Orchideen retten. Das Experiment. Teil 1

Ein Versuch in WundernWenn Blütenstängel und Blatt verschwunden, Wurzeln verdorrt, und die ehemals anmutigen Pflanzen wie verholztes Ästchenwerk im Wald aussieht, ist guter Rat teuer, jedoch hoffentlich noch nicht aller Tage Abend!

Die Entsorgung selbst augenscheinlich aussichtloser Fälle sollte man sich deshalb auch sehr gut überlegen! Im vorliegenden Fall geht es um Orchideen und die sind zäher als der Ruf, der ihnen vorauseilt.

Um das zu überprüfen, lege ich mich ins Zeug, ziehe alle Register und versuche die Rettung am hoffentlich noch vitalen, wenn auch dem Auge nicht nur auf den ersten Blick verborgenen Objekt.

Reanimierung zweier Orchideen

Es gilt zwei Orchideen wiederzubeleben!

Vor lauter Outdoor Garten Aktivitäten, die um diese Jahreszeit für gewöhnlich anfallen, sowie Extraarbeiten durch den täglichen und nicht enden wollenden Regen, dürfte ich meine beiden Indoor Pflänzchen, zwei liebreizende Orchideen, aus den Augen verloren haben. Aus dem Sinn niemals!

Eine davon in elegantem Gelb, die andere in frischem Weiß Pink und beide zurzeit in unerquicklichem Braun Grau.

Die Entwicklung der beiden Ex Schönheiten dürfte einen ungünstigen Verlauf genommen und beide vor meinen Augen zu dem gemacht haben, was man selbst mit blühendster Fantasie nicht mehr als Pflanze, geschweige denn als Orchidee bezeichnen kann.

In bester Absicht waren die beiden sich weitgehend selbst überlassen und sollten sich mit sorgsam und bedächtig gewählten Wassergaben und viel Sprühnebel so richtig zuhause bei mir fühlen. Rundum wohl und wie im Urwald. Indes, das tropische Gefühl dürfte sich leider nicht so recht eingestellt haben, dafür stellten beide unisono ihr Wachstum in jeder Hinsicht ein. Zuerst die Blüten, dann die Blätter und Wurzeln und aus war es mit der Pracht. Ziemlich zeitgleich, ein Simultan Crash. Wie abgesprochen. Offensichtlich den vier Wänden überdrüssig, wollte man um jeden Preis und mit Nachdruck hinaus ins Freie. Eine abgekartete Geschichte.

Nach eingehendem Studium diverser Ratgeber, Handbücher und Bedienungsanleitungen zur richtigen Pflege von Orchideen, habe ich den Entschluss gefasst, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Zu versuchen, die Rettung meiner Zimmerpflanzen nach Art des Hauses zu starten.

Das Orchideen Experiment

Hier der bisherige Verlauf der Rettungsmaßnahmen in chronologischer Reihenfolge:

Mittwoch, 15.6.2016 …

  • Das alte Orchideen Substrat  wurde entfernt und die vertrockneten Stängel und verdorrten Luftwurzeln abgeschnitten.
  • Dieselben Orchideen Töpfe mit neuem Substrat befüllt und die zwei Elendsbündel wieder vorsichtig in die Töpfe hineingepackt. Wie mit Glacè Handschuhen und fast wie bei der Herstellung von Mikrochips habe ich den Kontakt zwischen den verbliebenen Wurzelresten und dem Substrat hergestellt und lose aber doch windsicher im Topf verankert.
  • Aufatmen seitens der Schützlinge: endlich Übersiedlung aus dem Esszimmer ins Freie!
  • Logis neu: Untermiete in einem großen Oleander auf der Terrasse mit integriertem Dschungelfeeling
  • Vor Ort eine ordentliche Portion kühlendes Nass, ein Bad in kalkfreiem Regenwasser
  • The Look: brun sur brun, sehr trockenes Braun ins Grau changierend…
  • Lichtverhältnisse: Der Standort im Oleander bietet Vormittagssonne und spendet nachmittags angenehmen Schatten durch sein weitläufiges Blattwerk, das wie ein schützendes Dach über den beiden thront und für Sicherheit im Orchideen Topf sorgt. Sicherheit vor Wind, Wetter und praller Sonne.
  • Kurze Pause: Innere und äußere Ruhephase für die Gärtnerin und ihre zu reanimierenden Orchideen. Die Dinge nehmen ihren Lauf.
  • Kontrolle: Überprüfung auf Veränderung hin
  • Ergebnis: wenn auch nur im Mikrobereich, so doch zartest sichtbar, zumindest mit Brille, ein Hauch einer grünen Andeutung im traurigen und schaurigen Wurzelbereich in Topf Nummer 1! Topf Nummer 2 präsentiert sich noch etwas verhaltener.
  • Wendepunkt: Der Aufschwung. Wenn auch nur gefühlt und vorerst nur visualisiert. Ab diesem Zeitpunkt unternehmen die beiden einen täglichen kurzen Ausflug, heraus aus dem Blattwerk und rein ins Licht, an die Sonne, wenn auch nicht an die pralle. Es kommt Bewegung und Energie in die Sache und Licht ins Dunkel.
  • Witterung: Tägliche Gewitter und Schauer sorgen für ein ausreichendes Maß an Feuchtigkeit, um den neu zu schlüpfenden Orchideen vorzugaukeln, sie befänden sich tatsächlich mitten im Regenwald.
  • Derzeit ist die Lage noch etwas instabil und lässt noch keine aussagekräftige Prognose zu, wohin die Reise gehen wird.
  • Problemstatus: Ich bin felsenfest davon überzeugt, täglich neue Überraschungen im Wurzeltopf erleben zu können. Nur leider ist es auch nicht ganz einfach, die Finger davon zu lassen und nicht stündlich das ehemalige Wurzelwerk auf neue Triebe hin zu überprüfen, das knorrige Gebilde aus dem Substrat zu klauben, um es dann einer eingehenden Begutachtung zu unterziehen. Ruhe im Topf sollte derzeit noch oberstes Gebot sein.
  • Erste Zwischenbilanz: Orchideen scheinen mehr Wasser zu brauchen, als erwartet, schätzen frische Luft und ein bisschen Sonne.
  • Experimentstatus: iB…in Beobachtung
  • Gärtnerstimmung: aufgeregt zuversichtlich!

Samstag, 18.6.2016 …

Wetterlage: die Wetterlage hat sich leicht verändert und mittlerweile regnet es statt täglich nunmehr stündlich. Unterbrochen von kleinen trockenen, manchmal sogar sonnigen Intervallen. Was zur leisen Beruhigung der aufs äußerste gespannten und strapazierten Gärtner Nerven beiträgt.

Wie es den Anschein hat, finden die Wurzeln ihrerseits Gefallen an der neuen Witterung. Durch die  speziell durchsichtigen Orchideen Töpfe lässt sich jeder Fortschritt besonders leicht beobachten und man kann tatsächlich gut verfolgen, wie sich die im Substrat befindlichen Wurzeln verändern.

Mit viel und heute sogar schon ohne Fantasie: in Topf Nummer 1 wird es schon grün!

Die Wurzeln scheinen sich von unten nach oben aufzubauen, blasen sich wie ein Ballon auf und werden vom vertrockneten brau grauen Halm zum grünen Energielieferanten. Wenn die Übung gelingt.

Spannend und höchst erfolgsträchtig!

  • Aktueller Problemstatus: In diesem etwas labilen Zustand ist noch nicht ratsam, die Schützlinge mit Stolz zu präsentieren. Kenner der Orchideen Theorie, sowie visuell Orientierte dürften sich in diesem Stadium der Reanimation mehr als schwer tun, an einen positiven Ausgang des Experiments zu glauben. Selbst Positiv Denker könnten derzeit noch an ihre Grenzen stoßen. Und doch sehen die beiden Probanten schon etwas frischer und farbintensiver aus als noch vor ein paar Tagen. Fast so, als hätten sie grüne Bäckchen.
  • Risiko: Die große Gefahr liegt derzeit noch im anhaltendem Dauerregen. Hier gilt es punktgenau den richtigen Moment zu erwischen und die beiden Schützlinge vor den Fluten und ihrem Untergang zu retten. Wird dieser Moment übersehen und folglich übergangen, könnte alles kippen und vorbei ist es mit dem Wiederaufbau. Die Feuchtigkeit gewinnt die Überhand und erstes zartes Grün verwandelt sich in Sekundenschnelle in Matsch. Die Chance auf Reaktivierung wäre dann unwiederbringlich vertan.

Zur Vorbeugung und der Sicherheit halber habe ich jetzt einen Schutzschirm über dem Gastgeber Oleander und seinen beiden Kur Gästen aufgespannt.Fortsetzung folgt…
Lesen Sie hier, wie das Experiment weitergeht

M. Claude empfiehlt:

Lassen Sie sich keinesfalls entmutigen und versuchen Sie alles in Ihrer Macht stehende, um zu einem guten und erfolgreichen Gelingen Ihres Projektes beizutragen.
Never give up!

5 Kommentare zu „Orchideen retten. Das Experiment. Teil 1“

  1. Lieber Christian,
    habe ich mir gerne angeschaut, sehr informativ. Ich bin auch ein grosser Fan von Kaffeesatz als Duenger und verwende ihn viel und reichlich im Garten. Bei den Orchideen weniger, da ich seit einiger Zeit von Substrat auf Wasser umgestellt habe. Seither schwimmen meine Orchideen nur noch in klarem Wasser.
    Liebe Gruesse
    Dani

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