbeiten alleine durchzufuehren, besteht fuer mich u.a. in der Gestaltungsmoeglichkeit. Wobei dieser Fall ein Grenzfall war!
    Liebe Gruesse
    Dani

  5. Liebe Angela,
    zum Glueck konnte ich den Schnitt so “tief” ansetzen, dass ich mit dem Stuhl annaehernd das Auslangen gefunden habe.
    Auch bei mir noch alles belegt mit dem Schnittgut, allerdings scheint es nach einiger Zeit etwas kompakter zu werden und laesst sich besser verarbeiten.
    Hoffe, ihr habt eure Terrasse schon wieder halbwegws befreit!
    Liebe Gruesse
    Dani

  6. Liebe Kathinka,
    hoffe, du hast gute Hilfe fuer dein Projekt gefunden, so eine Thuja zu schneiden ist auch kein Spaziergang!
    Blueht mir auch noch, zwar keine Thuja aber eine Eibe.
    Liebe Gruesse
    Dani

  7. Das ist ja ein recht abenteuerlicher Erfahrungsbericht! Ich habe auch den verwegenen Anspruch, moeglichst alles selbst zu erledigen und kann das alles recht gut nachvollziehen. Letztens stand ich auch mit der Baumsaege auf einem wackeligen Stuhl, um eine Thuja zu kuerzen (ist mir leider nicht gelungen)
    LG Kathinka

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