Faszination Kakteen: Von der Wüste ins Wohnzimmer und wie die dornigen Sukkulenten dort überleben

DIE BESTEN TIPPS ZUR RICHTIGEN KAKTEENPFLEGEKakteen sind große Leidenschaft. Vom Suchtpotenzial her gesehen nicht weniger gefährlich als Orchideen. Wie aber pflegt man Kakteen richtig, denn auch sie gehen in manchen Haushalten ein wie die Primeln. Oder eben Orchideen. Die Lage mag noch so dornig sein, jedoch mit entsprechenden Hintergrundinformationen und der richtigen Pflege durchaus rosig. 

VON KAKTEEN UND ORCHIDEEN

Die Zeit war reif, ein wenig Luft zu schnappen und mich entspannt zurückzulehnen. Meinen Orchideen beim Wachsen zuzusehen und mich an ihnen zu erfreuen. Hatte ich doch erst vor kurzem mein Experiment, Orchideen in Wasser zu kultivieren, erfolgreich zu Ende gebracht. 

Alles wäre perfekt gewesen, wäre mir nicht völlig überraschend ein kleiner Kaktus in die Quere gekommen. Mitten im Geschäft stand er plötzlich vor mir, zeigte auf, suchte nach Aufmerksamkeit und wollte offensichtlich mitgenommen werden. Hatte vielleicht Größeres im Sinn und wollte mich womöglich noch zur Kakteenflüsterin machen.

Derart herausgefordert entsann ich mich, beiläufig davon gehört zu haben, dass es eine, wenn auch unsichtbare Verbindung zwischen den Mädels aus dem Dschungel, den Orchideen und dem Wüstenschiff Kaktus geben soll. So betrachtet ist es auch denkbar, dass jeder Orchideenfan im tiefsten Herzen ein Kakteenfan ist. Und das Zeug zum Kakteenflüstern hat. Es nur noch nicht weiß.

Warum also nicht auch noch einen Kaktus ins Wohnzimmer holen? Nach den unzähligen Orchideen, die mittlerweile überall herumstehen und immer mehr werden, sollte so ein kleiner stacheliger Freund, der eigentlich gar kein Stacheliger ist, nicht weiter ins Gewicht fallen. 


​STACHELN ODER DORNEN, DAS IST HIER DIE FRAGE

Die Annahme, es handle sich um Stacheln, die dem Kakteengärtner das Hantieren mit dem Mini-Wüstenschiff erschweren, ist nur einer der Irrtümer, dem viele von uns noch immer Glauben schenken. So ist es auch kein Wunder, dass man manchmal in Schieflage gerät. Samt seinem kleinen Liebling, dem Kaktus.

Um erst gar nicht in ein Kakteen-Dilemma zu schlittern, hier eine einfache wie praktische Pflegeanleitung und ein paar Kuriositäten rund um den dornigen Wüstenbewohner, der heute in jedem Urban Jungle ein gern gesehener Gast ist. Wenn er auch gerne seine Krallen ausfährt und sich somit nachhaltig in Erinnerung bringt. Bei jeder Bewegung.

Denn bevor es an den Kaktus geht, sei mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass es bloßhändig aller Voraussicht nach nicht ohne Einstiche gehen wird.  Selbst die Miniaturdornen der ganz Kleinen sind nicht minder lästig und sitzen manchmal richtig tief im Fleisch. Ohne gute Sicht ist es oft auch ein Ding der Unmöglichkeit, sie flink zu entfernen. Was in jedem Fall Sinn macht, da der Schmerz durchaus nachhaltig sein kann.

Hört sich dramatisch an, ist es aber nicht. Denn unsere Wohnzimmer sind in der Regel genau das, was sich Kakteen wünschen. Warm und kuschelig, im besten Fall auch noch sonnendurchflutet. Was will ein Kaktus mehr? Noch dazu, wo er eine besonders pflegeleichte Pflanze ist. Anpassungsfähig und genügsam, wie kaum eine andere. Zudem schmutzt er nicht, nadelt nicht und verliert selten die Facon. Die ideale Zimmerpflanze, nicht nur für gestresste Zimmergärtner.

VOM WÜSTENSAND AUF DIE FENSTERBANK

Der Einzug ins Wohnzimmer dürfte dem Kaktus wie der Einzug ins Paradies erscheinen. Ist er doch ganz anderes gewohnt. Das raue Wüstenklima und die schwierigen Lebensbedingungen, denen Kakteen dort ausgesetzt sind, endlos lange Trockenperioden, große Hitze bei Tag und bitterkalte Temperaturen in der Nacht machen das Leben in der Wüste nicht unbedingt zum Wellnessaufenthalt für eine Pflanze. 

Wer nun für die Kakteen hofft, dass sie aufgrund ihres borstigen Wesens wenigstens keinen Fressfeinden zum Opfer fallen, den muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen. Denn Dromedare und Kamele fressen Kakteen bis zum letzten Stachel auf. Erinnert manche von uns vielleicht an früher, als man – ob aus Jux oder Naschsucht- gerne Äpfel mitsamt dem Apfelputzen verzehrt hat. Einzig der Stiel blieb übrig. Den ein Kamel nie übriglassen würde. Der Kaktus wird bis zum letzten Dorn aufgeputzt. Ob diese Gier den hungrigen Mäulern wohl bekommt, sei dahingestellt. 

Sicher ist, dass das Überleben in der Wüste für alle Bewohner eine große Herausforderung ist, mit der nur diejenigen zurande kommen, die sich an diese Bedingungen angepasst haben. Kakteen eben.

KAKTEEN UND DIE GEFAHR, DIE AUS DEM HEIMISCHEN DSCHUNGEL KOMMT

Kakteen sind große Meister im Speichern von Wasser in ihren Stämmen. Ihre Blätter haben sie zu ihrem Schutz einfach in Dornen verwandelt. Was wenig hilfreich gegen Aufgefressen werden ist. Wie anhand des Beispiels von Kamel und Dromedar zu sehen ist. Die wiederum selten im Wohnzimmer anzutreffen sind und eine reale Gefahr für den Kaktus darstellen. Dort hingegen lauert eine Bedrohung der anderen Art, nämlich die vonseiten der Zimmerpflanzengärtnerin, die es oft und gerne viel zu gut mit ihren Schützlingen meint. Manches Mal regelrecht übertreibt.

Doch wer in der Lage ist, in der Wüste zu überleben, sollte es auch locker im Home Jungle schaffen. 

VON DER LEIDENSCHAFT ZU PFLANZEN

Dass Orchideen zur Sucht führen und selbst Anfänger in den Irrsinn treiben können, ist irgendwie logisch. Sie blühen wunderschön und zeigen uns dabei ihre tausend Gesichter, die Sie hier bewundern können. 

Kakteen hingegen geben die weniger gefälligen Zimmerpflanzen. Spröde von Haus aus, von Dornen übersät, schlenkern sie nicht selten scheinbar haltlos in ihren Töpfen und fordern ihre ZimmergärtnerInnen heraus, zu entscheiden, ob es jetzt doch langsam an der Zeit wäre, die staubtrockene Erde mit ein wenig Wasser zu versorgen. Verlangen des Gärtners letzte Portion Geduld ab, wenn es darum geht, zu blühen. So soll es doch tatsächlich bedauernswerte Urban Jungler geben, die noch nie in ihrem grünen Leben auch nur eine einzige Kaktusblüte in ihrer Mitte gesehen haben. Was im Übrigen eine kleine Gemeinsamkeit zwischen Kaktus und Orchidee darstellt. Denn auch die sonst so charmanten Königinnen der Fensterbank treiben es manchmal gerne bunt und blühen, wann sie wollen. Ein besonders kapriziöses Exemplar sogar das erste Mal nach sage und schreibe 26 langen Jahren. Ein Hoch auf die Geduld der Gärtner, die es kaum fassen konnten, die aufkeimende Blüte wie ein neu entdecktes Weltwunder bestaunten und sich die Frage stellten, ob das wirklich ihre Orchidee war, die über Nacht ihren Widerstand aufgegeben hatte und zu blühen begann.

Wie kann da Leidenschaft aufkommen?
Doch wenn Leidenschaften im Spiel ist, wird so manches möglich. Und was sind schon 26 Jahre?

Mir wäre es im Fall eines Kaktus etwas zu lange gewesen, war ich bisher aber auch weniger an der Blüte, denn an ihren aberwitzigen Formen interessiert. Bis heute. Denn mittlerweile ziehen auch mich die Kleinen magisch an. So wie Millionen anderer Kakteenfreunde auch, denen der Kaktus so lieb ist, wie mir die Orchidee. Exklusiv. Doch ich befürchte, das gehört jetzt schon der Vergangenheit an. Denn seit ein paar Tagen bin ich nun auch stolze Besitzerin zweier bizarrer Kakteen, die ich seither nach Strich und Faden zu verwöhnen versuche. Was natürlich Unsinn ist, aber so sind wir eben, wir ZimmergärtnerInnen.

WIE AUS STEINEN BLUMEN WACHSEN

Wenn der Kaktus blüht, kann man sicher sein, dass er sich wohlfühlt. Denn Kakteen blühen nur, wenn ihnen die Lebensbedingungen zusagen und sie artgerecht gehalten werden. Dann aber zeigen sie, was in ihnen steckt. Präsentieren ihr volles Potential. So spektakulär, als ob aus Steinen Blumen wüchsen. 

​Um nun erleben zu können, wie aus Steinen Blumen wachsen, sehen wir uns einmal an, was einen Kaktus, der aus der Familie der Sukkulenten stammt, ausmacht. Und was er für ein schönes Kakteenleben braucht. 

WORIN UNTERSCHEIDEN SICH KAKTEEN UND SUKKULENTEN?

Was aber sind eigentlich Sukkulenten, von denen immer wieder die Rede ist, wenn die Sprache auf Kakteen kommt?

​Allgemein wird angenommen, dass alle Kakteen Sukkulenten sind. Das ist auch richtig, allerdings gilt nicht der Umkehrschluss, nämlich, dass alle Sukkulenten Kakteen sind.

Der entscheidende Unterschied lässt sich so darstellen:

  • Kakteen sind ursprünglich Amerikaner, Sukkulenten Weltpflanzen
  • Kakteen haben Dornen, Sukkulenten haben Blätter
  • Kakteen speichern Wasser nur in ihren Stämmen, Sukkulenten auch in den Blättern
  • Dornen allein machen noch keinen Kaktus aus und erst wenn diese aus den kleinen Pölsterchen, die an der Pflanze zu sehen sind, wachsen, kann man sicher sein, einen Kaktus vor sich zu haben
  • Kakteen sind ungiftig, ja man kann sogar die grünen Triebe vom Kaktus essen! Nicht nur Kamel und Dromedar. Aber das ist eine andere Geschichte. Von Sukkulenten hingegen sollte man tunlichst die Finger lassen. Kulinarisch zumindest, denn diese sind giftig und können zu Entzündungen und sogar zu Vergiftungserscheinungen führen.

DIE RICHTIGE KAKTEENPFLEGE FÜR EIN LANGES KAKTEENLEBEN

  • Welcher Standort darf’s für den Zimmerkaktus sein?

Was läge näher, als zu glauben, dass Kakteen grundsätzlich so sonnig wie möglich stehen wollen. Richtig ist, dass der Kaktus ein Sonnenfreund ist, aber nicht jeder Sonnenanbeter verträgt auch die pralle Mittagssonne.
Ähnlich verhält es sich mit Kakteen, die im Winter über der Heizung stehen. Nicht selten kommen sie bei kuscheliger Wärme aus ihrem Rhythmus, strecken sich dem Licht entgegen und geraten, derart irritiert durch die Wärme, gerne einmal aus der Form. Im guten Glauben, der Winter sei schon vorüber und es ginge wieder los.
Kleine Eselsbrücke: Die Farbe des Kaktus hilft uns dabei, den perfekten Platz für jeden Kaktus zu finden. Je heller der Kaktus, desto mehr Sonne verträgt er im Gegensatz zu einem dunklen Kollegen.

  • Wie oft gießt man Kakteen?

Jede Pflanze braucht ein Quantum Wasser, selbst der genügsamste Kaktus. Manche Kakteenfreunde sind dazu übergegangen, den Kaktus gleich einer durstigen Orchidee ins Wasserbad zu tauchen. Allerdings zählen Kakteen nicht zu den Schluckspechten und kommen mit einer moderaten Dosis Wasser gut über die Runden. Hier gilt, immer dann zu gießen, wenn die Erde vollkommen ausgetrocknet ist.
Abzüglich der fünf Monate zwischen November und März, während derer er zu ruhen pflegt. Hier kann man ihn schon einmal bedenkenlos aus den Augen verlieren, ohne dass er Schaden nimmt. Hie und da ein Tropfen Wasser im Vorübergehen reicht ihm zum Glück. Selbst wenn das gelernte Zimmerpflanzen-Gärtnerinnenauge komplett ausgetrocknete Kakteenerde ausmacht und darüber rechtschaffen erschrickt. Alles halb so wild, der Kaktus ruht in sich und beim nächsten Mal Gießen ist alles wieder gut.
Wer unsicher ist, ob die Pflanze schon Wasser braucht, sollte sich immer vor Augen halten, dass im Fall der Kakteen weniger mehr ist. Lieber zu wenig Wasser, als zu viel!  

  • Dünger für den Kaktus

Während der „Wassermonate“ lässt sich der Kaktus gerne verwöhnen und ist einem Schuss Dünger nicht abgeneigt. Braucht ihn sogar dringend, um keine Mangelerscheinungen aufkommen zu lassen. Entweder in Form eines speziellen Kakteendüngers oder eines normalen Pflanzendüngers, der vielleicht gerade zur Hand ist und der einfach in halber Konzentration verabreicht wird.
Hier halte ich es so, wie mit dem übrig gebliebenen Orchideendünger, den ich ja nun nicht mehr brauche, da ich alle Orchideen auf Wasserkultur umgestellt habe und diese seither mit selbstgebrautem Dünger versorge. Nur eben umgekehrt. Beim niedriger dosierten Orchideendünger verdopple ich die Dosis und versorge damit meinen anderen Topfpflanzen. So lässt sich alles verwerten und den Pflanzen schmeckt’s. Zwischendurch eine neue Geschmacksrichtung ist immer eine willkommene Abwechslung. 

  • Kaktus umtopfen

Kakteen umtopfen ist ein Kinderspiel, wenn man die wichtigsten Regeln dazu kennt und gute Handschuhe trägt. Doch bevor es losgeht mit dem Umzug, sollte der Kaktus ein paar Tage nicht mehr gegossen werden und gut austrocknen können. Was die Sache ungemein erleichtert.
Sobald der Kaktus aus dem alten Topf herausgenommen ist, wird die verbrauchte Erde vorsichtig entfernt und darf im Freien durchtrocknen. Dann erst geht’s zurück in den größeren Topf mit frischer Erde. Auch die nächsten Tage wird auf das Gießen verzichtet und direkte Sonneneinstrahlung vermieden, um den Kaktus nicht zu stressen.
Nicht anders mache ich es auch bei meinen im Keller überwinterten Terrassenpflanzen, die nach der Winterruhe auch erst wieder ganz sachte an die neue Situation im Freien gewöhnt werden.

AUF DEN KAKTUS GEKOMMEN

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Kaktus ein recht attraktiver, pflegeleichter wie umgänglicher Urban Jungle Freund ist, der gerade wieder sehr in Mode gekommen ist. Kein Wunder, denn er sieht gut aus, blüht sogar beizeiten, braucht kaum Wasser und stellt keine unangemessen hohen Anforderungen an die Lichtverhältnisse. Und seine ZimmerpflanzengärtnerInnen. Was will man mehr?
Eine moderne Zimmerpflanze, an der man lange Freude haben kann. Allerdings variiert seine Lebensdauer stark und es soll Kakteen geben, die bis zu 200 Jahre alt werden können. Hoffentlich nur in der Wüste und nicht im Wohnzimmer.

Wahrscheinlich auch nicht im tiefsten Winter auf der Terrasse, aber sehen Sie selbst und hören Sie bei Otto rein.

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