Gartenorchideen pflanzen

Haben Sie schon Orchideen in Ihrem Garten oder pflanzen Sie noch Rosen?
Die Leber wächst mit ihren Anforderungen, behauptet Eckart von Hirschhausen. Ich meine, der Garten ist wie die Leber. Kaum steigt die Anforderung, zieht er nach und reift daran. Warum also nicht wagen, Orchideen im eigenen Garten zu pflanzen und zu züchten?
​Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Als Orchideenfan der zweiten Stunde habe ich mich bisher noch immer nicht getraut, Orchideen im Garten anzupflanzen. Zwar schrecke ich vor nichts zurück, ja versenke mitunter meine Zimmerorchideen dauerhaft in Wasser und schenke ihnen nichts. Auf die grüne Wiese hat es aber noch keine geschafft.

Dabei werden mittlerweile viele Arten und Hybriden intensiv gezüchtet wie künstlich vermehrt. Heute stehen die schönsten Orchideen überall im Handel und flehen uns Orchideenmuttis und – Vatis aus jedem Eck und Ende auf, sie mitzunehmen. Warten geduldig, selbst unter ungünstigsten Umständen wie Zugluft oder Klimaanlagen nur darauf, ein neues, ein gutes Zuhause zu finden.

Seit kurzem scheinen nun auch Gartenorchideen nachzuziehen. Die ersten Exemplare ihrer Art konnte ich bereits im Gartencenter ausmachen, wo sie sich überaus ansprechend präsentierten.

Calanthe

Ein Blick genügte und mir war klar, ich wollte es mit einer Gartenorchidee versuchen.

Um nun auch Ihnen diese Gartenschönheiten näher zu bringen, finden Sie gleich hier einen Gastbeitrag von Jessica Klepgen, einer Orchideen Expertin, die sich schon jahrelange mir Orchideen beschäftigt und genau weiß, worauf es ankommt.

Heimische Gartenorchideen: Unscheinbare Schönheiten

Gastbeitrag von Jessica Klepgen*

“Sie wachsen vielleicht nicht so opulent, nicht so auffällig strahlend wie ihre tropischen und subtropischen Vertreterinnen. Und doch stehen sie ihnen, wenn man einen genaueren Blick wagt, in ihrer Schönheit in nichts nach.

Die Rede ist von Gartenorchideen, also Zuchtformen unserer heimischen Orchideen. In freier Natur wachsen die auch als Erdorchideen bezeichneten Pflanzen ihren Ansprüchen entsprechend an naturnahen Standorten in Wäldern, auf Trockenrasen, in Flachmooren oder auf Feuchtwiesen.

Spezialisiert auf besondere Standorte

Sie sind dabei oft wahre Standortspezialisten und besetzen Standorte, an denen andere Pflanzen nicht überleben können. Ein Faible haben sie dabei besonders für extensiv genutzte Flächen.

So wächst das Knabenkraut (Dactylorhiza, Orchis) gerne im Überflutungsbereich von Flüssen oder Bächen oder auch auf Feuchtwiesen in Talsenken.

Die Ragwurz (Ophrys) mit ihren oft wie Insekten aussehenden Blüten findet man dagegen gerne auf trockenen und nährstoffarmen Weiden, die von Botaniker*innen auch als Magerrasen bezeichnet werden.

Und Frauenschuhe (Cypripedium), die einen für Orchideen äußerst geringen Lichtbedarf haben, findet man entsprechend im naturnahen Wald.

Das Vorkommen von wilden Orchideen ist also auch bei uns ein Zeichen für eine ausreichend intakte Natur.

Irgendwann in der Vergangenheit entdeckten auch Gärtner*innen die Vorzüge wilder Orchideen für sich und fingen an, diese zu kultivieren und für den Verkauf nachzuzüchten.

Das brauchen Gartenorchideen in deinem Garten

Auch wenn selbst tropische und subtropische Orchideen in der Regel nicht allzu kompliziert zu pflegen sind, machen es einem die Gartenorchideen doch noch um einiges leichter.

Das fängt schon damit an, dass Gartenorchideen nicht umsonst auch Erdorchideen heißen. Sie wachsen nämlich nicht in speziellem Orchideensubstrat, sondern in Erde.

Da sie als heimische Pflanzen unseren Jahreszeiten folgen, fügen sich Gartenorchideen prima in das Gartenjahr ein und können bei der Hege und Pflege des Gartens ganz bequem mitlaufen.

Darüber hinaus vermehren sie sich, wenn ihnen ihr Standort gefällt, ganz von selbst. Frauenschuhe beispielsweise verdoppeln sich jedes Jahr, solange es ihnen gutgeht.

Diese Arten fühlen sich bei dir wohl

Alle oben genannten Erdorchideengattungen eignen sich, je nach vorhandenen Standorten, auch für den eigenen Garten. Ich gebe dir hier eine kurze Übersicht über die Ansprüche der einzelnen Gruppen:

Knabenkraut

  • Gattungen: Dactylorhiza, Orchis
  • Standort: halbschattig bis vollsonnig, leicht saure bis basische Erde
  • Pflege: Beet ständig feucht halten, während der Wachstumsphase sparsam mit Orchideendünger düngen
  • Überwinterung Dactylorhiza: Laub wird im Herbst in der Ruhephase eingezogen, Bildung einer Tochterknolle mit Winterknospe, aus der im Frühjahr der Neutrieb erfolgt
  • Überwinterung Orchis: Laub wird in der Ruhephase im Juli und August eingezogen, Bildung einer neuen Blattrosette im Herbst, aus der im Frühjahr der Neutrieb erfolgt

Ragwurz

  • Gattungen: Ophrys
  • Standort: sonniger, geschützter Standort auf schwach humusreichem, durchlässigem Untergrund
  • Pflege: keine besondere Pflege notwendig, Blätter werden im Juli bis August zum Schutz vor Trockenheit und Hitze vollständig eingezogen
  • Überwinterung: bei ausreichender Feuchtigkeit im Herbst Bildung einer neuer Blattrosette, aus der im Frühjahr der Neutrieb erfolgt

Frauenschuh

  • Gattungen: Cypripedium
  • Standort: Morgen- und Abendsonne und ein lockerer, nicht zu trockener Boden
  • Pflege: Boden ständig feucht halten, Staunässe vermeiden und nur während der Wachstumsphase düngen
  • Überwinterung: viele Sorten sind von ihren Naturstandorten an harten Frost und eine lange geschlossene Schneedecke angepasst. Milde und feuchte Winter sind daher problematisch. Eine Abdeckung aus Flies und Noppenfolie wird empfohlen, um zu verhindern, dass der Boden an warmen Wintertagen taut und zu nass wird.

Was du sonst noch beachten musst

Einmal ausgepflanzt, sind Gartenorchideen wirklich pflegeleicht und brauchen, anders als ihre tropischen Verwandten, auch während der Urlaubszeit keine Vorbereitung oder Betreuung.
Sie müssen auch nicht gestutzt oder gar zurückgeschnitten werden, da sie dies alles selbst erledigen.
Wird es allerdings einmal extrem trocken, heiß oder regnet dauerhaft, kommt auch die Gartenorchidee irgendwann an ihre Grenze.
Daher solltest du ihren Standort im Garten gut planen und dir vorher schon einen Plan überlegen, wie man seine Gartenorchideen in solchen Extremsituationen schützen kannst.

Frassfeinde: können Schnecke und Co der Gartenorchidee gefährlich werden?

Die Antwort ist kurz und klar: Leider ja! Auch vor Erdorchideen machen Schnecken im Frühjahr nicht halt. Man sollte also auch sie regelmäßig auf Fraßspuren kontrollieren und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen
einleiten. 

Eine weitere Gefahr für Erdorchideen sind Pilzinfektionen. Diese treten häufig auf, wenn der Standort nicht richtig gewählt und es beispielsweise zu feucht ist. Einmal befallen lässt sich gegen eine Pilzinfektion an Orchideen kaum etwas ausrichten. Ein weiterer Grund also, wieso anfangs viel Energie in die Wahl des
richtigen Standortes gesteckt werden sollte.

So überwintern deine Gartenorchideen

Auch wenn richtig kalte und frostige Winter hier bei uns immer mehr zur Seltenheit werden: Sollte es doch mal eisig sein, ist das für die Gartenorchideen kein Problem. Denn sie sind bis zu – 20 Grad Celsius winterhart. Auch Regen und Schnee machen diesen Orchideen nichts aus.
Weiter oben liest du die Besonderheiten der einzelnen Gruppen und Sorten während der Überwinterung.

Bezugsquellen für Gartenorchideen

Es gibt einige wenige Orchideengärtnereien, die sich komplett auf Gartenorchideen spezialisiert haben. Ansonsten sind sie, wenn überhaupt, eher als kleiner Teil des Gesamtsortiments von Orchideenhändlern zu finden.

Eine Liste der Orchideenhändler Deutschlands kannst du auf meinem Orchideenfans Blog einsehen. Manchmal führen auch gut sortierte Gartencenter Erdorchideen. 
Die Gartenorchideen, die du im Handel  kaufst, stammen übrigens aus Gründen des Naturschutzes alle aus künstlicher Vermehrung.

Kaufe deine Orchideen nur bei Händlern, die eine CITES-Bescheinigung (“The Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora”) vorweisen können. Diese weist nach, dass die Pflanzen tatsächlich aus künstlicher Vermehrung stammen.

Übrigens: Über die heimischen Gartenorchideen hinaus gibt es auch importierte Gartenorchideen, die bei uns gut wachsen. Das ist zum einen die Japanorchidee (Bletilla) und zum anderen die Tibetorchidee (Pleione). Im Unterschied zu unseren heimischen Vertretern müssen beide aber frostgeschützt oder besser frostfrei überwintert werden.

Japanorchidee (Bletilla)

Und, hast du Lust auf eine Gartenorchidee für deinen eigenen Garten bekommen? Probiere es doch einfach einmal aus und berichte mir gerne, wie alles klappt!“ 

​*Jessica Klepgen ist Gründerin des Orchideenfans Blog, liebt Orchideen und das Schreiben. Auf ihrem Blog finden Orchideenfans, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, wertvolle Tipps zur Orchideenpflege. Als Pflanzentexterin hilft sie grünen Unternehmen dabei, mit ihrer Website und in den sozialen Medien sichtbar zu werden.

Lust auf Winterharte Gartenorchideen

Bildquelle: Jessica Klepgen

Keine Frage, ich habe jetzt große Lust auf Gartenorchideen, werde es noch heute ausprobieren und bin quasi schon so gut wie auf dem Weg ins nächste Gartencenter, um mir einen unverschämt schönen Frauenschuh zu besorgen.

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