Stachelbeeren: Über guten Geschmack lässt sich streiten

DIE UNTERSCHÄTZTEN BEEREN MIT DEM SCHLECHTEN RUFSauer macht lustig. ​Welchen Ruf aber genießt die saure Beere tatsächlich zwischen all ihren süßeren Kolleginnen? Was ist wirklich dran am “schlechten Ruf”?

DAS ENDE DER GUTEN, ALTEN STACHELBEERE

Die großen Tage der Stachelbeere scheinen vorüber zu sein. Heute zählt sie eher zu den redlichen und soliden Beeren und ist durch die neuen Exoten, die Superfood Beeren wie Acai, Goji, Cranberry oder auch Jostabeere, etwas ins Hintertreffen geraten. Wobei die Jostabeere wiederum eine Kreuzung aus Stachelbeere und schwarzer Johannisbeere ist. Ganz abgesehen von den ewigen Klassikern wie Heidelbeere, Himbeeren oder Johannisbeeren .

Umso spannender, die gute, alte Stachelbeere wieder ins Rampenlicht zu rücken. 

NEUE STACHELBEERZÜCHTUNGEN

Neue Züchtungen machen auch vor der Stachelbeere nicht Halt. Nicht nur im Kampf gegen den Stachelbeermehltau. Es scheint, als würden alle Beeren über einen Kamm gebürstet und ihrer Stacheln entledigt. Schmerzfrei ist die Devise.

​Wie aber sieht es mit dem Geschmack der ehemals stacheligen Früchtchen aus? Wird womöglich auch hier schon am Säuregehalt geschraubt, um die Beere wieder salonfähig zu machen. So wie früher, als noch ein wahrer Hype rund um die Beere tobte.

ALTMODISCHE STACHELBEERE, OBST AUS DER KINDHEIT

Die Stachelbeere hat’s faustdick hinter den Ohren und wenn nicht ganz faustdick, dann vielleicht zumindest golfballdick. Lassen Sie sich überraschen!

Die Stachelbeere ist in der Tat mehr als nur ein leicht altmodischer Fruchtgenuss. Oder hätten Sie gedacht, dass die behaarte und borstige Beere eins das goldene Kalb gab, um das herum getanzt wurde?
​Bei den Engländern.

VON VORURTEILEN UND DEM HPYE UM DIE STACHELBEEREN (ENGL. GOOSEBERRIES) IN ENGLAND

Denkt man an Stachelbeeren, wird einem im ersten Moment meist säuerlich zumute. Dabei ist alles nur eine Frage der Reifung, wie so vieles andere im Leben auch. Zum richtigen Zeitpunkt geerntet, Mitte Juli, ist so eine Stachelbeere ein rundum süßes Früchtchen. Dennoch eilt der Stachelbeere der Ruf voraus, ein Sauerampfer durch und durch zu sein.

​Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Beere mit ihrem extrem hohen Zuckergehalt jedoch eine ganz Süße, die durch die enthaltene Fruchtsäure herrlich fruchtig abgerundet wird. Die Beere ist, so man sich mit ihr anfreunden kann, ein vorzüglicher und erfrischender Energielieferant, ballaststoffreich und enthält viel Vitamin C, sodass sich mit einer Handvoll Stachelbeeren ein Drittel seines Tagesbedarfes an Vitamin C decken lässt.

Die Stachelbeere (engl. Gooseberry) war ursprünglich in England beheimatet und die Engländer waren ganz wild auf die roten, gelben, grünen oder weißen Beeren. Regelrecht versessen auf die etwas sperrige Beere.  

Gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wurden quer durchs ganze Land, einfach überall, wo es nur möglich war, Stachelbeeren angebaut. Es kam zu einem regelrechten Gooseberry Hype, einer totalen Stachelbeer Euphorisierung. Was ausschlaggebend dafür war und welcher Umstand diese Bewegung ausgelöst hat, ist nicht hinlänglich bekannt, jedoch wurde die Beere heiß geliebt.

GOOSEBERRY CLUBS

Die Beeren mit dem Stängel, den zahlreichen Kernen, einem holzigen Teil, den man vor dem Genuss entfernen muss und den Härchen an der Schale wurden indes so sehr verehrt, dass ihr Siegeszug nicht mehr zu stoppen war.  Die Engländer waren wild auf Gooseberries.

Bald schon wurde der erste Gooseberry Club gegründet. Endlich konnte man sich unter Gleichgesinnten ernsthaft, seriös und mit voller Hingabe mit der Beere auseinandersetzen. Natürlich blieb es nicht bei einem Club, die Anhängerschaft wuchs und wuchs und am Höhepunkt dieser Beerenbewegung waren mehr als 170 Einrichtungen, die sich mit der Beere beschäftigten, aktiv.

Oberstes Ziel der Clubs war die Züchtung der größten und schwersten Stachelbeere, der ultimativen Gooseberry schlechthin. Die Engländer verschrieben sich mit Haut und Haaren der Anzucht einer solchen Monsterbeere, wollte man doch im knallharten Wettbewerb um „den dicksten Fisch“ gute Figur und das Rennen mit seiner Beerezüchtung, mit seiner Beere machen.

Die ersten prämierten Siegerberries hatten damals immerhin schon das stolze Ausmaß einer kleinen Zwetschke. Doch man gab sich damit nicht zufrieden und setzte alles daran, ihre Wachstumsmöglichkeiten auszureizen und ins Unendliche reifen zu lassen. Mit allen damals zur Verfügung stehenden Mitteln und Methoden. Kreativ, kurios und kapriziös.​

WER HAT DIE GRÖSSTE STACHELBEERE IM GANZEN LAND

Hier ein kleiner Einblick in das Reglement eines solchen Wettbewerbs um die Superbeere von damals:

  • Ehegatten war es erlaubt, gegeneinander im Wettstreit um die beste Beere, die Siegesbeere anzutreten. Allerdings mussten die Beeren nachweislich in getrennten Bereichen des ehelichen Gartens angebaut worden sein.
  • Um die reifende Beere mit einer Extraportion an Nährstoffen zu versorgen, ging man sogar dazu über, der Pflanze ein wenig Milch zu servieren. Very tricky!

Die Faszination der Engländer für die Beere war ungebrochen. Grenzenlos in jeder Hinsicht, schwappte die Begeisterung in Folge bis über den großen Teich und erreichte Amerika. Die Beere machte auch vor dem Präsidenten nicht halt. Denn auch Abraham Lincoln, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika  von 1861 bis 1865, war kein Beerenverächter. Sein Lieblingsdessert soll eine Gooseberry pie gewesen sein.

Auch heute noch erfreuen sich die Stachelbeeren oder Goosberries in England größter Beliebtheit. Die Engländer lieben sie heiß und verwenden sie in maximal vielen Rezepten. In Kuchen, Saucen, Limonaden oder Cocktails. ​Wo auch nur annähernd denkbar, ist Goosberry drinnen. 

STACHELBEEREN ERNTEN

Die Beeren sind zwischen Ende Juni und Ende Juli erntereif. Gut erkennbar ist der Reifegrad, wenn sich ihre Schalen beginnen zu verfärben. Weg vom blassgrünen Teint, hin zu einem weichen Gelbton oder ins Rötliche gehend. Der Stiel wird mit geerntet und sorgt dafür, dass die Beeren länger haltbar bleiben. Dieser wird vor der Verarbeitung samt dem Blütenrest sorgfältig entfernt.

Sind die Früchte geerntet, lässt sich daraus ein einfacher und schneller Obststrudel mit nur drei Zutaten zubereiten. 

REZEPT FÜR EINEN STACHELBEEREN-MARILLEN STRUDEL

Der Sommer ist bunt, die Zeit oft knapp. Da kann es vorkommen, dass es in der Küche auch mal schnell gehen muss. Gerade auch dann, wenn überraschend lieber Besuch vor der Tür steht.
Kein Problem, denn mit nur drei Zutaten und diesem Blitz-Rezept können Sie innerhalb kürzester Zeit Gäste und Sommertag genießen und ganz nebenbei auch noch einen erfrischenden Strudel als Dessert auftischen.

Zutaten: 

  • Blätterteig
  • Stachelbeeren und
  • Marillen*

​Zubereitung: Den Teig ein paar Minuten vor der Verarbeitung aus dem Kühlschrank nehmen, Obst waschen, entstielen, entkernen, halbieren oder vierteln und damit bunt gemischt den Teig belegen, zusammenrollen, mit etwas Wasser bepinseln und ca. 25 Minuten backen, abkühlen lassen. Für die ganz Süßen mit etwas Staubzucker und ein paar extra Beeren hübsch anrichten.
*Aprikosen

Zur geschmacklich und farblich stimmigen Abrundung und Begleitung zum Strudel macht sich ein vollmundiges Glas Lavendellimonade vorzüglich. 

1 Kommentar zu „Stachelbeeren: Über guten Geschmack lässt sich streiten“

  1. Stadtlustgarten

    Das sind ja sehr interessante Geschichten ueber die Stachelbeere. Wusste ich bisher noch nicht. Ich mag diese Fruechte sehr gerne, jetzt ist mein Garten leider zu klein, sonst haette ich bestimmt welche angebaut.
    LG kathinka

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