Ungeduld einer GÄRTNERiN, Liming und die hohe Kunst des Durchhangens

WANN WIRD’S DENN ENDLICH WIEDER FRÜHLING?Die Nerven liegen blank, die Gartenwelt blickt flehend Richtung Himmel und erbittet sehnlichst Sonnenschein und Wärme. Nach Möglichkeit dauerhaft!Und doch ist alles wie immer eine Frage der Sichtweise, wie man die Dinge betrachtet und die für uns Gärtner scheinbar missliche Lage einschätzt. Lassen wir das Wasserglas beiseite und limen stattdessen. 

Schon ein wenig überdrüssig und nur mehr wenig aufnahmefähig, wenn es um das berühmteste Wasserglas in Raum und Zeit geht, kippe ich es heute um. Gedanklich versteht sich. Genug des Guten und vom magischen Zauberglas, das immer gleichzeitig halbvoll wie halbleer ist. Zeit für einen neuen und vor allem frischeren Motivationsschub. Denn einen solchen haben wir mitunter leicht verzagten Gärtner gerade dieser Tage bitter nötig.

DES GÄRTNERS SCHWERSTE PRÜFUNG

Viele von uns kennen es nur zu gut, wie es sich anfühlt, zwischen den Zeiten gefangen und zur Untätigkeit gezwungen zu sein. Denn wer vom Gartenfieber angesteckt worden ist, hat keine Chance. Ist hoffnungslos verloren und muß Jahr für Jahr die schwierigste aller Prüfungen, die uns die Natur abtrotzt, ablegen. Die Prüfung der Zähmung der Ungeduld. 

Dabei stünden gefühlt alle Zeichen auf Grün und einen Neubeginn. Das Jahr ist noch jung und knackig, die Vorsätze sind frisch und  weitgehend in Erinnerung. Beste Ausgangslage für einen Start in die neue Saison. Doch die Natur ist noch nicht bereit für den großen Ansturm, der ihr seitens der wilden Gärtnerschaft blüht und hält uns durch so manche Wetterkapriole hin. Täuscht listig erstes Erblühen vor, um dann umso hemmungsloser alles wieder zunichte zu machen. Obwohl alles nach dem Motto “the same procedure as every year” abläuft, fallen viele von uns immer wieder darauf herein, um sich der Illusion hinzugeben, heuer sei garantiert alles anders.

DIE LÖSUNG FÜR DIE UNENDLICH LANGE ZEIT BIS FRÜHLINGSBEGINN

Dagegen ist zwar kein Kraut, jedoch ein bisschen Obst gewachsen. Fruchtig, saftige Limetten oder Lime. Davon abgeleitet auch Liming oder die große Kunst des Durchhängens. Klingt einfacher als es ist, unglaublich frisch und aktiv und lädt dennoch ein zum Luft holen, zum Innehalten und vor allem auch zum Genießen. Einige Gänge zurückschalten und die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Slow down!  

LIMING ODER DAS HYGGE DES SÜDENS

Was aber versteht man nun genau unter Liming?

Liming hat seinen Ursprung in der Karibik und steht, einfach gesagt, für ein gepflegtes Chillout, genußvoll den Tag vertrödeln und es sich so richtig gut gehen lassen. Professionelle Limer kennen das Geheimnis der Entschleunigung, sie hängen herum, lassen sich zu keinen besonderen Aktivitäten hinreißen, beobachten lieber, was rund um sie herum geschieht und erfreuen sich selbst an der kleinsten Kleinigkeit. 

Beinahe unglaublich, wie nahe alles beieinander liegt, denn würde man jetzt das karibisches Lebensgefühl Liming und die dänische Gemütlichkeit Hygge übereinander legen, um nach einem gemeinsamen Nenner zu suchen, ließen sich unter Garantie verblüffend viele Ähnlichkeiten entdecken. Alles über das nordische Lebensgefühl Hygge können Sie hier nachlesen.

LIMING OF A GARDENER

Setzt man nun an genau diesem Punkt an, kippt das Wasser aus dem viel zitierten Glas und ersetzt es durch Liming, läßt sich die uns gerade endlos erscheinende Zeit zwischen gärtnerisch “unproduktiven” Wintertagen und bereits spürbar nahendem Frühlingsbeginn wie neu definieren. Nämlich als eine wunderbare Chance, ein vielleicht letztes Mal im heurigen Jahr Kraft zu tanken. Tatenlos durch den Garten zu schlendern, ohne in gärtnerischen Aktionismus zu taumeln, der gerade um diese Jahreszeit ohnedies wenig nachhaltig sein dürfte. Ohne in einen irrsinnigen Schaffensrausch abzugleiten und sich stattdessen an den zarten Pflänzchen zu erfreuen, die aus der Erde lugen. Schneeglöckchen, Winterlinge und alle im Garten auftauchenden und erspähten Frühlingsboten zu begrüßen. Einfach nur mit den Pflanzen sein, wie auch immer es um sie bestellt sein mag. Sich ganz auf den Moment einzulassen und die Schönheiten in der Sekunde genießen. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Natur weiß, was sie will.

So gesehen ist genau diese Zeit bis zum ersten Spatenstich ein Segen. Die perfekte Zeit zu limen, eine genussvolle Zeit, um sich noch ein letztes Mal mit weitaus schöneren Dingen als schmutzigen Fingernägeln, Kompost und unaufgeräumten Kellern zu beschäftigen. So man möglicherweise zur Community der durchaus smarten, wenn auch ab und an chaotischen Kellerbesteller zählt. 

Denn es wird auch ohne Aufforderung schon bald wieder richtig zur Sache gehen, der Gartenwahnsinn wird beginnen und uns verschlingen. Ohne Aussicht auf Entkommen! Denn was ein passionierter Gärtner ist, kann einfach nicht loslassen. Nicht einmal zwischen den Zeiten. Glaubt dieser nämlich noch immer stur und steif, der Garten sei ohne sein Zutun dem totalen Untergang geweiht. Aber glauben wir das nicht alle?

M. Claude empfiehlt:

Gönnen Sie sich mit gutem Gewissen noch eine allerletzte Auszeit, denn bald schon stellt sich diese Frage nicht mehr und es heißt wieder:

Gärtner Marsch, 7/24!

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