Weltgarten Marokko. Andre Hellers Paradiesgarten Anima und Interview

DIE RÜCKKEHR INS PARADIES​„Ich wünschte, ich könnte meinen Geschmack an der Gartenkunst der ganzen Welt einflößen“

(Charles Joseph de Ligne,  1735-1814)


​DER NIMMERMÜDE GÄRTNER

Bildquelle: ANIMA

André Heller hat es wieder getan.

Nachdem er in Gardone, direkt am Gardasee, eine grüne Oase geschaffen und dieser zur Hochblüte verholfen hatte, war das Projekt gelaufen. Jedoch ein Künstler wie Heller pflegt selten zu ruhen und so war sein nächster Plan, einen weiteren, noch kunstvolleren Garten anzulegen, nicht wirklich überraschend. Noch größer und prächtiger als der Italienische sollte er werden, Hellers Handschrift sollte er tragen und zu seiner ureigensten Spielwiese werden. Die Idee hatte ihn gepackt, ließ ihn weiterhin nicht mehr los, seine Liebe zu Marokko noch weniger und so war der Samen auf dem Weg zu einem grünen Gartenkunstwerk „mit dem schönsten Blick der Welt auf das Atlasgebirge“ (André Heller) gesät.

​ANIMA war auf dem Weg, konnte realisiert werden.

ANIMA

Bildquelle: ANIMA

Doch zuvor galt es einen geeigneten Ort in entsprechender Dimension aufzutreiben, der für die Anlage eines solchen imaginierten Paradiesgartens geeignet wäre. Heller fand ca. 30 Kilometer außerhalb von Marrakesch eine völlig brachliegende ehemalige Rosenfarm, die sich immerhin über eine Fläche von annähernd 4 Fußballfeldern erstreckt. Jedoch ein totes Stück Land, das durch Überdüngung völlig ausgedörrt war. Acht Hektar rote Erde, doch weit und breit kein einziges Pflänzchen, kein Halm, kein Leben. Wie eine Betonwüste in der Landschaft. Die Voraussetzungen, daraus eine blühende Oase entstehen zu lassen, waren alles andere als ideal.

Bildquelle: ANIMA

Somit kein einfaches Unterfangen, auch nicht für den kreativsten und raffiniertesten Gärtner und doch wollte Andre Heller seine eigenen Vorstellungen genau an diesem unwirtlichen und kargen Ort verwirklichen. Der Preis war in jeder Hinsicht hoch, doch wer einen Traum, seinen Lebenstraum verfolgt, der geht unbeirrt seinen Weg. Selbst wenn es Jahre dauern wird und nicht immer alles nach Plan läuft. Aber das tut es ja bekanntlich nie.

Seine Entwürfe im Kopf, engagiert Heller einen französischen Landschaftsarchitekten, der ihm unterstützend zur Seite stehen und seine Vorstellungen umsetzen sollte. Allein, das Intermezzo des Franzosen war nur von kurzer Dauer. Die Meinungen gingen rasch auseinander und so wurde er kurzfristig gefeuert und durch einen spanischen Gartenarchitekten abgelöst. Diesmal passte die Chemie und so konnte das Abenteuer beginnen.

Sieben Jahre sollte es dauern, um drei der acht Hektar Land in einen blühenden Skulpturengarten zu verwandeln. Zehn Millionen Euro sollte die Realisierung dieses Weltgartens verschlingen, um dann 2016 offiziell eröffnet und dem interessierten Publikum zugänglich gemacht zu werden. 

ARCHE NOAH DER GEGENWART

Bildquelle: ANIMA

Heute ist der ehemalige Rosengarten wieder quicklebendig. Zu Beginn der Revitalisierung wurden die ersten Bäume über holprige Feldwege auf LKWs durch Land gekarrt, alte und windschiefe Bäume mühsam, jedoch erfolgreich verpflanzt und Kakteen vor dem Untergang gerettet. Heute tummeln sich auf ANIMA Palmen, Zypressen, Bambus, riesige Kakteen, meterhohe Baumfarne, tausende Rosenstöcke, Bananenstauden, Feigenbäume, Strelitzien. Eine bunte und beeindruckende Mischung lokaler Größen.

Flora und Fauna haben durch dieses Projekt wieder eine Chance bekommen, aufzuatmen und sich zu regenerieren. Erste Erfolge sind zu verzeichnen, Kleintiere siedeln sich wieder an und viele der Frösche sind bereits zurück gekehrt.

Befreundete Künstler aus dem In-und Ausland haben sich engagiert gezeigt und Kunstwerke geschaffen, die in der Anlage entdeckt werden können. Auch der Tierwelt wurde künstlerisch Respekt gezollt und dem geschundensten Tier Afrikas, dem Esel, ein Denkmal gesetzt. Unterwegs, zwischen Botanik, Wasserspielen, Architektur und Skulpturen trifft man möglicherweise auch auf den Denker von Rodin, was durchaus Raum für freie Interpretationen zulässt, geht es doch dabei vielleicht gar um zukünftige Projekte? Und passiert man dann die Arche Noah, ein Schiff als Kunstwerk, das den Namen Hoffnung trägt, darf man ruhig der Frage nachhängen, ob sich dahinter eine Vision des Künstlers verbirgt. 

Bildquelle: ANIMA


​IM GESPRÄCH MIT PETER GALLHOFER ÜBER ANIMA

Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Afrika hatte ich das Vergnügen, ein Gespräch mit dem General Manager von ANIMA, Peter Gallhofer, führen zu können.

​Machen Sie sich nun selbst ein Bild von André Hellers Paradiesgarten und lesen Sie hier das ganze Interview.

Bildquelle: ANIMA


​DAS INTERVIEW

Wie würden Sie die klimatischen Verhältnisse vor Ort beschreiben? 
Wir sind wohl am Fuße des Hohen Atlas, aber das Klima der Sahara hinter den Bergen macht sich bemerkbar, d.h. heiße Sommer und kühle bis kalte Winternächte. Letzten Winter hatten wir sogar in der Nacht einige Stunden Schnee im Garten. Dennoch ist es bei ANIMA um ca. 5 Grad kühler als in Marrakesch, was mit der Höhenlage in 700 m Seehöhe zu tun hat – das ist die Höhe von Kitzbühel.

Bildquelle: ANIMA

Welche Pflanzen gedeihen besonders gut in diesem Klima?
Da wir ja nur Pflanzen im Garten haben, die aus Marokko kommen, sind diese gut angepasst. Nur die Bananenstauden leiden unter Kälte und können braune Spitzen bekommen. Wir haben ja so gut wie nie Temperaturen unter der Nullgradgrenze.

War besonderes Material, Spezialerde nötig, um den Boden wieder zum Leben zu erwecken?
Nein, die Erde ist wohl auf die Pflanzen abgestimmt. Kakteen brauchen ja einen anderen Boden als ein Ficus Benjamin. Das Material kommt aus Marokko, aus der Region und in verschiedenen Mischungen, die mit Hilfe eines spanischen Botanikers zusammen gestellt wurden. Der ist übrigens derselbe, der sich um das San Bernabeu Stadion und somit den Fußballrasen von Real Madrid kümmert.

Wenn ein Rasen Profi am Werke ist, drängt sich die Frage auf, wie oft gemäht und wie der Rasen gedüngt wird.
Es wird nur auf den großen Wiesenflächen vor dem Café und im privaten Bereich gemäht. Je nach Jahreszeit alle zwei Wochen und im Sommer viel weniger oft. Was den Dünger anbelangt, düngen wir teils natürlich, teils aber auch mit Chemie. Derzeit sind wir gerade  dabei,  sukzessive auf Bio umzustellen.

​Wie viel  Wasser wird täglich verbraucht wird?
Das kann man nicht messen und ist auch jahreszeitlich abhängig. Wir haben unsere drei eigenen, 80 Meter tiefen Brunnen mit Trinkwasserqualität und arbeiten größtenteils mit Tropfenbewässerung, d.h. kilometerlange Schläuche im Garten. Gibt es weniger Wasser, wird auch weniger gegossen, aber das hat unsere Gärtnercrew perfekt im Griff. Immerhin sind die schon sein ca. 6-7 Jahren am Gelände, kommen alle aus der Region und kennen das Klima.

Bildquelle: ANIMA

Auf ANIMA stehen 30 Palmen, jede an die 23m hoch. Gab es dafür einen Pflanzplan?
Ja, es gab einen Pflanzplan und erst recht für die riesigen Washingtonia Palmen. Die haben erstaunlich kurze Wurzelballen, sind ca. 1,5 – 2 Meter lang und ließen sich leichter eingraben als transportieren.  Zuerst  wurde die Palme “gefunden” und dann der Boden aufbereitet, wobei man viel eigene Erde mitnahm.

Können die Bäume frei wachsen oder wird Bedacht genommen auf das Gesamtbild?
Wir stutzen tatsächlich schon, weil der Blick auf den Hohen Atlas soll schon sein.

Man sagt, Efeu würge den Baum. Darf sich dieser ungehindert und frei an den Palmen hinauf schlängeln?
Ja, das kann er und das wird auch gefördert, obwohl da die Meinungen auseinander gehen. Unseren Palmen schadet das keinesfalls.

Auf ANIMA werden immer wieder Pflanzen gesucht, woher kommen diese und wer trifft dann die Auswahl?
Das entscheidet André Heller im Rahmen seiner Gesamtkonzeption und Intuition, aber immer gemeinsam mit dem Chefgärtner. Kakteen kommen von der prachtvollen Kakteenfarm “Cactus Thiemann” in der Nähe von Marrakesch, die ganz Marokko mit Kakteen versorgen. Sonst sind immer wieder Scouts unterwegs, die uns besondere Pflanzen anbieten. Es hat sich herum gesprochen, dass wir besondere Pflanzen suchen.

Bildquelle: ANIMA

Werden nur „einheimische“ Pflanzen gepflanzt oder sind auch „landesfremde“ darunter?
Grundsätzlich nur einheimische, aber natürlich mit Ausnahmen. Wenn man spannende Bäume oder Sträucher findet, immer wieder. So darf es, zwar selten aber doch,  auch etwas Nichtmarokkanisches sein. Wir haben zB einen kleinen Affenbrotbaum, der sich erst entwickeln muss und jetzt suchen wir einen Myrrhebaum. 
(Anmerkung der Redaktion: Sollten Sie einen Myrrhebaum übrig haben und diesen abgeben wollen, schreiben Sie uns, sodass wir für Sie den Konktakt zu ANIMA herstellen können)

Bildquelle: ANIMA

Wie wird auf ANIMA kompostiert ?
Unsere Gärtner sind dabei eine Bio Kompostanlage im größeren Stil anzulegen. 

Wie reagiert das marokkanische Umfeld auf ANIMA?
Wenn Sie zu Spitzenzeiten 200 Menschen Arbeit geben und jetzt noch immer 40 beschäftigt haben, die alle aus der Region kommen, und das noch dazu in einem so prachtvollen Garten, sind alle begeistert.
Es geht das Gerücht um, dass der König im Herbst den Garten besuchen möchte.

Wie viele Personen sind derzeit im Garten beschäftigt?
Wir haben aktuell 15 Gärtner beschäftigt, die den diversen Bereichen zugeteilt sind. 

Legt André Heller selbst auch Hand an im Garten?
Jetzt nicht mit Schaufel und Rechen, aber wenn er da ist, gibt es immer wieder Änderungen von seiner Seite – je nach Pflanzenstatus.

Gibt es schon neue Pläne für die Zukunft?
Wir haben noch einen guten Hektar freie Fläche und da gibt’s Pläne dafür, aber vorderhand möchten wir viele Besucher haben. 

Wann ist die ideale Reisezeit, um ANIMA zu besuchen?
Das Frühjahr und der Herbst. Die Hauptblütezeit dauert von April bis Mitte Juni. Im Herbst dann wieder im Zeitraum Ende September bis November. Von Dezember bis März erwartet die Besucher ein prachtvoller Blick auf den Hohen Atlas.

Herzlichen Dank für das Gespräch und die Zurverfügungstellung der im Beitrag verwendeten Bilder!

Bildquelle: ANIMA

​M. Claude empfiehlt:

Der Wiener Universalkünstler Andre Heller ist nicht nur ein kreativer Künstler und Aktionist, sondern auch ein überzeugender Motivator, wenn es darum geht, zu zeigen, wie man seine Träume anpackt. Denn, so die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger (1.November 1921 – 11.November 2016) … 

​„Alles, woran man glaubt, beginnt zu existieren“. 

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