Stark verdichteter Gartenboden und wie man ihn verbessert

WENN DER GARTEN IM LEHM ERSTICKT
„Those were the days…“ habe ich jüngst Mary Hopkins im Radio schmettern gehört und instinktiv dazu mit gesummt. Dabei an Tage gedacht, an denen ich Angst hatte, die Kinder könnten den Rasen mit dem wild um sich geworfenen Sand aus der Sandkiste ruinieren. Heute hingegen schleiche ich heimlich in diese Richtung, um mir ein bisschen Sand abzuzweigen. Für, und wer hätte das gedacht, den Rasen und für einen lockereren Gartenboden.

Leider wahr, aber der Gartenboden ist nach wie vor stellenweise stark verdichtet, wenig durchlässig und nimmt in der einen oder anderen Ecke noch immer kein Wasser mehr auf. Wenn es regnet bleiben Pfützen auf der Erdoberfläche stehen, die dort ansässigen Pflanzen vertrocknen und drohen zu verschwinden. Doch noch ist nicht aller Tage Abend!

Fast jeder von uns hat eine kleine, manchmal auch größere Stelle im Garten, an der es einfach nicht rund läuft. Wo der Erdboden mehr einer Autobahn denn einer saftigen Sommerwiese gleicht, wie in meinem Sorgengartenteil hinter dem Haus. Im schattigen Bereich, wo es  frisch und grün sein sollte. Noch dazu in der Nähe eines Bachs. Gerade an einem solchen Fleck könnte man annehmen, die Erde trockne nicht so schnell aus und der Boden speichere die dringend notwendige Feuchtigkeit.

Weit gefehlt. Dieser schattige Teil des Gartens ist ein Prototyp eines stark verdichteten Lehmbodens und macht mir auch heuer wieder Sorgen. Dabei habe ich schon viel ausprobiert, habe

  • entsprechende schattentaugliche Pflanzen wie Rhododendren, Hortensien und Funkien gesetzt, wobei erstere der Maus zum Opfer gefallen sein dürften, da junges Blattgrün und letztere blattweise von den Schnecken niedergemetzelt wurden
  • Laub übers Jahr liegengelassen, was im Herbst ganz gut und interessant aussieht, nur leider zersetzt es sich nicht so schnell, dass rasch Ergebnisse sichtbar sind
  • Moos wachsen lassen, frei nach dem Motto Hauptsache Grün, was mehr fürs Auge und die Nerven ist
  • Kompost zwangslos ins Gelände gepfeffert
  • regelmäßig gegossen, um die lebenswichtige Durchfeuchtung voranzutreiben und doch war es wahrscheinlich noch immer zu wenig
  • Mäuselöcher mit Antimaus-Hausmitteln wie vergorener Buttermilch oder frischen zerstampften Knoblauchzehen gestopft, um sie zu animieren, sich ein anderes Zuhause zu suchen, da es in ihrem aktuellen ziemlich zu stinken begonnen hat
  • Bodenverbesserungsmaßnahmen, wie Lupinen gesät   

SCHWIERIGE UND UNGENUTZTE GARTENECKEN VERSCHÖNERN

Diese Gründüngung ist der Joker in meinem Talon und hat im vergangenen Herbst erste, wenn auch noch nicht flächendeckende Erfolge gezeigt, sodass ich auch heuer wieder nach säen werde. Dazu habe ich mir eine bunte Mischung Gründüngung besorgt, die dichten Aufwuchs und intensive Durchwurzelung versprechen. Dass dadurch Unkräuter unterdrückt werden sollen, interessiert mich nur am Rande. Ich habe lediglich die Verbesserung der Bodenstruktur und damit einhergehend üppiges Wachstum von Hecke und Schattenpflanzen im Blick.

Der Boden ist seit dem Vorjahr auch tatsächlich etwas durchlässiger geworden, doch noch lange nicht so, wie ich mir das vorstelle. Zumindest nicht sichtbar. Aber natürlich ist das kein Grund aufzugeben, sondern eher eine weitere Challenge für die Gärtnerin, die sowieso nicht eher ruht, ehe nicht auch dieser graue Wüstenstreifen zur grünen, wild wuchernden Oase geworden ist. 

TROCKENSCHADEN ODER MAUSATTACKE?

Begrenzt wird dieser störrische Gartenteil durch eine Reihe Eiben, die mittlerweile auch schon in Mitleidenschaft gezogen sind. Die alten Eiben werden eine nach der anderen schütter wie ein schwindender Haaransatz. Machen schlapp und zeigen erste Anzeichen, im Jahreslauf das Handtuch zu werfen. Die restlichen grünen Nadeln kann ich bald an einer Hand zählen.
Allein die Tatsache, dass ich beim Hecken schneiden keinerlei Rücksicht mehr auf versteckte Vogelnester nehmen muss, da derzeit gar kein solcher Bau möglich ist, gibt zu denken. Dabei sollten die Eiben doch bei regelmäßigem und sachgemäßem Schnitt im Juni wieder frisch von unten austreiben. Was man sich von einem immergrünen Sichtschutz ja auch erwarten darf. Doch wie es scheint, habe ich die Rechnung ohne die Eiben gemacht.

Hier stellt sich für mich ganz klar die Frage, ob der Lehmboden für diese unschöne wie undichte Situation verantwortlich zu machen ist oder die gemeine Maus. Die rund um die Hecke ihr Unwesen treibt und sich ab und an leibhaftig aus ihrem Tunnelsystem heraus stolziert, um mir vor der Nase herum zu tanzen. So als wolle sie ein Zeichen setzen, um zu demonstrieren, der Garten sei ihrer. Und die Nachbarkatzen kommen nicht nach mit ihrer Arbeit oder noch schlimmer, sind schon voll bis oben hin. Schöne Zustände sind das nicht.

Doch nicht nur ich tappe im Dunklen, was den Eibenfall anbelangt, sondern auch der zu Rate gezogene Profigärtner und Fachmann. Der wiederum auf Wildverbiss tippte und einen Anstrich gegen Reh & Co aufbrachte und die Sache als erledigt erachtete. Was zum Zeitpunkt dieser Diagnose auch tatsächlich möglich gewesen wäre, da ganze Rehfamilien aus dem angrenzenden Waldstück im Garten herumspazierten, auf der Suche nach kleinen, feinen Knabbereien. Selten jedoch in diesem Teil des Gartens. Leider hat sich die Lage auch mit Zaun, der jetzt die Eiben schützt, nicht wesentlich gebessert. Denn die Gefahr droht nicht vom Wald und somit von oben, sondern von unten, von Lehm und Maus.

DEN LEHMBODEN ÖFFNEN

Gehe ich somit weiter nach dem Ausschlussprinzip vor, ist jetzt der Lehmboden an der Reihe. Die Maus erledige ich dabei nebenher. Mit einem Bohrer, so mein perfider Plan!

Also habe ich begonnen, den Gartenstreifen neuerlich zu bearbeiten und zu aktivieren. Wobei ich mir ein bisschen wie Andre Heller vorgekommen bin, der in Marrakesch eine alte, ausgelaugte Rosenfarm in einen üppig blühenden Paradiesgarten verwandelt hat. 

Was Heller kann, sollte auch mir gelingen. Noch dazu auf einer überschaubaren Fläche von ca. 100 Quadratmetern, statt der 3 Hektar großen Rosenfarm, die der Künstler zum Leben erweckt hat und erblühen ließ.

Dazu habe ich mir eine Schlagbohrmaschine und etwas Sand aus der Sandkiste organisiert. Die Maschine wurde mit einem dicken Bohrer bestückt, um tief in den Boden hineingehen und den Lehmboden fachgerecht öffnen zu können. Zuvor musste ich nur noch die letzte Schicht vom absichtlich liegengelassenen Herbstlaub behutsam befreien, um meine Sicht auf den Boden zu verbessern.

Und schon konnte es losgehen. Ich habe die Fläche äußerst vorsichtig angebohrt, zaghaft und bereit, lieber einmal nachzuarbeiten, als mit Gewalt vorzugehen und Schaden anzurichten. So habe ich wie mit Glacehandschuhen Loch um Loch in den Boden gefräßt und wie ein Schießhund aufgepasst, dabei ja nichts kaputtzumachen, kein Wurzelwerk zu erwischen und womöglich mehr zu zerstören, als zu reparieren und wiederzubeleben.

Beim geringsten Gegendruck bin ich deswegen auch den Weg des geringsten Widerstandes gegangen, da nicht klar war, ob es sich um eine Wurzel oder verdichtetes Erdreich gehandelt hat und habe sicherheitshalber in der Sekunde die Bohrung gestoppt. Um beim nächsten Versuch leicht diagonal aber auch fast parallel zur Erdoberfläche zu fräsen und doch noch etwas Luft ins System zu bringen. Nach einer flächendeckenden, jedoch überaus großzügigen Bohrung habe ich die Löcher mit Sand befüllt und mit der aufgeworfenen Erde plan getreten.

Ein ganz besonderes Vergnügen war es jedes Mal, wenn ich ein Mauseloch erspäht habe. An diesen Stellen war ich weniger zimperlich, habe kräftig rundum gebohrt, das Loch aufgeworfen, künstlich vergrößert und eine Extraportion Sand eingebracht. Mit diebischem Spaß am närrischen Treiben und einem kleinen bisschen Schadenfreude. Denn die kleinen Nager werden große Augen machen, wenn sie ihren Ausgang zugesandet vorfinden. Doch es sei mir verziehen, denn ich muss das Heft wieder in die Hand nehmen. Schließlich verteidige ich ja nur meinen Garten und greife ihm unter die Arme, um nicht von unten her aufgefressen zu werden.

Als krönender Abschluss werde ich noch eine Gründüngung vornehmen, den bearbeiteten und aufgepolsterten Lehmboden und Gründüngung zünftig gießen, damit alles schön einschlämmt und aufgehen kann. Damit ich einen weiteren Schritt in Richtung Grün gehen kann. Vorbei die Zeiten des nackten Lehms, vorbei das Waterloo im hinteren Gartenbereich. So meine Vision vom wiederbelebten Schattenstreifen in sattem Dunkelgrün statt aschigem Lehmgrau. Jetzt kann wieder geblüht werden!

Last but not least noch eine winzige Kleinigkeit in Sachen Fitness aus dem Garten. Die vorangegangenen Bohrungen sind für Freunde des Power Plate Trainings ein wahrer Schüttelgenuss und der Oberarm wird es uns danken. 

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