Urban Jungle oder die Rückkehr der Zimmerpflanzen

GREEN IS BEAUTIFUL
Von der Tinte bis zur Serviette. Die Welt ist in ganz in Grün getaucht und täglich wird es noch ein Stückchen grüner. Frisch, saftig grün und sehr lebendig.Dabei hat alles mit einem Stück Plastik begonnen.

Ich liebe Büroartikel. Bei schönen Heften, hübschen Stiften und anprechenden Mappen werde ich schwach und besorge gerne auch einmal ein Teil zu viel. Ein kleiner grüner Plastik Stiftehalter hatte es mir ganz besonders angetan und schien die Lösung zu sein, um meinen ohnehin eher überschaubar großen Schreibtisch optisch und praktisch aufzupeppen und diesen nicht unnötig zu überfrachten.

Das Grün machte sich recht appetitlich am Tisch und war fortan ein richtiger kleiner Lichtblick. Besonders an trüben Tagen und besonders auch dann, wenn es am Schreibtisch nicht ganz so flott wie gewünscht voran ging. Was also lag näher, als noch mehr Freude und Licht in den Alltag zu bringen und sich bei dieser Gelegenheit seit langem wieder einmal ein echtes, ein lebendiges Pflänzchen zu gönnen. Mit einem Expemplar im Bonsaiformat sollte auch das Platzproblem gewiss zu lösen sein, dachte ich. Schaffte Platz für beide, Zimmerpflanze und Griffelbox. 

DAS COMEBACK DER ZIMMERPFLANZEN

Drachenbäume, Yuccapalmen, Elefantenfüsse oder der gute alte Gummibaum sind noch immer so beliebt wie damals, im letzten Jahrhundert. Einst Symbol für eine ganze Generation, die sich ihren Lebensraum zu einem naturverbundenen Rückzugsort gestalten wollte, sind die Zimmerpflanzen heute zudem Ausdruck eines jungen, urbanen Lifestyles.


Mittlerweile wird alles begrünt, was möglich ist und unmöglich scheint. Und mehr. Vom Badezimmer bis hin zur Gaupe wird begrünt, was das Zeug hält. Die eigenen vier Wände werden zum selbst gestalteten Dschungel, einem Urwald mitten in der Stadt. Das Motto der trendigen Urban Jungler geht in Richtung “Grün, grüner, Urban Jungle”. A new Hype is born!


IM URBAN JUNGLE FIEBER

Das urbane Dschungelfieber ist überall mit voller Wucht ausgebrochen, die grüne Welle schwappt über bis in die letzten Winkel der Wohnungen und wer grün im Herzen fühlt und danach leben will, umgibt sich in Bausch und Bogen mit Grünzeug. Pardon, mit seinen grünen Schützlingen.  

Kein Wunder, denn kaum ein Tag vergeht, ohne dass uns nicht vorgeführt wird, wie behaglich sich Wohnräume mit Zimmerpflanzen gestalten lassen, wie man exotische Riesen überall im Haus züchten kann, wie Behaglichkeit ganz klar in Grün daherkommt. Dabei dienen die Zimmerpflanzen nicht nur als Raumgestaltungselemente, die Naturfeeling gleich automatisch mit sich bringen, sondern werden nicht selten auch zu lieben Freunden. Sie werden gestreichelt, auf Hochglanz poliert, mit entkalktem Wasser benebelt und nicht selten mit mathematisch exakt errechneten Düngergaben verwöhnt. Manch einer dieser Topfpflanzen wird sogar das Vergnügen einer persönlichen Ansprache zuteil, andere wiederum werden regelmäßig ins Freie transportiert, um frische Luft zu schnappen und sich kurz den Wind um die Blätter wehen zu lassen. Ebenso stehen Ausflüge ins Wasserbad auf dem Programm. Fehlt eigentlich nur noch das entsprechende Thermalwasser zum Pflanzenglück.
O Tempo, o Flores!


FLORALES DEJA VUE

Aber war das alles nicht schon einmal da?

Dieser Tage erlebe ich ein grünes Deja Vue und mir kommt vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich mein Zimmer in der ehemaligen Wohngemeinschaft mit allerlei grünem Blattwerk und Grünzeug vollgestopft hatte. Zur Dekoration und für ein gutes Raumklima, versteht sich. Und wenn es einmal schief ging und die Pflanze trotz ambitionierter Pflege dahinwelkte, war das kein allzu großes Malheur. Der berühmte Blumenmarkt mit H machte es möglich und die Verwelkte wurde ohne mit der Wimper zu zucken durch einen grünen Nachfolger ersetzt.

Der grüne Daumen war noch nicht so ausgeprägt und das Ergebnis oft entsprechend. Denndoch unglaublich dekorativ und für viele von uns schon zu dieser Zeit ein absolutes floraes must-have. Quer durch alle Zimmerfluchten hingen hübsch geflochtene Hängeampeln, aus denen sich kleine Blättchen wie Lemminge oder Bungee Jumper von Bücherregalen in die Tiefe stürzten und Palmen und Gräser die Wohngemeinschaften veredelten. Die Lust und Freude an der Topfpflanze war an ihrem Höhepunkt angelangt.

Bis der Einbruch kam und die Zimmerpflanzen zunehmend ins Kreuzfeuer der auf guten Geschmack abonnierten Kritiker gerieten. Skandinavisches Möbelhaus Accessoire war dabei ein noch harmloser Ausdruck der aufkommenden Geringschätzung und Missachtung der unschuldigen Topfpflanzen. Fortan galt die nunmehr diskreditierte Zimmerpflanzenwelt in gewissen Kreisen als Inbegriff der Spießigkeit. Wie übrigens der Gartenzwerg auch, dem ein ähnliches Schicksal wiederfahren sollte und dem es, ganz im Gegensatz zur Zimmerpflanze, auch heute noch weitläufig so ergeht. 

DIE RÜCKKEHR ZUM ZIMMERDSCHUNGEL

Erste Vorboten dazu gab es schon seit längerem und wäre ich etwas aufmerksamer gewesen, hätte es mir vielleicht doch zu denken gegeben, dass ich plötzlichen einen Bademantel im Jungle Print Muster trage, meine Liebe zu Orchideen neu entfacht ist und ich mich seit kurzem in der Kakteenzucht übe.

All das hätte mir bei näherem Hinsehen tatsächlich auffallen können, dass da etwas im Busch ist. Von der erst jüngst getätigten Anschaffung eines Dekokissens in floraler Optik ganz zu schweigen.

​Doch das war bei weitem noch nicht alles. Denn selbst Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens wie Buntstifte und Servietten tauchten wie durch Zauberhand im Jungle Look auf,  Pflanzen Motive auf Regenschirm und Regencape nicht ausgenommen. 


GEFANGEN IN DER HÖHLE DES DRACHENBAUMES

Und dann war es endlich auch bei mir soweit!

Mürbe geworden durch all die schönen Bilder in einschlägigen Hochglanz Gartenzeitschriften, in der Social Media Welt und natürlich in den Blumenmärkten, die aktuell die „alten“ Zimmerpflanzen erneut aufs Schönste präsentieren, als würden sie sie über den Laufsteg schicken wollen, war auch ich jetzt nicht mehr zu halten. Einer derart aufgeheizten Stimmung konnte ich nicht lange wiederstehen: ein Gummibaum “wie damals” musste auf der Stelle her!

Ich war hoffnungslos gefangen und, einer nach dem anderen, sind mehr als eine Handvoll hübscher Zimmerpflanzen wieder im Haus eingetrudelt. Minipalmen, ein Baby Ficus Benjamin, ein Zwerg Gummibaum und eine noch kleine, jedoch keineswegs kleinwüchsige Monstera Deliciosa sind bisher schon da und ergießen sich gerade über Küche, Wohnzimmer und Arbeitszimmer. 

Gezählt bzw. vorbei sind die Tage, an denen ich stur und steif behauptet habe, neben einem doch sehr anspruchsvollen Garten absolut kein Grünzeug im Haus gebrauchen zu können. Genug des Guten, jedoch  Irrtum auf ganzer Linie!

Heute sage ich zum Glück geirrt, denn der Traum vom Arbeiten im Grünen ist jetzt wahr geworden, mein Schreibtisch ist eine einladende Oase und selbst die Raumluft hat sich gefühlt deutlich verbessert. Allein durch den täglich von mir produzierten Sprühnebel, das regelmäßige Lüften, damit die Pflänzchen auch genügend Frischluft bekommen…

Green Working par excellence. Mit meinem Green Team. So macht Arbeiten Spaß!

M. Claude empfiehlt:

Do it like Igor Josifovic!
Machen Sie’s dem Pflanzenliebhaber und Blogger in Sachen Grüner Daumen nach. Wenn Josifovic seine Pflanzen betütelt, zündet er Duftkerzen an, legt schöne Musik auf und schaltet angeblich sein Telefon auf lautlos. Wäre doch einen Versuch wert. Wellness pur für uns und unsere Zimmerpflanzen ist es allemal.

2 Kommentare zu „Urban Jungle oder die Rückkehr der Zimmerpflanzen“

  1. Liebe Hilda,
    lass es mich bitte wissen, wenn es soweit ist und der erste Gummibaum bei dir im Haus Einzug haelt…:)
    Liebe Gruesse aus dem Mini Dschungel!
    Dani

  2. Liebe Dani,
    was fuer ein ergoetzlicher Post. Ich reihe mich ein in die Zimmerpflanzenliebhaberin von damals: Philodendron, Yucca, Gummibaum und alle moeglichen Ampelpflanzen: War alles da.
    Nur die Wiedergeburt dieser Liebe ist bei mir noch nicht erfolgt. Mal sehen, ob das noch kommt.
    Dir aber wuensche ich weiterhin viel Freude in deinem kleinen gruenen Dschungel!
    Liebe Gruesse
    Hilda

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