Wie ein Tannenbaum eine Adventfeier in zwei Lager spaltet und warum es sich lohnt, genau zuzuhören

O TANNENBAUM
Vorsicht beim vorweihnachtlichen Adventsingen: mit Turbulenzen kann gerechnet werden.

So geschehen beim sonntäglichen Adventsingen im Kreise der Familie. Die Adventlieder werden mit Inbrunst abgesungen, alle legen sich ins Zeug, schmettern festlich gestimmt so gut man eben die richtige Tonlage zu treffen vermag. Bis es passiert und eine kleine Ungereimtheit im Gesang auftaucht. Der Text schlägt verschiedene Wege ein, beginnt zu changieren. O Tannenbaum in zweierlei Interpretation.

Die Sänger zur linken Hand verpassen der besungenen Tanne Nadeln, wohingegen die rechts außen Mannschaft voll der Überzeugung von grünen Blättern singt. Was genaugenommen Unsinn ist. Oder doch nicht?

Woher diese pedantische Differenzierung plötzlich herrührt, ist ungewiss. In genauer Kenntnis des richtigen Textes, vager Erinnerung oder aber, weil man glaubt, es seit jeher so und vor allem richtig im Ohr zu haben? Beim Gesang hängt jeder seiner eigenen Version nach, verteidigt sie singend als auch in Folge rethorisch und schon nimmt die Diskussion ihren Lauf.

Das textliche Auseinanderdriften wirft klarerweise die Frage auf, wie es sich denn nun tatsächlich verhalte mit der Tanne und ihrem Grünzeug. Blatt oder Nadel, das ist jetzt die Frage.

Hand aufs Herz, aber hätten Sie gewusst, was der Tannenbaum trägt?

TANNENNADELN SIND BLÄTTER

Die Antwort mag überraschen, aber bei den vermuteten Nadeln und dem damit vermeintlich falschem Text, handelt es sich in der Tat um Laubblätter. Präzise gesagt spricht man in der Biologie vom Nadelblatt. Blätter, die auf Grund ihrer langen und schmalen Form Nadeln genannt werden. Da sie auch zu stechen vermögen, vermutet man jedoch im Allgemeinen eher weniger Blatt denn spitze Nadel am Baum.

Nach einigen Recherchen und Verifizierung dieser überraschenden Tatsache haben sich Aufmerksamkeit und Bewusstsein zugespitzt wie die Tannennadel, die gar keine Nadel ist. Der Liedertext wird umgehend weiter analysiert. Und tatsächlich taucht eine weitere verbale Irritation auf. Das besungene Blatt soll, entsprechend der überlieferten Version, ein treues sein. Es wird aufgemerkt, gerade so, als sänge man O Tannenbaum zu allerersten Mal und die nächste Frage steht präsent im Raum. Warum bloß sollte das Blatt auf einmal treu sein soll? Womöglich treu wie Gold. Womit de facto nicht zu rechnen war.

Treu oder grün ist somit die nächste Frage.

DIE METAPHER VOM TREUEN BLATT

Die richtige Antwort ist auch in diesem Fall die eher unerwartete und lautet somit treu. Tatsächlich war die ursprüngliche Version des uns heute bekannten Weihnachtsliedes einst ein musikalisches Wehklagen eines Mannes in Richtung seines flatterhaften Mädeleins. Eine Liebesklage, in dem der Tannenbaum als Metapher für die Treue steht.
Mehr Hintergrundinformationen zum Weihnachtslied finden Sie hier.

Und für alle, die sich nach diesem biologischen Sidestep schon auf den kommenden Adventsonntag freuen und sich im Vorfeld darauf einstimmen wollen, hier endlich das Lied zum Baum.

O Tannenbaum!

https://youtube.com/watch?v=bPBke8bSeJA%3Fwmode%3Dopaque

1 Kommentar zu „Wie ein Tannenbaum eine Adventfeier in zwei Lager spaltet und warum es sich lohnt, genau zuzuhören“

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