Das Drama der sterbenden Eschen und das weisse Stengelbecherchen

ESCHE IN NOTEin eingeschleppter Pilz bringt unsere Bäume in Gefahr, das vor Jahren einsetzende Eschensterben geht weiter. Steht das Ende knapp bevor, sind unsere Eschen dem Untergang geweiht?


MEIN FREUND, DER BAUM

Bäume bedeuten Kraft und Leben. Wir pflanzen Hausbäume, schenken ein Bäumchen zur Geburt eines Kindes. Wir lieben den Wald und beklagen den Tod unseres Baumfreundes gesanglich, wie manche vielleicht noch „Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot“ von Alexandra im Ohr haben werden. Ein berührendes Chanson, das damals wie heute viele zu Tränen gerührt hat.

Erst wenn die Lage brenzlig wird, macht man sich wieder bewusst, was der Wald, der Baum für uns bedeutet.

Ich erinnere mich dann gerne wieder an den würzigen Duft des Waldes, samtiges Moos unter den Füßen, an verschaukelte, vertrödelte und müßige Stunden zwischen Schmökern und Dösen in der Hängematte. Gespannt zwischen 2 Bäumen, schattig bedeckt durch kühlende Baumkronen. Geschmacklich atemberaubende Kräuterbonbons auf der Zunge, die sich langsam auflösen und wie ein Frischehauch durch den gesamten Körper ziehen, eine Spur puren Waldfeelings hinterlassend. An Dunkelgrün, fast Schwarz, den gleichnamigen Roman von Mareike Fallwickl und Einträge in ein in Samt gebundenes Poesiealbum, in dem sich Sprüche wiederfinden, wie „sei wie ein Blättchen im Wind…“. Nein, Scherz. Diesen Spruch dürfte es wahrscheinlich nicht geben. Eher unpassend.

Diese Gedanken im Kopf und noch viel mehr, ertappe und erinnere mich gleichzeitig dabei, an all die wie nebenbei ausgesprochenen und unausgesprochenen kleinen Quengeleien über meinen Schattengarten, in dem sich alter Baumbestand mit Neupflanzungen die Hand gibt. Neupflanzungen deshalb, weil es dennoch nie genug Bäume sein können. Wo ein Riese von einem alten Birnbaum alles überthront und unter sich begraben würde, sollte er eines Tages ins Straucheln geraten. Wo mein Augenstern, ein Tulpenbaum mit seinen knapp 18 erreichten Höhenmetern noch lange nicht ausgewachsen ist. Dort, wo es immer ein klein wenig finsterer ist, als auf der anderen Seite des Gartenzaunes. Dort, wo die Rosen tapfer blühen, aber nie zu einem Rosengarten werden. Dort, wo Gemüse nur vertikal angebaut werden kann. Angelehnt an amerikanische oder auch japanische Verhältnisse, nämlich im Tower, sehr hoch oben und nur in luftiger Höhe maximal Licht bekommt. Der kleinen und selbstkritischen Nörgelei ließe sich noch der eine oder andere, völlig unnötige Vergleich hinzufügen, der Rückschluss darauf zuließe, ein sonniger Garten wäre von Vorteil und die Bäume vielleicht doch dicht, zu hoch, zu viel, zu schattig…

Doch eines Tages wendet sich das Blatt grundlegend. Nachhaltig! Mein Freund der Baum ist tot.

DAS TRAURIGE ENDE DER ERSTEN ESCHE

Ein Tag wie jeder andere im Garten und doch war etwas anders. Wie man oft erst im Nachhinein, dann aber völlig überrascht bemerkt, dass ein gewohnter und vertrauter Anblick nun nicht mehr ganz so normal ist wie bisher.

Wir schreiben den 4. Dezember 2017

Eine Runde durch den Garten brachte es dann auch in mein Tageslicht. Eine der nahe beieinander stehenden Eschen war blasser als ich sie in Erinnerung hatte und schien ihre Rinde da und dort abgelegt zu haben. Ein aktiv darauf einhämmernder Specht trug weiterhin zur Annahme bei, er würde nicht nur spechteln, sondern auch durch seine Hyperaktivität der Rinde des ohnedies schon gebeutelten und abgeblätterten Baumes Schaden zufügen. Der Specht jedoch war nicht der Schurke. In Folge sollte sich herausstellen, dass ein eingeschleppter Pilz der Halunke ist.

In so einem Fall ist es ratsam, einen Experten, im vorliegenden Fall idealerweise gleich eine Baumschule zu Rate zu ziehen. Die Experten empfohlen, noch eine halbe Saison und die weitere Entwicklung der Esche abzuwarten. Um sicher zu gehen, dass der Baum nicht doch noch zuguter Letzt überraschend austreibt. Ein hehrer Gedanke und ganz in meinem Sinne.

Das Jahr ging seinem Ende entgegen und die Esche gedanklich im Weihnachtstrubel unter.

Doch dann, am 24. Mai 2018 war die Tragödie nicht mehr zu übersehen. Der in der Zwischenzeit aus dem Fokus gerückte Baum war mittlerweile nackt und die Entscheidung, ihn zu fällen wurde in der Sekunde gefällt. Keine Rinde mehr am Gehölz, dafür deutliche Risse und Sprünge im Stamm, die eine drohende und aller Voraussicht in Kürze stattfindende Spaltung bereits vor Augen führte, sofern der Baum nicht rasch gefällt würde.

Innerhalb von ein paar Stunden wurde die Fällung für den übernächsten Tag anberaumt, ohne langen Vorlauf. Eine Anzeige an die zuständigen Behörden mit Prüfung der Gegebenheiten war auf Grund von Gefahr in Verzug hinfällig wie der Baum. Das einzige, was zählte war die unverzügliche Fällung desselben.

Besonders dramatisch und ungünstig erwiesen sich die gleichzeitig um den Fällungstermin herum einsetzenden Stürme mit Starkregen und Hagel und ließen bangen. Der sich von Tag zu Tag tiefer spaltende Baum hätte einer solchen Wucht kaum mehr standgehalten und übelsten Schaden anrichten können. In jeder Hinsicht!

DER BAUMKLETTERER IST UNTERWEGS


DAS ESCHENDRAMA GEHT WEITER…

Als wäre nicht schon genug Holz gefallen, kam es in den vergangenen Tagen fast täglich zu weiteren Unwettern, die den durch den Pilz angegriffenen Bäumen extrem zusetzten und manche davon richtiggehend aushebelten. Wenn nicht gleich entwurzelt, dann ging es der Krone an den Kragen.

So kam es, wie es kommen musste.

Eine weitere Esche im Garten wurde von sintflutartigen Wassermassen, Hagel und orkanartigen Windstürmen derart in Mitleidenschaft gezogen, dass ein Ast abgebrochen ist. Ein weiterer hängt nur noch am seidenen Faden, baumelt mehr oder weniger in der Luft und kann jeden Moment zu Boden gehen. Eine leichte Stütze erfährt er aktuell noch durch seine umliegenden Kollegen, wie den Tulpenbaum. Leider gibt es dennoch keine Entwarnung und er droht beim nächsten Gewitter wie ein Zahnstocher endgültig abzubrechen, mit voller Wucht in den Garten zu donnern und ungeahnten Schaden anzurichten.

Im betroffenen Gartenteil sind daher Aufräumungsarbeiten und Wegbenützung derzeit nicht möglich. Solange nicht, bis die Natur die Sache entweder selbst in die Hand nimmt oder aber jedenfalls solange, bis der nächste Baumschneider Einsatztrupp vor Ort ist!

Dennoch großes Glück, dass diesmal nicht der ganze Baum entfernt werden muss!


IM KAMPF GEGEN DAS ESCHENSTERBEN

Was aber sind die Hintergründe für diese Entwicklung? Wie kann es zu einer derartigen Schwächung unserer Eschen kommen? Was ist das für ein Pilz mit einem derart reizenden Namen “Weisses Stengelbecherchen”, der die Bäume dahinrafft?

Finden Sie hier Anworten auf diese Fragen. Die Gründe für das Eschensterben, wie und wo es zu diesem Phänomen gekommen ist und welche Prognosen damit befasste Wissenschaftler aktuell abgeben, können Sie hier im folgenden Film sehen: Ein Förster kämpft gegen das Eschensterben

2 Kommentare zu „Das Drama der sterbenden Eschen und das weisse Stengelbecherchen“

  1. Hallo Daniela,
    das macht wirklich betroffen, wenn man das so sieht. Eine ganze heimische Art stirbt aus – es bleibt nur zu hoffen, dass ein Teil der Eschenpopulation resistent wird und daraus neue Eschen gezogen werden koennen.
    Liebe Gruesse, Carla

  2. Liebe Dani, das ist echt toller Beitrag! Im Grazer Garten erlitten einige der alten Buchen einen Sonnenbrand und waren deshalb zu faellen. Vom Holz hat nach wie vor die gesamte Familie etwas. Leider nehmen Baumkrankheiten massiv zu. Ihre Wucht ist oft zerstoererisch.
    LG Kathrin

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