Rote Melde. Alte Sorten neu entdeckt

ROTE MELDE. ATRIPLEX HORTENSIS
„Gute Frau, wo geht’s denn hier zur roten Melde?“
„Chez la bonne femme, zur Melde? Aber das bin doch ich!“So oder ähnlich könnte sich ein Fantasie Dialog in der Provence, entlang des Wegesrandes, zwischen einem gemüseaffinen Spaziergänger und einer Bonne Femme, wie die Melde in Frankreich heißt, einer guten Frau, zugetragen haben.

ALTE NUTZPFLANZE

Natürlich werden Sie schon bemerkt haben, dass es sich bei den Dialogpartnern nicht um Mann und Frau auf Augenhöhe handelt. Vielmehr geht es beim Wanderer um einen Flaneur und seinem Vis à Vis, der Guten Frau, um ein zartes Gemüsepflänzchen. Der roten Melde, einer der ältesten Nutzpflanzen.

COMEBACK DER ALTEN GEMÜSESORTEN

Alte Sorten sind in und lohnen, wiederentdeckt zu werden. Dabei liegen die Vorteile alter Nutzpflanzensorten auf der Hand, garantieren sie doch Vielfalt im Garten, überzeugen mit ihrem hohen Nährstoffgehalt und ihrem Geschmack. Ein weiterer Bonus ist ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber diversen Umwelteinflüssen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Vereine zur Förderung solcher Gartenschätze aus alten Zeiten gebildet haben und sich um Aufklärung und Weiterverbreitung des Wissens über Anbau und Verwendung dieser Kulturpflanzen bemühen.

Die ersten Berichte über schmackhafte Gartenmelden führen uns bis ins 13. Jahrhundert zurück und lassen das alte Gemüse in bestem Licht erstrahlen. Attraktiv, rundum in rotes aber auch grünes und gelbes Blattkleid gehüllt, präsentiert sich das zarte Pflänzchen, die alte Nutzpflanze ihrem Gegenüber.

Vermutlich dürfte es sich bei der Melde um einen mittelalterlichen Klassiker im Beet gehandelt haben, den Vorläufer des Spinates, der allerdings in Folge erbarmungslos von der Spinatpflanze verdrängt wurde. Der Grund für diesen radikalen Verdrängungswettbewerb war ein geringerer Blattertrag und kürzere Erntezeit auf Seiten der Melde gegenüber dem Konkurrenten und Überflieger Spinat. Mittlerweile hat man jedoch erkannt, dass das rote Blattgemüse dafür auch deutlich geringere Mengen an Nitrat und Oxalsäure enthält und mit seinem mildem Geschmack Gerichte wie Salate, Suppen und Aufläufe herrlich abzurunden versteht.

Zwischen den Zeiten sogar als Unkraut verrufen, wurde die Melde im Zuge des Revivals alter Gemüsesorten wiederentdeckt und erlebt gerade dieser Tage ihren Relaunch im Gemüsebeet.

Heute ist die Melde wieder ganz vorne mit dabei, spielt in der höchsten Gemüseliga und ist geradezu en vogue. Sie überzeugt durch ihren milden Geschmack, wird zunehmend nachgefragt, angebaut und findet erneut Einzug in unseren Küchen. Statt des Spinates. So ändern sich die Zeiten. O tempus, o vegetabilis!

ROTE MELDE IM GEMÜSEBEET

Rote Melde

Wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten, was jedoch im Fall der Melde nicht zutrifft, denn der einzige erkennbare Nachteil der Melde ist ihre Einjährigkeit und selbst diesen gleicht sie durch gute und zügige Ausbreitung aus. Für Nachschub ist somit gesorgt und ansonsten ist alles perfekt.

5 ARGUMENTE PRO MELDE

  1. Das Gemüse ist überaus wüchsig und kann eine Höhe bis zu 200cm erreichen
  2. Im Vergleich zum grünen Mitbewerber Spinat punktet die Melde durch zarten und milden Geschmack
  3. Melden sind dankbar und gedeihen nicht nur an der Sonne, sondern auch vortrefflich im Halbschatten
  4. Einfache Zubereitung wie Spinat
  5. Junge Blätter von der Melde lassen sich auch roh verzehren und sind ein perfekter Salatbegleiter

Den eingangs erwähnten Spaziergänger hat einfach die unbändige Lust übermannt, ein rotes Meldepflänzchen mit mildem Aroma zu vernaschen. So auch sein Ansinnen, nach dem Verbleib eines solchen zu begehren. Um nun auch Ihnen ein wenig Appetit auf die Melde zu machen, hier ein einfach zubereiteter Begleiter zum Sundowner, ein Snack für gemütliche Sommerabende im Freien!

ROTER MELDE SNACK

Zutaten:
Große Blätter von der Melde, Käse (Ziegenkäse oder Brie), Olivenöl, Zitrone, Gartenkräuter

Zubereitung:
Den Käse klein würfeln oder in dünne Streifen schneiden und in die Blätter einwickeln. Die so gefüllten Meldeblätter in eine Auflaufform geben und mit Olivenöl und etwas Zitronensaft übergießen. Eine Mischung bunter Gartenkräuter oben drüber streuen und ein paar Stunden ziehen lassen. Dazu ein herrlich frisches Baguette reichen und der Abend kann kommen.

​Guten Appetit!

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2 Kommentare zu „Rote Melde. Alte Sorten neu entdeckt“

  1. Hallo Dani,
    die rote Melde habe ich (noch) nicht im Garten. Dafuer aber im letzten Jahr entdeckt, dass ich die ganze Zeit die gruene Melde als “Unkraut” aus dem Erdbeerbeet gerupft habe. Werde ich dieses Jahr wieder machen. Aber dann nicht zum Kompostieren sondern zum Essen. Eine alte Sorte die mir seit Jahren waechst ist der Baumspinat. Ertragreich und sehr lecker.
    Liebe Gruesse
    Claudia

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