Von Pfingstrosen, Päonien und Bauernrosen

EINE PFINGSTROSE IST EINE BAUERNROSE, DIE NUR MIT VIEL GLÜCK ZU PFINGSTEN BLÜHT
Bewusst lancierte Eselsbrücke oder reiner Zufall? Die Pfingstrose oder Bauernrose aus der Familie der Päonien ist eigentlich eine Mogelpackung. Jedenfalls nicht das, was man vermuten würde. Alles andere, als sie uns weismacht, zu sein.

Seit Jahren schon steht ein solches Prachtexemplar wacker und unerschütterlich in denkbar unwirtlicher Gesellschaft in meinem Garten. Als blutige Anfängerin in meinen ersten Jahren als beherzte Gärtnerin habe ich sie an den erstbesten freien Fleck gepflanzt, um Jahre später drauf zu kommen, dass just dieser durchaus idealer sein könnte. Einen der heller, leichter zu versorgen und optisch um Klassen attraktiver, da auf einer Hauptverkehrsroute durch den Garten in der ersten Reihe angesiedelt.

Einer kleinen Laune, meine Pflanzen kompromisslos umzusetzen, so sich über Nacht eine bessere Alternative bieten sollte, nachgebend, nahmen die Dinge ihren Lauf. Ebenso wie die Pfingstrose, die ich daraufhin auf Wanderschaft geschickt habe. Weg von ihrem angestammten Platz, hin zu einem neuen, für sie als auch für mich schöneren Standort.

Ziel der Aktion war es, sie in Zukunft besser im Auge behalten zu können und mich maximal an ihrer jährlichen Darbietung zu erfreuen. Dann nämlich, wenn sie in Blüte geht, beginnt sich zu entfalten, sich entblättert und zum Superstar im oberen Teil des hanglagigen Gartens wird. Ein Traum in zartem Puderrosa, mit einer frischen zitronigen Duftnote, die selbst den stärksten Gärtner umhaut.

Dass zwischen den Zeiten blütenfreie Jahre lagen, fällt heute nicht mehr ins Gewicht. Tatsache ist jedoch, dass meine Pfingstrose derart irritiert war durch den ihr aufoktruierten Standortwechsel, dass sie entweder trotzte oder womöglich sogar ein nachhaltiges Burn-out hatte. Sie dachte jedenfalls nicht im Traum daran, zu blühen und mir meinen Traum von üppiger Blüte zu Pfingsten zu erfüllen.

Im Nachhinein ist man wie üblich immer klüger. Heute weiß ich um die Sesshaftigkeit der Pfingstrose und ihre abgrundtiefe Abneigung vor einer Versetzung besser Bescheid. Kein Wunder also, dass sie sich schmollend zurückgezogen hatte. Sich strikt geweigert hat, zu blühen.

Glücklicherweise ist sie nicht nachtragend und hat sich an ihrem Platz weitgehend arrangiert. Auch wenn die Umgebung anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig war und sie sich plötzlich im Kreise finsterer Gesellen statt an finsterer Lage wiedergefunden hatte. Zu ihrer Rechten ein dunkelgrüner, hoch gewachsener Illex, der deutlich mehr Stacheln als Charme hat. Ihr vis à vis auf der anderen Seite ein zügellos wuchernder Baum, der mehr Schatten produziert, als erlaubt ist. Dazwischen ein wenig weiße Azalee und lichter Phlox zur Erhellung und Aufmunterung. Fürs Gemüt.

Intuitiv dürfte ich dennoch die richtige Wahl getroffen haben. Denn Pfingstrosen fühlen sich an windgeschützten Plätzen wohl, gerade dann, wenn sie gleichzeitig ein wenig Schutz vor der prallen Sonne haben.

Heute fühlt sie sich pudelwohl in der Gesellschaft ihrer Pflanznachbaren und hat auch wieder zu ihrem alten Blüh Rhythmus zurück gefunden. Als kleines Dankeschön meinerseits, habe ich ihr noch eine kleine Freundin spendiert und ihr zur Seite gepflanzt, die sie jetzt betüteln, beschatten und beschützen darf. Die Kleine steht direkt unter ihr und ihren Fittichen und lässt sich das nur allzu gerne gefallen. Freut sich wie eine kleine Schneekönigin, darauf vorbereitet zu werden, was es heißt, eine große, edle Päonie zu sein.

Bietet der Standort dann auch noch einen tiefgründigen, lehmhaltigen Boden, kann sich die Pfingstrose so richtig schön entfalten, ihre langen Wurzeln ausstrecken und in der Erde Fuß fassen.

Bei meiner Schönen handelt es sich um eine Strauch Pfingstrose. Sie entwickelt Äste, die von unten her verholzen und an deren Ende sich die Knospen befinden. Darauf ist beim jährlichen Schnitt unbedingt Bedacht zu nehmen, so dass nicht die Blüten der nächsten Saison der Schere zum Opfer fallen. Der Strauch kann mehrere Meter hoch werden und lässt seine schweren Blüten, die schon einmal bis zu zweihandvoll Durchmesser erreichen können, überhängen. Somit  droht Gefahr, dass die herrlichen Blüten abknicken. Doch mit etwas Dünger, der die Pflanzen innerlich stärkt, kann dem entgegen gewirkt werden. Nichts anderes als ein gutes Vitaminpräparat für uns, zur Stärkung und Kräftigung unseres Immunsystems.

Idealerweise wird zweimal pro Jahr gedüngt: einmal zu Pfingsten, nachdem die Pfingstrose verblüht ist, was zur Ausbildung üppiger Blüte im kommenden Jahr beiträgt. Dann erst wieder im nächsten Frühjahr, wenn die Pflanze beginnt, auszutreiben.

Hat die Pflanze schon ein stattliche Größe erreicht, ist es von Vorteil, wenn die Pfingstrose sicher gestützt wird oder Stabilität von umliegender Seite erhält, damit sie sich in ihrer vollen Pracht präsentieren kann.

Die Blüten sind so zauberhaft, dass sie oft als Schnittblumen Verwendung finden und in traumhaften Bouquets ihren großen Auftritt inszenieren dürfen. Pompöser als manche Rose, doch leider so kurzblütig wie eine Sternmagnolie. So, dass die Gärtnerin dementsprechend schneller schauen sollte, will sie das Prachtstück in ihrer vollen Herrlichkeit inhalieren.

Verblühtes wird direkt unterhalb der Blüte abgeschnitten. Strauch Päonien sollten nur in Ausnahmesituationen geschnitten werden. Wenn sie kreuz und quer wachsen, sich nach oben oder unten hin verirren. Ebenso wenn die Äste von Schimmel befallen sind. Dann ist es angezeigt, den kranken Pflanzenteil komplett abzuschneiden. Auch bei Erfrierungen tut dem Strauch die Schere gut. Jedoch sollte immer nur wegkommen, was weg muss. Und natürlich sollte auch hier nach der goldenen Schnittregel vorgegangen werden: ein perfekter Schnitt ist einer, den man nicht sieht!

Die Päonie ist eine rechte Augenweide und eine Duftverströmerin, der der Zauber von alten Bauerngärten noch sichtbar anhaftet.

Warum aber sollte ausgerechnet dieser Traum gewordene Blütenstrauch eine Mogelpackung sein?
Ganz einfach, denn zu Pfingsten hat die Pfingstrose in den vielen Jahren, die wir nun schon gemeinsam und miteinander durchs Gartenjahr gehen, noch nie, wirklich noch nie geblüht. Nicht zu Pfingsten und schon gar nicht nach Pfingsten. Immer vor Pfingsten und das mehrere Wochen vorher. Und Rose ist sie eben auch keine, sondern eben eine Päonie. Maximal eine Bauernrose.

Rose hin oder her, der Unterschied lässt sich nur in Natura erkunden, an Hand einer verführerisch duftenden wie farbintensiven Pfingstrose. Ohne die, einmal erspäht und erschnuppert, bald nichts mehr geht im Garten.

Ein Highlight in jedem Fall, in jedem Garten. Auch dann, wenn sie gerade am Verblühen ist.

2 Kommentare zu „Von Pfingstrosen, Päonien und Bauernrosen“

  1. Topfgartenwelt

    Liebe Dani, auf unserem Grundstueck befanden sich zahlreiche Pfingstrosen, die im Laufe der Zeit an einer Stelle zusammengetragen habe. Nach dem Umsetzen hat es in etwa 2 Jahre gedauert bis alle wieder blueten.
    LG Kathrin

  2. Liebe Kathrin,
    das stelle ich mir sehr schoen vor, mit einem Flair, wie man es in alten Bauerngaerten erleben kann. Es lohnt sich, geduldig zu bleiben.
    LG Dani

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