Rettung des Weihnachtssterns

Aktion: Ganzjähriger Weihnachtsstern

Weihnachtszeit ohne Weihnachtsstern ist wie ein Fisch ohne Fahrrad!

Zugegeben, die Anlehnung an diesen Vergleich hat schon ziemlich Patina angesetzt, einen langen Bart und stammt aus dem letzten Jahrhundert. Inhaltlich sollte darauf hinweisen werden, dass es auch ohne geht, was jedoch nicht zwingend stimmen muss.

Die Idee dahinter ist jedoch so topaktuell wie die täglichen News. Ohne Stern geht es nicht. Und so hält Jahr für Jahr ein neuer Weihnachststern Einzug in unseren Wohnzimmern. In allen Couleurs, weiß, rosa, pink oder in herrlich klassischem Rot. Ohne Stern ist Weihnachten einfach nicht Weihnachten!

Und doch jedes Jahr aufs Neue das übliche Drama, the same procedure as every year, wie es im großartigen Dinner for One heißt. Der Superstar unter den Winterblühern mutiert binnen kürzester Zeit zum untergehenden Stern. Der Weihnachtsstern lässt sich hängen, rollt ein Blatt nach dem anderen ein und geht mit fliegenden Fahnen unter. Manchmal unmittelbar nach Einzug ins Wohnzimmer, ein andermal Wochen danach. Aufrecht durchs Jahr kommt kaum einer.  

Dabei scheint auf den ersten Blick alles so unkompliziert zu sein und es hält sich nach wie vor hartnäckig die Mähr, die Pflege sei im Großen und Ganzen ziemlich einfach. Auf den zweiten Blick jedoch sieht die Sache schon etwas anders aus und präsentiert sich wesentlich gefinkelter als angenommen. Und genau das macht den Reiz aus, den berühmten grünen Daumen einem Härtetest zu unterziehen.

Die Challenge

Heuer  will ich es wissen und Ende nächsten Jahres einen um mindestens einen Kopf größeren Stern im festlich roten Kleid im Wohnzimmer stehen sehen. Zuversichtlich und den Erfolg vor Augen, bereite ich mich gewissenhaft auf die Herausforderung vor, den Stern sicher und wohlbehalten durchs kommende Gartenjahr zu bringen. Auf dass er sich zu einer prächtigen Pflanze mit blutroten Blättern mausern wird.

Ursprünglich in Mexiko, Mittel- und Südamerika beheimatet, wächst er dort zu einem beachtenswert  hohen Strauch oder Baum heran. Die Höchstmarke soll bei beeindruckenden sechs Metern Höhe liegen!

Mein Plan sieht nun eine jährliche Übersommerung  vor, solange, bis der Stern die in der Gartenliteratur versprochene Höhe erreicht haben wird. Zielvorgabe notfalls adaptierbar.

Die Challenge kann beginnen!

12 Fakten, die Sie über die roten Sterne wissen sollten!

Poinsettia Day
Joel Roberts Poinsett, US-amerikanischer Botschafter in Mexiko, brachte 1828 bei seiner Rückkehr den ersten Weihnachtsstern in die USA. Die Pflanze erfreute sich schon bald größter Beliebtheit und war fortan fixer floraler Statist zur Weihnachtszeit. Während seiner Hochblüte. Seither wird traditionell am 12. Dezember, dem Todestag seines Entdeckers,  der Poinsettia Day im ganzen Land gefeiert. Jahr für Jahr verschenkt man an diesem Tag in Amerika unzählige kleine Weihnachtssterne in der Verwandtschaft und im Freundeskreis.
Eine nette, kleine und feine Tradition!

Wie der Stern zu seinem Namen kam
Poinsettia, Euphorbia pulcherrima, so der wissenschaftliche Name, der Weihnachtsstern hat viele Namen. Wie aber kam der tropische Stern letztendlich zu seinem stimmungsvollen Namen?
Dahinter stand die unglaublich einfache Idee, den Vertrieb der Pflanze während ihrer Hauptblütezeit in der Vorweihnachtszeit anzukurbeln. Wenn sie Farbe trägt. Ein marketingtauglicher Name musste her, Pflanzenform und Zielabsatzzeitraum wurden in einen Topf geworfen, gut gerührt, geschüttelt und heraus kam, was logischerweise herauskommen musste. Der Weihnachtsstern ward geboren, a star was born!

Giftig!
Der Weihnachtsstern stammt aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Klingt nicht nur gefährlich, ist es auch. Der in der Pflanze enthaltene Milchsaft kann bei Hautkontakt zu Reizungen führen.
Leider giftig!

Saisonware!
Die Tatsache, dass sich der Stern nach Weihnachten so gut wie nicht mehr verkaufen lässt ist eine durch und durch unbehagliche Vorstellung. In diesem Fall  dürfte die kreative Namensschöpfung unfreiwillig an ihre Grenzen gestoßen sein.

Wegwerfprodukt!
Die wenigsten Sterne überstehen Weihnachten unbeschadet und werden radikal entsorgt. Dabei kann die Pflanze mit ein wenig Geduld oft noch gerettet werden. HELP!

Widersacher!
Fühlt sich die Pflanze unwohl, kommuniziert sie dies unverzüglich und äußert ihren Missmut, indem sie ihre Blätter einrollt und abwirft. Wenn es sein muss, eins nach dem anderen.
Wenn ich meinen Stern so aus dem Augenwinkel heraus betrachte, geschieht dies gar nicht so selten.  Fast so, als litte sie unter einem permanenten Aufmerksamkeitsdefizit und heische nach Beachtung.
Dabei fühlt sie sich vielleicht nur unterkühlt und fröstelt, steht im Wasser  oder mitten im Zug. Ist ihren ärgsten Widersachern Kälte, Staunässe und Zugluft schutzlos ausgeliefert.
Am besten, man kontrolliert gleich beim Kauf, ob die Pflanze fit ist, ihre Blätter schön geöffnet sind, sie trockene Füße hat und kleine gelbe Blüten zu sehen sind.

Aber wo geht’s denn eigentlich zur Blüte?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, die tiefroten Blätter seien die Blüten des Weihnachtssterns. Weit gefehlt, denn es handelt sich dabei „nur” um gefärbte Hochstammblätter der Pflanze. Die echten Blüten hingegen finden sind in der Mitte dieser prachtvollen Blätter, sind relativ unscheinbar und sehen aus wie kleine gelbe Punkte.

Sonne & Wasser
Aufgrund seiner Herkunft liebt der Weihnachtsstern Sonne und angenehm warme Temperaturen. An einem hellen, aber nicht zu sonnigen Standort bei angenehmen 20-25 Grad fühlt er sich pudelwohl.
Der Weihnachtsstern braucht nur wenig Wasser und sollte nie im Nassen stehen. Nichtsdestotrotz genießt er es, einmal die Woche ein Bad in wohl temperiertem Wasser zu nehmen und freut sich auch über einen Tauchgang im Wasserbad. Mit einer Badedauer von maximal 10 Minuten. Maximal! Dazu den Topf kurz eintauchen, warten bis keine Luftbläschen mehr aufsteigen, den Topf aus dem Wasser holen und restliches Wasser abschütteln. Der frisch gebadete Stern wandert dann wieder zurück in seinen Übertopf und hat jetzt für eine Woche ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen.  

Nahrungsergänzung
Ein bisschen Dünger schadet nicht und wird alle zwei Wochen bis in den August  hinein verabreicht. Ab dann können Sie die Düngerration einstellen und den Stern getrost in die wohlverdiente Weihnachtspause schicken. Auf dass er zu Weihnachten wunderschön blühe!

Wachstum & Rückschnitt
Um aus einem Sternchen einen Baum wachsen zu lassen, kann es nötig werden, ihn umzutopfen. Dies geschieht am besten im Frühjahr nach der Blüte, ein anstehender Rückschnitt kann unmittelbar danach erfolgen.

Star Intelligence
Der Weihnachtsstern ist eine intelligente Pflanze und signalisiert seine Befindlichkeiten.
Die Pflanze ist doch tatsächlich in der Lage, die Länge von Tag und Nacht zu messen und daraus ihre eigenen Rückschlüsse zu ziehen. Denn sobald sie bemerkt, dass die Nächte länger werden, schaltet sie automatisch um auf Wintermodus,  bereitet sich auf die ins Haus stehende Saison vor und setzt die Produktion bunter Hochstammblätter in Gang.

Kennzahl für üppige Blüte: 12/12
So wie man einen Kanarienvogel nachts mit einem Tuch über dem Käfig zur Ruhe bringt, braucht die Pflanze zur Blütenbildung und Färbung ihrer Blätter Dunkelheit. Zwischen Oktober und Dezember täglich 12 Stunden!
Ansonsten sind die Blätter zwar auch hübsch, aber sie bleiben grün.
Um nun für reichliche Blütenpracht zu sorgen, haben Sie zwei sicheren Methoden zur Auswahl:

  1. Sie können Ihren roten Stern allabendlich ins dunkle Kämmerlein hieven. Am besten gegen 17h, dann kommt man problemlos auf die erforderlichen 12 Stunden. Den Lichtverhältnissen in der Heimat des  Weihnachtssterns entsprechend.
  2. Oder aber Sie behelfen sich eines  kleinen Tricks: Basteln Sie eine hübsche Kapuze, die sie Ihrer Pflanze Abend für Abend einfach über den Kopf stülpen. Simpler Trick, große Wirkung! Derart abgedunkelt glaubt sie, es sei Nacht, entspannt sich, kommt zur Ruhe und schlummert solange friedlich vor sich hin, bis sie am nächsten Morgen wieder von ihrer Kapuze befreit wird.

Und jetzt der absolute Clou: 
So kann man ihr natürlich auch zu jeder anderen Jahreszeit vorgaukeln, der Winter stehe vor der Tür und es sei an der Zeit, die Blütenproduktion anzuwerfen. Sie kennt und versteht das Signal und sollte nach allen Regeln der Logik pünktlich zum anvisierten Termin, wann immerSie wollen*, im rotem Blattkleid dastehen.
Die  12/12 Regel macht‘s möglich!  12 Wochen à 12 Stunden Dunkelheit.
Very tricky!

*Der „wann immer“ Ansatz ist bislang noch Teil meiner Weihnachtsstern Challenge und somit derzeit noch in der Testphase. Ich werde zu gegebener Zeit über den Ausgang des Experiments berichten.

Fazit: Ein (verkannter) Star, der Weihnachtsstern, höchst interessant, eigenwillig und sehr spannend!

M. Claude empfiehlt:

Wagen Sie ein Spiel, fordern Sie Ihr Glück heraus und versuchen auch Sie, ihren Weihnachtsstern gesund und kräftig übers Jahr zu bringen. Bis es wieder heißt:  „Am  12.12. ist Poinsettia Day”.

Save the date!

2 Kommentare zu „Rettung des Weihnachtssterns“

  1. Jahr fuer Jahr versuche ich meine Weihnachtssterne uebers Jahr zu bringen. Das klappt auch ganz gut. So jede zweite Pflanze waechst munter weiter. Aber bluehen wollten sie noch nie ein zweites Mal und somit wandern sie irgendwann auf den Kompost.
    Ich schaffe es nicht den Weihnachtsstern jeden Tag ins dunkle Kellerloch zu stellen und an naechsten Tag zur richtigen Zeit wieder ans Licht zu bringen. Eine Pflanze mit schwarzer Muetze mag ich auch nicht ueber Monate auf dem Fensterbrett.
    Also kaufe ich jedes Jahr einen (oder zwei) Neue. Der Gaertner will ja auch leben.
    Viele Gruesse,
    Anette

  2. Liebe Anette,
    Gratulation! Allein, dass du deine Sterne uebers Jahr bringst, ist schon klasse. Theoretisch (!) sollte es jetzt nur noch ein kleiner Weg sein, den Stern neuerlich zur Bluete zu bewegen. Aber du hast voellig Recht, es ist einfach kein Spaziergang, den Stern wieder zum Bluehen zu bringen.
    Daher plane ich, nebem dem temporaeren Verdunklen ein weiteres Experiment mit meinem Zweitstern durchzufuehren. Ich werde ihn, sofern ich es uebers Herz bringe, ueberhaupt in den Keller stellen und dort fuer ein paar Monate rasten lassen.
    Mal sehen, was passiert, wenn er ab dem Zeitpunkt, an dem er Farbe und Blueten verliert, uebersiedelt und mehr oder weniger ganztaegig schummrigen bis finsteren Lichtverhaeltnissen ausgesetzt ist.
    Ausgang ungewiss und sollte es nicht funktionieren, kaufe ich mir auch wieder einen Neuen 🙂
    Liebe Gruesse
    Dani

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