Heiß auf Dahlien

Königinnen des Spätsommers

Dahlien. Königinnen des SpätsommersRenaissance der Blütenküche

Ich will etwas mit Blatt machen. Mit Blütenblatt. Einen Blattsalat. Keinen grünen, sondern einen bunten Blütenblättersalat. Mit Dahlien, den Königinnen des Spätsommers.

Solange sie noch herrschaftlich ihre Pompons in die Höhe strecken, der Sonne und dem Licht entgegen, ist die Zeit reif für ein gutes Experiment in der Blütenküche. Denn Dahlien sind nicht nur eine Offenbarung für das Auge, sondern auch für den Gaumen. Dahlien kann man tatsächlich essen.

Ob sie mir eine kulinarische Offenbarung sein werden, wird sich erst noch weisen. Die Zeichen stehen jedoch auf Grün, auf Feinschmeckersalat, denn so ein bunter Dahlienblütenblättersalat wird durchaus als Delikatesse gehandelt.De re coquinaria. Über die Kochkunst. Mit Blüten

Um das volle Aroma der bezaubernden Dahlienblüten zu erhalten, sind die frühen Vormittagsstunden ideal geeignet, die Blüten zu schneiden. In der Stunde zwischen Morgentau, Morgenblüte und Mittagssonne, wenn das Aroma am stärksten ausgeprägt ist.

Eine Handvoll Blüten liegt nunmehr im Körbchen und es kann losgehen.

Ziel meines Schaffens ist die malerische Zubereitung eines Blütensalates und ich denke dabei ein bisschen an Claude Monet und wie er es wohl angelegt hätte. Fühle mich wie einer der Starköche, die sich der Blumenküche gewidmet und damit einen richtigen Boom ausgelöst haben. Bin alles in allem in allerbester Gesellschaft. Den Meistern folgend, beabsichtige ich nun ebenfalls, zum kulinarischen Höhenflug anzusetzen und Ungewöhnliches auf den Teller zu zaubern.

Doch zuerst müssen die Blütenköpfe entblättert werden. Ist nicht unbedingt meine Spezialität, da ich an jeder meiner Blumen hänge. Und doch gleicht bald schon das Filetieren der Dahlien einer guten Meditation, während der sich vortrefflich über Flower Power, Blümchen und Blütenküche sinnieren lässt.

Rosenpüree & Veilchenwein

Schon in der Antike war die Verwendung von Blüten ein Zeichen gehobener Esskultur und man findet Blüten in der Küche bereits in den Rezepten aus der altrömischen Kaiserzeit wieder.

So beschrieb einst der römische Feinschmecker Marcus Gavius Apicius in seinem Kochbuch „De re coquinaria“ (Über die Kochkunst),  wie man Rosenblätterpüree,  Malvenblütengemüse und Veilchenwein zubereitet.  Die Rezeptsammlung  gilt als das älteste, erhaltene Kochbuch der römischen Antike.

Von der Antike und dem Schlemmer Apicius wandern meinen Gedanken zurück in Richtung Gegenwart und machen einen kurzen Küchenstopp beim Katalanen Ferran Adrià, der mit seiner Molekularküche zwei Jahrzehnte lang die Gastronomie auf den Kopf stellte und revolutionierte.

Meine virtuelle Zeitreise fände hier ganz bestimmt noch nicht ihr Ende, wäre die Arbeit inzwischen nicht schon erledigt, die Blütenblätter gezupft und vorbereitet für ihren großen Auftritt am Teller.

Alea iacta est, meine Würfel sind gefallen und ab sofort geht es jetzt auch bei mir um alles. Nicht mehr nur um bloße Dekoration am Teller. Ein Gesamtkunstwerk soll es werden!

Dabei liegt das Geheimnis in den Aromen, der Kombination und der Konsistenz der Zutaten. Observiert vom aufmerksamen Adlerauge, das bekanntlich mitisst.

Dahlien auf dem Weg zum Salat

Hier haben Sie nun den Salat. Dahlienblüten Salat

Zutaten

Eine Handvoll Dahlienblüten, Minze aus dem Kräutergarten, Blüten von der Kapuzinerkresse, Mozzarella,  junger Zwiebel.
Für die Marinade: Sonnenblumenöl, Weißer Balsamico Essig, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker.Zubereitung

Blüten und Kräuter vorsichtig miteinander vermengen und auf dem Teller verteilen. In die Mitte den Mozzarella mit den kleingeschnittenen Zwiebeln geben und mit der Marinade überträufeln.
Eventuell noch ein paar bunte Blütenblätter nachlegen, um das Farbenspiel am Teller weiter zu intensivieren.

Bon Appetit!

Was bin ich nun froh darüber, dass ich mir ein Herz gefasst und meine wunderbaren Dahlien gepflückt habe, um sie nach allen Regeln der Kunst zuzubereiten und kredenzen zu können. Jetzt freue ich mich wie eine Schneekönigin auf die Reaktion meiner Gäste und hoffe, auch Ihnen ein wenig Appetit auf einen Blümchensalat gemacht zu haben!

Sollten Ihnen die Dahlien fortan so munden, dass alle Blüten im Salat landen und das Beet bis auf weiteres nichts mehr hergibt, haben wir zum Glück noch immer den Wochenmarkt. Wenn auch nicht mehr im Topf, so erwarten uns doch dort üppige Dahliensträuße in den schönsten Farben und Formen. Sträuße, die kopfüber getrocknet, zur stimmungsvollen Dekoration werden. Von der Vase an die Wand. Wenn sie nicht zuvor verspeist worden sind!

M. Claude empfiehlt:

Um auf Nummer sicher zu gehen, dass die verwendeten Blüten auch genießbar sind, hier eine Auswahl von essbaren Pflanzen, die in der Blütenküche verwendet werden können.

Blumigen Genuss, viel Freude mit den außergewöhnlichen Aromen und einen unwiderstehlichen Geschmack von Sommer!

1 Kommentar zu „Heiß auf Dahlien“

  1. Liebe Kerstin,
    einen Versuch, Dahlien auf Tisch und Teller zu bringen, ist es in jedem Fall wert. Ich hingegen werde es jetzt mit den von dir getesteten Ringblumen, Taglilien und Borretschblueten versuchen.
    Liebe Gruesse
    Dani

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