Von der Lust auf Kamille, der Kraft der Heilpflanze und einem Geheimrezept für strapazierte Gärtnerinnen-Hände

VON GARTENWELTEN UND DER MODEIm Garten geht’s zu wie in der Mode. Wer sich im Sommer einen schicken Badeanzug zulegen möchte, hat schlechte Karten. Die Sommerware ist schon wieder Schnee von gestern und „Da hätten Sie besser früher kommen müssen“ die gängigste Antwort, die die Suchende erhält. Doch zum Glück gibt`s im Garten für alles eine Lösung!

GANZ IN WEIS

Blütenbekränzte zarte Mädchenhäupter, aromatisch duftende Teemischungen und im Wind wiegende Blütenmeere im Feld machen allein schon beim Anblick froh. Bilder, die an Omas Garten erinnern, an unbeschwerte wie endlos lange Tage im Hochsommer denken lassen. Umgeben von Margeriten, Gänseblümchen und Sonnenhüten. Dass sich da wie dort auch ein aufdringlich Invasiver wie der Feinstrahl listig zwischen die weißen Blümchen mogelte, habe ich in Kauf genommen. Ist er doch ebenso zauberhaft wie die anderen Körbchen-Trägerinnen, nur dass er eben auf der hiesigen Watch List der unerwünschten Pflanzen steht. Weil ihm der Ruf vorauseilt, heimische Pflanzen zu verdrängen. Mir persönlich gefällt er ganz gut, vielleicht auch weil ich reichlich davon habe und an den Anblick gewöhnt bin. Meiner darf bleiben, solange er nicht andere Blumen in Bedrängnis bringt und diesen unangenehm zusetzt und ihnen zu sehr auf die Pelle rückt. Und alle zusammen zeichnen ein fast romantisches Bild mit ihrer leicht zerzausten Mähne. Wobei Mähne nicht ganz zutrifft, handelt es bisweilen mehr um ein paar federnartige Strähnen, die vom Körbchen abstehen. Einfach zauberhaft, mir gefällts!

DER TRAUM VON KAMILLE

Allein, eine fehlt mir noch zu meinem weißen Sommerglück: die Kamille.

pixabay

​Ausgerechnet Kamille, denn wir schreiben Ende Juni und die Dinge stehen schlecht für mich und mein Vorhaben. Ein smartes, wie ich meine, denn ich verfolge einen neuen Plan, um meinen Garten um eine Facette reicher zu gestalten. Plane ich doch, zur Kamillengärtnerin zu werden und mich so an den vielen Wohltaten dieser Heil-und Wildpflanze zu berauschen. Am Anblick, am Geschmack, an ihrer Heilkraft und am umwerfenden Kamillenaroma, das die Pflanze verströmen soll. Ein Hochgenuss!

So ich eine im Garten hätte. Eine Kamille muss her. Nur habe ich die Rechnung hier ohne den Wirt gemacht, denn eben jetzt, mitten im Hochsommer, bekomme ich weit und breit keine fertige Kamille, quasi eine, die prêt a planter wäre. Im Topf und pflanzbereit. Dafür gibt es Samen im Tütchen in Hülle und Fülle, von denen ich mir ersatzweise ein kleines Depot angelegt habe und die jetzt in einer Samen-Schatulle für ihren ersten Einsatz gut verwahrt sind.

Aber ein wenig Geduld ist noch vonnöten. Denn erst im August kann es losgehen und das Saatgut bis Ende September auf der Wiese ausgebracht werden. Locker und leger ausgestreut, ist nur darauf zu achten, dass die Samen nicht mit Erde bedeckt und nur leicht angedrückt werden. Den Rest erledigt die Natur für mich und mir bleibt nur noch zu hoffen, dass mein Plan auch aufgeht.  

Bis es jedoch soweit ist, nutze ich die Zeit zur – diesmal saisonal absolut in Time – Vorbereitung und habe mich dazu an den Heilkräuter Experten Rudi Beiser gewandt, um zu erfahren, was die Kamille auszeichnet und was man mit ihr sonst noch so anstellen kann.  

Lesen Sie nun hier im folgenden Beitrag alles über die echte Kamille und bekommen dazu noch ein altes Rezept zum Selbermachen einer Kamillensalbe. Eine Wohltat nach getaner Gartenarbeit, ein Segen gerade für GärnterInnen-Hände, selbst gerührt und gut geschüttelt. 

DIE ECHTE KAMILLE GEHÖRT IN DEN GARTEN UND IN DIE HAUSAPOTHEKE

Gastbeitrag von Rudi Beiser

“​Momentan findet man überall an Acker- und Wegrändern die Echte Kamille (Matricaria recutita). Das sind leider nicht immer die besten Sammelplätze, da die Getreidefelder, in denen die Kamille ihren ursprünglichen Lebensraum hat, häufig gespritzt werden und weil die Feldwege auch oft als „Hundegassi-Routen“ dienen. 

Der Gartendoktor
Das sind Gründe genug, um sich die einjährige Heilpflanze in den Garten zu holen. Und zwar nicht nur weil es eine vorzügliche Heilpflanze und hübsche Blütenpflanze ist, sondern weil sie dem Garten einfach guttut. Denn die Kamille ist eine vorzügliche Mischkulturpflanze, die das Wachstum und die Gesundheit ihrer Nachbarn fördert. Es macht also Sinn die kleine Pflanze im Frühjahr überall im Garten zwischen das Gemüse zu säen. Samen sind Lichtkeimer und werden deshalb nicht mit Erde bedeckt.
Und wenn die anderen Gartenpflanzen einmal kränkeln, dann hilft auch ein Kamillentee mit einem Pumpzerstäuber fein über die Blätter gestäubt. Bei Pilzerkrankungen mische ich den Kamillentee noch mit dem antifungizid wirksamen Lavendel. 
Im Garten liebt die Kamille sonnige Standorte und einen mäßig feuchten Boden. Trockenheit wird nicht so gut vertragen (Läuse!) Vor allem muss nicht gedüngt werden, denn zuviel Düngung hat einen negativen Einfluss auf die Blütenbildung (weniger Blüten) und auf die Ausprägung der sekundären Pflanzenstoffe (weniger Wirkstoffe).

Klein- aber oho!
Bezüglich der Heilwirkung ist die Kamille ein Allroundtalent. Kaum eine Pflanze hat so viele Heileigenschaften zu bieten. Sie wirkt entzündungshemmend, krampflösend, Magenschleimhaut schützend, wundheilungsfördernd, beruhigend und antibakteriell, um nur die wichtigsten Wirkungen zu nennen. Das Haupteinsatzgebiet des Kamillentees ist die schmerzhafte Menstruation, wobei die krampflindernde Wirkung der kleinen Blütenköpfchen zum Tragen kommt. Bekannt sind auch Inhalationen mit Kamillenblüten bei Atemwegserkrankungen und Entzündungen in Mund und Rachen.

Kamillensalbe selber machen
Als Rezept zum Selbermachen möchte ich eine hautberuhigende und entzündungshemmende Kamillensalbe anbieten, die sich auch wunderbar für rauhe, rissige Gärtner*innen-Hände eignet. Zunächst werden 15 g frische zerkleinerte Kamillenblüten in 100 ml Oliven oder Rapsöl eingelegt. Darin 5-6 Tage in einem dunklen Behälter an einem warmen Ort ausziehen. Nach der Auszugszeit wird das Öl abgefiltert.
Mit diesem Ölmazerat wird nun die Salbe hergestellt. Dazu gibt man das Öl (100 ml), 10 g Lanolin anhydrit und 10 g Bienenwachs in ein Becherglas (Fettphase). Das Glas wird dann im Wasserbad auf 65 °C erwärmt, bis das Wachs geschmolzen ist. Aus dem Wasserbad nehmen und noch einige Minuten weiterrühren. Dann die abgekühlte Creme in Döschen füllen. Innerhalb von einem Jahr verbrauchen. Ich gebe am Schluss als Verstärkung der wundheilenden Wirkung gerne noch jeweils  5 Tropfen ätherische Kamillenöl und Lavendelöl dazu.

Echte Kamille sammeln
Kamille war bei unseren Großmüttern das beliebteste pflanzliche Heilmittel, weshalb sie immer einen Vorrat an selbst gesammelter Kamille im Haus hatten. Damit nicht versehentlich die Geruchlose Kamille oder die Hundskamille gesammelt wird, empfehle ich folgenden Test:

Ein Blütenköpfchen mit einem scharfen Messer senkrecht durchschneiden. Ist der Blütenboden hohl, dann ist es die echte Kamille. Ist er mit Mark gefüllt, dann ist es leider eine Verwechslungsart. Die sind zwar nicht giftig, aber auch nicht besonders heilkräftig.​”

© Bild: Rudi Beiser

Mehr über Rudi Beiser und sein Pflanzen-Wissen finden Sie hier.

Dem Einzug der Kamille im Garten steht jetzt nichts mehr im Weg, die Kamille kann kommen!

pixabay

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