Schneckenabwehr nach dem Vorbild der alten Roemer

NEUES EXPERIMENT GEGEN GEFRÄSSIGE SCHNECKEN IM BLUMENTOP
Die Schnecken sind unterwegs. Geradewegs in meine Richtung. Kein Wunder, gibt es doch im Garten Futter wie im Schlaraffenland für die braunen Schleimer. Unendlich Nachschub für unendlich viele Generationen Nacktschnecken und ihre Nachkommenschaft. Und ich soll zusehen, wie sie alles zunichte machen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen? Mitnichten, vorbei ist‘s mit der Schleimerei. Ich schlage zurück. Innovativ!

Zum Glück vergisst man sie zwischendurch, wenn man sie nicht sieht. Doch der Schneckenfraß spricht Bände. Wenn sie sich gemächlich von einer Blume zur anderen, von einem Salatblatt zum nächsten durch den Garten schieben, ist es höchste Eisenbahn, neue Sicherheitsmaßnahmen auszuprobieren. Denn die alten haben nicht gegriffen. Wobei hier immer die Rede von der natürlichen Abwehr die Rede ist. Die jedoch bisher noch meilenweit entfernt ist von einer ernsthaften Abschreckung, denn die Schnecke ist ein dumpfer Geselle und ein totales Phlegma. Da hilft wirklich nur die Keule. Die Schnecke versteht es nicht anders.

UND TÄGLICH GRÜSST DIE SCHNECK

Löchrig gefressene Blätter, abgeknabberte Blüten und schleimige Spuren des Übeltäters Schnecke sind an der Tagesordnung. Die Spielverderber sind gnadenlos auf Beutezug. Zu Hauf und ungebremst kriechen sie in die Beete, sitzen in unseren liebevoll gehegten Blumen und schlagen sich ihre wurstförmigen Leiber voll. Mit einer Selbstverständlichkeit, die mich schaudern lässt. So als gehörte der Garten ihnen allein.

Da ich zugegebenermaßen nicht in der Lage bin – aber es fehlt wirklich nicht mehr viel – den braunen Gesellen den Kragen umzudrehen, musste eine Alternative her. Denn ich sehe mittlerweile schon Schnecken, wo gar keine sind! In einem solchen Fall war die vermeintliche Schnecke glücklicherweise nur ein Produkt meines Amok laufenden Hirns, das in dieser Causa immer auf der Hut ist und Bilder zur Abschreckung zu produzieren scheint, um das Äußerste abzuwenden. Ein genialer Vorgriff auf die nächste Attacke und doch gemischt mit einer kleinen Portion an übertriebener Hysterie. Denn so genau will ich das gar nicht sehen. Mein Verstand droht zu verschleimen und wenn es so weiter geht, bin ich bald in Not. Wie mein Garten heute schon.

Die Schnecken sind also wieder los, aber bei ihrem durchschnittlichen Tempo kommen sie nicht weit. Doch ganz egal von wo aus sie starten und wohin ich sie befördere, sie kommen immer wieder zu mir zurück. Jedoch niemals bis Frankreich. Im Gegensatz zu mir, die ich die Meisterarchitekten beeindruckender Burgen in Südfrankreich studiert habe. Um mich für die Causa Prima zu rüsten.

WAREN SIE SCHON EINMAL IN CARCASSONNE?

Das kleine südfranzösische Städtchen Carcassonne, das im 1. Jahrhundert v. Chr. von den Römern gegründet wurde, zählt heute zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die gewaltige Trutzburg versetzt Sie sofort in eine andere Welt und gleicht einer Zeitreise ins Mittelalter. In eine Zeit, als man gigantische Anlagen errichtete, um sich vor Belagerungen zu schützen. Wie dieser Verteidigungswall, der die kleine Stadt mit seinen drei Kilometer langen Stadtmauern und den 52 Wehrtürmen vor feindlichen Angriffen bewahren sollte.

Quelle: Pixabay

In Anlehnung an dieses mächtige Bauwerk  werde auch ich mein Land bzw. meinen Garten schützten.

Meine Aggressoren sind die Schnecken, das Ziel ihres Eroberungsfeldzuges die wehrlosen Topfpflanzen auf der Terrasse. Denn die Schnecken sind immer und überall. Um diesem Übergriff ein Ende zu bereiten, habe ich mich an dieses Projekt gemacht, als gelte es eine Schlacht zu gewinnen. Was es ja auch genau genommen ist. Denn manchmal könnte man tatsächlich geneigt sein, zu glauben, Garten sei Krieg.

Um die Errichtung eines funktionierenden Abwehrsystems erfolgreich zu installieren, muss man erst einmal wissen, wie der Gegner tickt, die Schnecken ticken. Viele Gerüchte über Vorlieben und Aversionen von Schnecken machen die Runde. Ganze Bücher wurden darüber schon gefüllt, welche Pflanzen, welche Duftstoffe, welche Wässerchen bei der Schnecke nicht so gut ankommen. Doch das Schneckenvolk macht alle Ansätze zunichte, schnuppert, schleimt unerbittlich vorwärts und frisst sich durchs Gelände. Als gäbe es kein Morgen. Es schert sich nicht im Geringsten um unsere Gärtnerei und zerstört alles. Mutwillig!

KING KONG

So ist der jährliche Versuch, Sonnenblumensamen zu säen auch heuer wieder kläglich gescheitert. Denn kaum hatten sich die ersten kräftigen Spitzen durch den Erdboden gebohrt, dürften ein paar besonders gierige Exemplare der brauen Typen zugeschlagen und alles verputzt haben. Nach einem Tag war bereits nichts mehr als ein paar Fetzen übrig vom Sonnenblumennachwuchs und das, obwohl ich mich ganz gezielt für eine besonders robuste Sorte Sonnenblumen entschieden hatte. Wobei ich auf den Namen vertraut habe und mir dachte, mit King Kong Sonnenblumensamen könne wahrlich nichts schiefgehen.

Doch habe ich meinen Gartenplan wieder einmal ohne die Schnecken gemacht. Habe schlicht und einfach nicht bedacht oder wahrscheinlich verdrängt, wie übel sie mir Jahr für Jahr mitspielen.

SONNENBLUMEN IM TOPF

Ich habe eingesehen, dass ich diesen Kampf um die Sonnenblumen nicht ohne Gift gewinnen kann und so habe ich aufgegeben, junge Sonnenblumen in meinem Garten zu säen. Nicht einmal die schon kräftigen Teenager Sonnenblumen, die ich vorgezogen eingepflanzt habe, waren in der Lage den Angriff unbeschadet zu überstehen und haben es nicht geschafft, in meinem Garten zu überleben. Sie wurden allesamt radikal verputzt, als wären sie ein Schlemmermenü im Haubengarten. Zusätzlich auch noch eins fürs Auge, denn das Auge (fr)isst bekanntlich mit.

Doch heuer dürfen sich die Schnecken auf ein spezielles Überraschungsmenü gefasst machen, denn ich serviere die Sonnenblumen ab sofort und ausschließlich im Topf. Ein Pot Surprise für das Schneckenvolk, denn die sonnig Gelben werden mit Kaffee gereicht.

MIT KAFFEE GEGEN SCHNECKEN

Auch im Topf sind sie schön und vor allem sicher. Für meine Festung zum Schutz der Sonnenblumen verwende ich einen Übertopf aus Stein mit Ablaufloch. Dieser wird mit getrocknetem Kaffeesatz im Filter ausgekleidet und dient somit gleichzeitig als Eintrittsbarriere von unten. Die Filtertüten habe ich jeweils an der seitlichen Nahtstelle etwas eingerissen, sodass sie sich flach über den Topfboden ausbreiten lassen.

Auf diesen Kaffeesatz-im-Filter Bodenbelag wird der Blumentopf gestellt und die Filterflügel am Rand um den Sonnenblumen Topf herum wie eine Geschenkmanschette nach oben hin aufgeklappt. Zum Schluss habe ich noch eine Prise Kaffeesatz über die Blumenerde im Topf und eine Sicherheitsschicht rund um den inneren Topfboden ausgebracht, sodass die Kaffeebarriere langsam aber sicher der Trutzburg in Carcassonne zu ähneln beginnt.

Wenn man nun dem kolportierten Antischnecken Tipp Nummer 1 Glauben schenken darf, der besagt, dass Schnecken Kaffee nicht leiden können, könnte das der Durchbruch sein: Kaffee schlürfen und gleichzeitig Schnecken von Topfpflanzen im Garten fernzuhalten. Denn was bei der Sonnenblume, dem heimlichen Leckerbissen der unappetitlichen Schlängler wirkt, zeigt garantiert auch bei allen anderen Topfpflanzen Wirkung.

FAZIT: Bisher war die Aktion sehr erfolgreich, denn ich habe noch keine einzige Schnecke beim Eindringen in die Sonnenblumen Festung erwischen können und dingfest machen müssen. Die Blätter sind intakt und nichts deutet auf Schneckenfraß hin. Die Sonnenblumenblüten blühen und wenn auch weiterhin nichts Gravierendes mehr passiert, lasse ich dieses Kaffee Abwehr System patentieren.

2 Kommentare zu „Schneckenabwehr nach dem Vorbild der alten Roemer“

  1. Heidemarie Traut

    Ich glaube, es gibt kaum eine Gaertnerin/ einen Gaertner, welche das Schnecken-Problem nicht kennen!!!
    Ich selbst habe auch schon ganz viel versucht, um die Biester los zu werden!!!
    Das mit dem Kaffeesatz werde ich jetzt auch noch ausprobieren.
    Ich sammle ihn schon laenger, denn er hilft auch bei anderen Gartenproblemen. z.B. bei Blattlausbefall – da gebe ich auf einen grossen Topf ungefaehr die Haelfte einer Filtertuete; dann giesse ich meine Topfpflanze ganz normal. Die Folge ist, das Koffein wird von der Pflanze aufgenommen – die Blattlaeuse saugen an der Pflanze und gehen ein…gegebenenfalls 1 x woechentlich wiederholen…
    Kaffeesatz ist auch ein hervorragender Duenger fuer Geranien…
    Es gab und gibt bis heute ein Buch dessen Titel lautet:
    Geranien und Kaffeesatz. In diesem Buch findet man etliche praktische und ungewoehnliche Haushaltstipps…eben auch den Geranien mit Kaffeesatz zu duengen…
    Ich wuensche viel ERfolg
    Alles Liebe
    Heidi

  2. Liebe Heidi,
    vielen Dank fuer deinen Buchtipp. Werde ich mir anschauen.
    Die Kaffeesatz Methode wirkt gut, wobei du voellig richtig sagst: gegebenenfalls in regelmaessigen Abstaenden wiederholen.
    Wie praktisch ist es, wenn man dem Kaffee so zuspricht, dass immer genuegend Kaffeesatz da ist. Mir kommt ueberhaupt vor, es waren noch nie so viele Schnecken unterwegs wie heuer. Darunter auch richtig grosse …
    Aber wir bleiben dran!
    Liebe Gruesse
    Dani

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