Schnecken Spezial. Teil 1

SCHNECKENFREIER GARTEN
Stellen Sie sich vor, die Zeit der Schneckeninvasion ist gekommen und doch ist weit und breit keine einzige Schnecke zu sehen. Kein Schneckenteppich im Gras, keine anrollende Schneckenarmada im Gemüsebeet und nicht eine einzige nächtliche Kriechspur auf der Terrasse zu sehen.Zauberei oder smarter Schneckenschutz?Erfahren Sie Neues und Nützliches, das Ihnen bei der Schneckenabwehr helfen kann. Hier im Schnecken Spezial.

SCHNECKEN ANTE PORTAS ODER THE SAME PROCEDURE AS EVERY YEAR

Aus aktuellem Anlass und doch wie jedes Jahr aufs Neue, stellt uns die Natur auf die Probe, auf eine harte Geduldsprobe und fordert uns auf zu Contenance, Kreativität und unaufgeregter Aktion. Die heißeste aller Gärtnerfragen, die der Schneckabwehr und wie man dem in den Garten stehenden Schneckenansturm Stand halten kann, wird wieder von allen Betroffenen sowie in einschlägigen Kreisen rauf und runter diskutiert. Bewegt sich in gewaltigen Amplituden zwischen den üblichen Pro und Contra Polen und nicht wenige sind knapp davor, die Nerven zu verlieren, sollten sich die Schnecken wieder erbarmungslos über Blumen und Gemüse hermachen und sich mit den zartesten der Pflänzchen die Bäuche vollschlagen.

Doch wo Schatten ist, gibt es meist auch Licht, selbst wenn es sich nur um zarte Lichtblicke handeln sollte. Und genau solche Lichtblicke möchte ich Ihnen im mehrteiligen Schnecken Spezial vorstellen. Dabei geht es um Alternativen und neue Ansätze und vor allem darum, wie es vielleicht doch gelingen könnte, die Schnecken vom Beet und bestenfalls gleich aus dem ganzen Garten fern zu halten. Nachhaltig.

VON EINEM DER AUSZOG, DEN SCHNECKEN DAS FÜRCHTEN ZU LEHREN. UMWELTFREUNDLICH UND NACHHALTIG

Bei der Recherche und beim Reden kommen bekanntlich die Leute zusammen und manchmal entwickelt sich daraus auch ein Interview. Den Auftakt zur neuen Serie macht somit ein Gespräch über Schneckenhilfe. Dabei war ich mir anfangs nicht ganz sicher, wer damit gemeint sein könnte, wem genau geholfen werden soll. Den Gärtnern, den Schnecken oder vielleicht beiden gleichzeitig? Meine Aufmerksamkeit war jedenfalls geweckt und rasch wurde daraus ein Interview zur Causa Prima in Tagen wie diesen.

Dazu habe ich Alex befragt, der sich auf seiner Seite Schneckenhilfe umfassend mit der Schneckenproblematik beschäftigt und sich engagiert für ein friedvolles Miteinander zwischen Mensch und Natur einsetzt. Ohne darauf zu verzichten, den Schnecken die rote Karte zu zeigen und dieselben zu vertreiben. Nur macht er es auf seine Art.

Lesen Sie hier das ganze Interview.Interview

“Wie kam es dazu, dass du dich für Schnecken stark gemacht hast?
Viele Dinge sind zusammengekommen und dann hat es irgendwann klick gemacht. Der entscheidende Moment war vielleicht ein Lachen.  Zusammen mit einem anderen Gärtner schauten wir einer Nacktschnecke dabei zu wie sie auf ein Schneckenkorn zusteuerte. Dann sagte er theatralisch zur Schnecke „Oh no, don´t do it!“ und wir beide mussten lachen. Danach bin ich nachdenklich und auch ein bisschen traurig geworden. Ich hab mich über mich selbst erschreckt.

Wie entstand die Idee, einen Ratgeber Blog zu schreiben?
Nachdem ich dieses Erlebnis hatte, habe ich begonnen nach Alternativen zu suchen und mit vielen Gärtnerinnen darüber gesprochen, wie sie mit den Schnecken umgehen. Damals ist mir schon aufgefallen, wie viele unterschiedliche Methoden und Mittel es gibt, die alle ohne Gift oder sonstige Tötungsmethoden auskommen. Daraus entstand die Idee einen Ratgeber zu schreiben und damit nicht nur den Schnecken zu helfen, sondern auch den Gärtnerinnen.

Wie viel Zeit investierst du in deinen Blog, mit dem du möglichst viele Schneckengeplagte zu erreichen versuchst?
Schon jetzt habe ich viel mehr Zeit in den Blog investiert, als ich ursprünglich geplant hatte. Also ich kann das schon gar nicht mehr in Stunden bemessen. Doch ich glaube noch immer, dass es eine gute Sache ist und ich damit vielen Menschen und Tieren helfen kann. Das motiviert mich dann weiterzumachen.

Wieviele unterschiedlichen Schneckenarten gibt es eigentlich?
Es gibt unglaublich viele verschiedene Schneckenarten. Der Großteil lebt im Wasser doch auch am Land leben sehr viele  Arten – in unseren Breiten glaube ich ungefähr 300 bis 400 verschiedene. Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle Schnecken auch Schädlinge sind. Die meisten sind sogar Nützlinge, die dabei helfen tote Tiere und Pflanzenreste in Humus zu verwandeln. Viele wissen auch bereits, dass der Tigerschnegel – eine getigerte Nacktschneckenart – ein natürlicher Feind der gefürchteten Spanischen Wegschnecken ist. Daher schießt man sich auch langfristig ein Eigentor, wenn man Schneckenkorn ausstreut. Denn das tötet nicht nur die Schädlinge sondern alle Schnecken gleichermaßen. Darunter zum Beispiel auch Arten die unter Naturschutz stehen wie die großen Weinbergschnecken.

Auf deiner Seite finden sich Buchtipps zum Thema Schneckenschutz, unter anderem auch ein Schneckenkochbuch.
Hast du denn selbst schon einmal Schnecken verzehrt?

Nein, ich habe noch nie eine Schnecke gegessen und kann mir das auch nicht vorstellen. Ich habe dieses Buch nur mit angeführt, da einige Menschen noch immer glauben, dass Schnecken giftig seien.

Immer wieder ist von Schneckenfallen die Rede, ja du sprichst sogar von der  „Kunst des Schneckenfallenstellens“.
Wie funktioniert das genau?

Da das Absammeln mühsam sein kann, bin ich ein Freund davon, den Schnecken Fallen zu stellen. Dann muss man nicht abends spät oder morgens früh raus und mühsam die Beete absuchen, sondern kann einfach einmal pro Tag die Fallen abgehen und die Schnecken einsammeln.  Als Falle zählt dann alles, was sie tagsüber als Versteck nutzen. Man kann selber ein bisschen ausprobieren, was gut klappt und was nicht. Normalerweise sitzen sie zum Beispiel unter Blumenkübeln auch Steinplatten. Alles was am Tage dunkel, feucht und ruhig ist, zieht die Schnecken an. Denn sie sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber vor ihren Feinden. Viele nutzen Holzbretter oder auch ausgediente Teller oder Pflanzgefäße, die man verkehrt herum in den Garten legen kann.

Was passiert mit den Schnecken, die in die Falle gekrochen sind, wie entsorgst du die abgesammelten Schnecken?
Die eingesammelten Schnecken stecke ich in ein altes Konservenglas mit ein paar Löchern im Deckel. Dann bringe ich sie bei einem Spaziergang über einen nah gelegenen Bach, wo ich mir sicher sein kann, dass selbst ihre Ururenkel nicht den Weg zurück finden können. Es reicht jedenfalls nicht, sie einfach über den Zaun zu werfen, dann sind sie schnell wieder zurück. Manchmal höre ich die Sorge einiger Menschen, dass man durch das Aussetzen die Natur überfordern würde. Doch ich glaube, das ist ein bisschen Panikmache. Denn die angeblichen Spanischen Schnecken stammen eigentlich aus Zentraleuropa. Sie sind nah verwandt mit den roten und schwarzen Wegschnecken und die Arten können sich sogar untereinander paaren. Daher haben die Schnecken auch hier in der Natur viele Feinde und eine ungebremste Vermehrung wird nicht stattfinden. Dennoch empfiehlt sich die Schnecken nur an Orten auszusetzen, wo sie bereits vorkommen.

Kann man den Erfolg der verschiedenen Methoden messen?
Also das Absammeln hilft natürlich sofort und das kann man dann auch selbst erkennen, wenn mit der Zeit immer weniger Schnecken in die Fallen gehen. Um andere Methoden zu testen habe ich Versuche gemacht. Zum Beispiel Kaffee, Eierschalen oder Asche habe ich untersucht und Videos davon gedreht, wie die Schnecken reagieren, wenn sie auf diese Mittel treffen. Da kann man dann ganz klare Ergebnisse sehen. Momentan bin ich gerade dabei mechanische Barrieren zu testen. Dabei hat sich schon jetzt gezeigt, dass zum Beispiel metallische Schneckenzäune oder Schneckenkragen eine gute Wirkung zeigen. Doch hierbei kommt es auf die Ausführung und Bauform an. Nicht jedes Patent ist gleichermaßen wirksam.

Glaubst du, kann es gelingen, Schneckenkorn Anwender von Alternativen in der Schneckenabwehr zu überzeugen?
Tja, das ist eine schwere, oft unlösbare Aufgabe. Die Psychologie hat gezeigt, dass wenn man mit Fakten konfrontiert wird, die zeigen, dass man falsch liegt, glaubt man nachher noch stärker an seine eigene Überzeugung. Das ist ein Drama und ich weiß leider auch keinen Ausweg. Wir Menschen sind leider manchmal irrational und unbelehrbar und ich habe für mich beschlossen, keine Energie mehr darauf zu verwenden, Menschen überzeugen zu wollen. Ich hoffe, dass sie irgendwann von allein einsehen, dass Gift nur Symptome, jedoch nicht die Ursachen bekämpft und daher von vorn herein zum Scheitern verurteilt ist.

Könnte es mit ein Grund dafür sein, weiterhin Gift zu verwenden, dass umweltfreundlicher Schneckenschutz auch mit höheren Zeitaufwand verbunden ist?
Das ist eine Frage der Organisation und der Methoden. Sicher ist Einsammeln und Umsiedeln mit Zeit verbunden. Doch das kann man durchaus mit wohltuenden Aktivitäten wie einem Spaziergang durch die Natur verknüpfen. Eine wichtige Angelegenheit um langfristig etwas gegen Schnecken im Garten zu tun ist, den Artenschutz im eigenen Garten zu fördern und die Wiederansiedlung von Fressfeinden zu unterstützen. Die damit verbundenen Maßnahmen kosten kaum Zeit und auf lange Sicht wird man dadurch viel weniger Probleme mit den Schnecken haben.

Besteht deiner Meinung nach Hoffnung auf Nachhaltigkeit?
Das Wiederansiedeln von Feinden ist meiner Meinung nach die nachhaltigste und vernünftigste Lösung. Auch wenn es einige Jahre dauern kann bis es Wirkung zeigt. Bis diese Maßnahmen greifen, kann es sich auch lohnen einen Schneckenzaun auch Schneckenblech aufzubauen. Die halten quasi ewig und sind daher in meinen Augen auch eine nachhaltige und umweltfreundliche Alternative zu Gift oder Schere.

In der Landwirtschaft und auch im Garten wurde leider lange zu wenig auf Nachhaltigkeit geachtet. Viele Arten sind deshalb heute ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Daher ist es hilfreich, wenn wir im Garten beginnen, dieser Entwicklung mit allen Mitteln entgegenzustehen und Artenvielfalt fördern wo immer es geht. Artenschutz kann im eigenen Garten beginnen.  Dazu gehört auch die Natur nicht völlig kontrollieren zu wollen. Wenn wir beginnen loszulassen und den Garten nicht bis in die kleinsten Ecken hinein aufräumen, können kleine Archen entstehen, in denen sich bedrohte Tiere ansiedeln.  Extrem aufgeräumte Gärten sind artenarm und besonders anfällig für Schneckeninvasionen. Daher sind wilde Ecken unglaublich wertvoll. Die Natur kennt keine Unordnung und gerade an Stellen, die wir als unordentlich bezeichnen, blüht das Leben auf. Daher sind Totholz, ein Gartenteich, Reisig und Laubhaufen oder eine Benjeshecke so wichtig für den nachhaltigen Schneckenschutz. Dort finden Laufkäfer, Aaskäfer und viele andere Fressfeinde einen Lebensraum und helfen dann die Schneckenpopulation nachhaltig zu minimieren.

Kannst du eine Methode empfehlen, mit der du persönlich bisher die besten Erfolge erzielt hast?
Für mich ist es ein Mix aus verschiedenen Methoden, die ich auf Schneckenhilfe.de genauer beschreibe. Dazu zählen zum einen die Pflanzenauswahl und natürlich das geschickte Fallenstellen. Außerdem benutze ich mechanische Hindernisse um gefährdete Jungpflanzen zu schützen, auf die ich nicht verzichten möchte, wie zum Beispiel momentan die junge Petersilie. Generell finde ich, wie bereits gesagt, dass die langfristig  wichtigste Methode der Artenschutz im Garten ist. Das heißt, gezielt den Artenreichtum erhöhen und vielen Pflanzen und Tieren Lebensräume anbieten. Damit löst sich das Problem dann auf lange Sicht wie von selbst. Sicher wird man immer ein paar Schnecken im Garten haben und da gehören sie auch hin. Alle Schnecken aus dem Garten zu vertreiben ist eine Illusion und – meiner Ansicht nach – auch gar nicht erstrebenswert. Daher mag ich auch eine Methode besonders gern und zwar das Füttern der Schnecken. Dabei legt man zum Beispiel eingeweichte Haferflocken, altes Weißbrot oder Beikräuter neben die gefährdeten Pflanzen um dadurch den Fraßdruck zu verringern. Was ich ebenfalls attraktiv finde, ist die Möglichkeit ein Opferbeet anzulegen mit Pflanzen, die die Schnecken magisch anziehen, wie zum Beispiel Tagetes, Salate, Sonnenblumen oder Funkien. Dort lassen sie sich dann auch noch leichter absammeln.

Schließlich gibt es noch eine Methode,  die ich einmal bei einem buddhistischen Mönch beobachtet habe. Als ich ihn fragte, was er gegen die Schnecken in seinem Gewächshaus unternehmen würde, antwortete er mit einem unglaublich breiten Lächeln: „I let them eat.“ Diese Gelassenheit und Großzügigkeit ist für mich die vielleicht wundervollste Methode mit den Schnecken umzugehen. Sein Gewächshaus war bis oben hin voll mit Salat und das, obwohl er nichts gegen die Schnecken unternommen hatte. Sicher, das eine oder andere Blatt war angefressen, doch das störte ihn nicht. Er war trotzdem glücklich.

Dieses Begebenheit vollzog sich kurz nach der Geschichte mit dem Lachen, das mich nachdenklich gemacht hatte, und ich weiß noch genau wie ich mir damals dachte, wie einfach es doch sein kann mit den Schnecken und wie verrückt man sich gleichzeitig damit machen kann. Das war eine große Lektion für mich und ich beginne immer noch innerlich zu lächeln, wenn ich daran zurückdenke.

Lieber Alex, herzlichen Dank für das Interview!”

M. Claude empfiehlt:

Ein kleiner, aber feiner und erprobter Trick in der Abwehr von Schnecken ist es, erst in der Früh den Garten zu gießen. Denn der abendliche Schauer trocknet oft nicht mehr so gut auf, lockt die nachtaktiven Schnecken erst richtig aus ihren Verstecken heraus und verschafft den Kriechern unnotwendigerweise deutlich vorteilhaftere Bedingungen auf ihrer Jagd nach frischem Grün.

Morgens gießen bedeutet somit 1:0, Vorteil für uns!

4 Kommentare zu „Schnecken Spezial. Teil 1“

  1. Liebe Dani, ein sehr informativer Beitrag. Die Idee, dass es sich nun heimische Schnecken handeln wuerde, habe ich letztes Jahr auch in einem Buch gelesen, auf Wikipedia bestaetigt sich diese Annahme allerdings nicht. Das habe ich damals auch in der Buchrezension angemerkt. 🙂 Mein Schneckenbericht kommt erst.
    Ich denke, bislang ist wegen der immer wieder einbrechenden Kaelte noch so ruhig. Wahrscheinlich sind ein paar Schleimiger erfroren.
    LG kathrin

  2. Liebe Elke,
    Du hast voellig recht, einerseits sollte den Schnecken moeglichst wenig Rueckzugsmoeglichkeit geboten werden und andererseits sind Totholzhecken u.a. wichtig, damit die Natur im Gleichgewicht bleibt und alles ausbalanciert ist. Der Trick duerfte sein, einen guten Mix aus Schneckenabwehrmethoden zu kombinieren, je nach Gartenecke und Beeten. Wobei die Gartengroesse eine nicht unbedeutende Rolle dabei spielt.
    In Teil 2 des Schnecken Spezials, der in den naechsten Tagen erscheinen wird, dreht sich dann alles genau um dieses Thema, das der Gartengestaltung. Wuerde mich freuen, wenn du wieder mit dabei bist.
    In der Zwischenzeit drueck ich dir ganz fest die Daumen, dass bei dir weiterhin alles so ruhig bleibt wie bisher!
    Liebe Gruesse
    Dani

  3. Viele Tipps gegen Schnecken (aus Buechern) drehen sich um die Gartengestaltung, dass man so wenig Verstecke wie moeglich anbieten soll. Das sagt sich allerdings immer so leicht, denn auf viele Elemente moechte man ungern verzichten. Komisch ist, dass es dieses Jahr bis jetzt erstaunlich wenig Frassschaeden in meinem Garten gibt. Und ein paar Loecher in den Hostas stoeren mich nicht.
    VG
    Elke

  4. Liebe Kathrin,
    dann haette die Kaelte zumindest in dieser Hinsicht etwas Positives mit sich gebracht.
    Freu mich schon auf deinen Schneckenbericht und habe jetzt auch eine Pinnwand auf Pinterest zum Thema Schnecken und AbwehrTipps eingerichtet. Wenn wir alle Informationen und Tricks zusammentragen, muss es doch moeglich sein, fuer jeden von uns, je nach Garten, die richtige Methode zu finden.
    Liebe Gruesse
    Dani

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