Der Garten des Adachi Kunstmuseums, Japan

Weltgarten Made in Japan Andere Länder, andere Sitten.Haben Sie sich in diesem Kontext schon einmal die Frage nach internationalen gärtnerischen Unterschiedlichkeiten gestellt? Sollten Sie, denn in Japan blühen die Gärten anders.​

​​Kirschblütenschau 花見

Wer an Japan und seine Gärten denkt, sieht garantiert ein ganzes Land, das flächendeckend unter herab rieselnden rosa Kirschblüten bedeckt ist. Versuchen Sie es gleich selbst einmal und lassen Sie mich gerne wissen, was Ihnen Ihr Kopfkino vorgespielt hat. 

Ohne Kirschblüten wird es aller Voraussicht nach nicht gehen und um eben dieses unangefochten märchenhaft schöne Bild erweitern zu können, habe ich eine liebe Kollegin, Japan Expertin und Gartendesignerin aus Tokyo gebeten, uns einen Einblick in die japanische Gartenkunst zu geben.

Lassen Sie sich gleich im folgenden Gastbeitrag von Anika Ogusu entführen in das Land der Zengärten, die durch ihre Klarheit, Struktur, Steine und Wasser bestechen und in ihrer Gesamtheit reinste Harmonie ausstrahlen. 

Der Garten des Adachi Kunst Museums

Gastartikel von Anika Ogusu

​”Der Garten ist gewissermaßen eine Bildrolle.”
(Adachi Zenkō 1899 – 1990)

© Bild: Anika Ogusu

​Versteckt in der japanischen Provinz, fernab von jeglichen Touristen Hotspots, liegt das Adachi Kunst Museum mit seinem weltberühmten Garten. Weltberühmt vor allem deshalb, weil es von dem amerikanischen Sukiya Living Magazin seit 2003 jährlich zum besten Garten Japans gekrönt wird.

© Bild: Anika Ogusu

Auf ca. 165.000 m² umgeben insgesamt sechs verschieden Gärten die Gebäude des Adachi Kunst Museums, das japanische Gegenwartskunst sowie moderne Kunst für Kinder beherbergt.

Begründet wurde es 1970 von dem Textilhändler und Immobilienmakler Adachi Zenkō, der nach dem Zweiten Weltkrieg begann, vor allem Bilder des Künstlers Yokoyama Taikan zu sammeln.

© Bild: Anika Ogusu

Gartendesign faszinierte den Kunstsammler seit seiner Jugend, und so war er überzeugt, dass Kunst und Gärten untrennbar zusammengehören. Dies zeigt sich auch in seinem Garten, der in großen Teilen von Adachi selbst gestaltet wurde. Die Hauptgärten, der Moosgarten, der Trockenlandschaftsgarten und der Weiße Sand mit Kiefern Garten, wirken mehr wie ein Gemälde denn wie eine lebendige Landschaft.

Um diesen Eindruck noch zu verstärken, befinden sind in den Gebäuden des Museums zwei Fenster, die den Anblick des Garten von außen nach innen holen. Eines dieser  Fenster rahmt den künstlich angelegten 15m hohen Wasserfall. Ein anderes Fenster erscheint wie ein Wandbild in einem traditionellen japanischen Raum.

© Bild: Anika Ogusu

​Eine Ausnahme von dieser Perfektion bieten der Empfangsgarten, der Teegarten und zu Teilen auch der Teichgarten, in denen man zwar ebensowenig Unkraut oder herabgefallenes Laub findet, dafür aber üppig wachsende Büsche, die nicht in enge Formen gezwängt wurden. Dennoch sind auch diese Gärten überdurchschnittlich gut gepflegt und sehen exakt so aus wie es der 1990 verstorbene Adachi Zenkō vorgesehen hat.

© Bild: Anika Ogusu

​Von japanischen Gärten sagt man, dass sie die Natur in Miniaturform nachbilden. Dies trifft nur bedingt auf die Gärten des Museums zu, denn ihre Intention ist eine andere. Der oft gezeigte Weiße Sand mit Kiefern Garten wurde von einem Gemälde des Künstlers Yokoyama Taikan inspiriert, das Kiefern an einem Sandstrand zeigt. Er bildet also nicht die Natur ab, sondern erfindet eine lebendige Szene wie in einer Tuschemalerei. Der ebenfalls berühmte Trockenlandschaftsgarten bildet durch den Einsatz riesiger Felsen abstrakt eine Gebirgslandschaft mit Wasserfällen ab.

© Bild: Anika Ogusu

Wer perfekt getrimmten Azaleenbüschen und in Form gestutzten Kiefern nicht ablehnend gegenübersteht, dem ist ein Besuch des Adachi Kunst Museums unbedingt angeraten. Es wird einem nicht nur ein japanischer Garten wie aus dem Bilderbuch präsentiert, sondern auch eine andere Seite Japans, fernab der Touristenzentren Tokyo, Osaka oder Kyoto. Etwas, das sich viele Touristen wünschen, und doch versäumen. 

Über die Autorin 
​Im Jahr 2008 beendete sie ihre Ausbildung zur Gärtnerin im Botanischen Garten in Hamburg. Schon immer fasziniert von japanischen Gärten, nahm sie die Möglichkeit eines Praktikums in einer japanischen Gartenbaufirma wahr und blieb danach in Tokyo, wo sie bis heute als Gartendesignerin arbeitet. Nebenbei schreibt sie kleine Garten Guides zu japanischen Gärten und betreibt ihre eigene Beratungsfirma in Deutschland, Clover Gartenberatung & Design.
Bildquelle ©Anika Ogusu. Alle abgebildeten Fotos wurden von der Autorin zur Verfügung gestellt.

© Bild: Anika Ogusu


​Für Adachi Zenkō ist der Garten ein Bild, eine Art von Kunst. Der Gärtner ist der Künstler, der den Garten auf die Leinwand malt, bzw. in die Landschaft einbettet.

Auf eine ganz andere Form von Leinwand hat die Regisseurin Doris Dörrie ihren berührenden wie bewegenden Film Kirschblüten-Hanami gebracht. Nicht nur Cineasten, die jetzt noch mehr von Japan sehen möchten, sei dieser Film wärmstens empfohlen. Sehen Sie hier einen kurzen Ausschnitt und lassen sich gefangen nehmen von Hanami.

Welcome to Japan!

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