Judasbaum (Cercis siliquastrum) im Garten pflanzen

Wie kommt der Judasbaum zu seinem Namen?
Der Judasbaum ist ein großer Freund der Bienen, enthalten seine Blüten doch reichlich Pollen und Nektar. Dennoch verdankt er seinen Namen einer weniger freundlichen Überlieferung, der zufolge sich Judas, nachdem er Jesus verraten hatte, an einem solchen Baum erhängt haben soll. Der Legende nach verfärbte sich der Baum vor Scham rot und hinterließ dem heutigen Cercis ein schweres Erbe. Namentlich.

Noch schauriger die Ansicht, die Blüten erinnerten an den Erhängten. Allerdings könnte sich der Name auch aus anderen Sprachen abgeleitet haben und Judas muss nicht Judas sein. So wäre auch die Interpretation Baum aus Judea eine mögliche. Denn Sprache lebt, so wie der Baum.

Seit einigen Jahren steht nun auch in meinem Garten ein solch farblich beeindruckender wie formschöner Judasbaum oder Cercis siliquastrum, wie er auch heißt, und hat schon einige Abenteuer hinter sich.

Der erste Versuch, ihm einen perfekten Standort zu bieten, erwies sich nach der ersten Saison als gar nicht so perfekt, wie anfänglich erhofft. Stand er doch etwas zu nahe am Haus, wo er sich mit seinem intensiven pinken Blütenflor vortrefflich abhob von der anthrazitfärbigen Hausfront. Ein Kontrast wie gemalt, nur leider auch ein Abstand, wie nicht ideal. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass der Baum, der ebenso als Strauch herrlich blüht, immerhin bis zu 6 Metern Höhe erreichen kann, manchmal auch mehr. Bei einer Breite von bis zu 4 Metern und mehr keine unbedeutende Nebensächlichkeit, die man außer Acht lassen sollte. Ja, im speziellen Fall der unmittelbaren Nähe zum Haus nicht unberücksichtigt bleiben darf. Nicht einmal dann, selbst wenn der Baum nichts dagegen hätte, klein gehalten zu werden, wie auch der Strauch in jedem Format sein Bestes gibt und sich durch Unkompliziertheit hervortut.
Dennoch, es half alles nichts und ich ahnte es schon, dass ich es zu gut gemeint und zu nah am Haus gepflanzt hatte.

So kam es, wie es kommen musste. Der Baum würde sich nicht ideal entfalten können, selbst wenn er für gewöhnlich nur gemächliches Tempo an den Tag legt und langsam vor sich hinwächst. Am Ende würde er zweifellos im Weg stehen. Mit dem Haus kollidieren. Ein Umstand, der der ersten Euphorie, ein ansprechendes Farbbild zu zaubern, geschuldet war. Noch dazu entwickelt der Schöne mit dem nicht ganz gefälligen Namen mit zunehmendem Alter auch noch eine Krone. So schlank er in jungen Jahren daherkommt, so ausladend wird sein Erscheinungsbild in fortgeschrittenem Stadium und lässt im Entferntesten an einen guten Wein denken, der im Lauf der Jahre immer besser wird. Im Fall des Judasbaums immer üppiger.
Letztendlich war mir das Risiko dann doch zu groß, einen Riesen vor dem Hauseingang zu haben, der am Ende des Tages womöglich auch noch zur Tür hinein wachsen würde. Habe ich schon genug zu tun mit meinem Tulpenbaum, der wächst und wächst und kein Ende seiner ausufernden Aktivität in Aussicht stellt. Nicht daran denkt, es gemütlicher anzugehen, innezuhalten und ein bisschen die Aussicht zu genießen. Von ganz oben, von ungefähr 18 Metern Höhe, wenn es reicht. Doch das ist eine andere Geschichte, die Sie hier nachlesen können.

Nach der ersten, wenig vielversprechenden Saison, da ich mir dadurch hausgemachte Probleme in den Garten geholt hätte, habe ich demnach einen neuen Platz für den Judasbaum gesucht. Diesmal weniger impulsiv, stattdessen mit System und mit Bedacht. Der neue Standort sollte schließlich für die Ewigkeit sein. Auf dass schön gewachsen und geblüht werden kann.

Wann blüht der Judasbaum?

Für den Baum ein leichtes Spiel, musste er sich nicht großartig auf eine unbekannte Umgebung umstellen und frisch akklimatisieren. Bekam er doch im Frühling einen nagelneuen Platz in seinem gewohnten Umfeld, lediglich ein paar Meter weiter entfernt vom bisherigen Pflanzloch. Diesmal jedoch mit Entwicklungsmöglichkeit. Garantiert.

Auch die Nachbarschaft schien entzückt und so wartete schon eine zauberhafte Samthortensie auf den Neuankömmling und freute sich auf zukünftige Beschattung ihrer unverschämt schönen, weiß lila Blütenköpfe.

Bei näherer Betrachtung taten sich jetzt zwei Interpretationsansätze auf: Entweder ich konnte es einfach nicht lassen und wollte meinen Herzerlbaum, wie wir ihn auch aufgrund seiner herzförmigen Blätter gerne nennen, immer maximal in meiner Nähe wissen oder ich hatte intuitiv einen genial geeigneten Standort für meinen Schönen gewählt.

Mein Pflanzplan hatte natürlich einen konkreten Hintergrund, fast könnte man meinen eine farblich abgestimmte Vision, die sich ab April bis in den Oktober hinein in einer pink violetten Blütenwolke manifestieren sollte. Mein im Kopf gemaltes Bild vor Augen verhieß ein Wechselspiel der Farben, die miteinander vortrefflich harmonieren und sich gegenseitig unterstreichen sollen.

Den Auftakt dabei soll der Judasbaum machen, der im April zu blühen beginnt. Zu diesem Zeitpunkt noch ohne seine Herzblätter, hat er dennoch das Zeug zum Eyecatcher, wenn er seine traubenförmigen Blüten von sich streckt und Farbe zeigt. Während sich parallel dazu langsam und leicht zögerlich die ersten zarten Blättchen zu entfalten beginnen, nimmt die Nachbarin, die Samthortensie schon etwas kräftiger Fahrt auf und präsentiert in gewohnter Reihenfolge ihr erstes Blattwerk. Bevor sie an ihren Blüten bastelt.
Man könnte glatt geneigt sein, zu glauben, die beiden arbeiteten Hand in Hand, so als hätten sie sich abgesprochen, was die Reihenfolge ihrer Aktivitäten anbelangt. Zuerst der geschichtsträchtige Baum mit Blüte, Blatt und Farbenpracht ab April, in Folge abgelöst von der Hortensie mit Blatt und Blüte und die, sobald sie blüht, wie ein UFO aussieht und weit hinein in den Herbst zu blühen geruht. Ein Farbspektakel der Sonderklasse.

In ein paar Jahren wird sich das Blatt noch einmal wenden, dann aber von selbst. Dann, wenn der Judasbaum beginnt eine Krone zu bilden, sich liebevoll über seine Nachbarin neigt, so alle plangemäß über die Bühne geht und die Hortensie schirmförmig vor allzu viel Sonne beschützen wird.

Ein kongeniales Duo, der Judasbaum und die Samthortensie! Der Standort könnte nicht attraktiver sein. Und die Bienen wird’s in jedem Fall freuen.

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