Wenn Bienen schwärmen: Ein Naturschauspiel

BIENENSCHWARM UNTERWEGS – WAS JETZT?Wir zelebrieren jährlich den Weltbienentag, wir locken die Bienen, wir ködern sie mit unseren schönsten Blumen und stellen ihnen köstlichen Nektar in Aussicht, wir legen uns ins Zeug, sie in unsere Gärten umzuleiten. Doch was, wenn plötzlich ein ganzer Bienenschwarm vor dem Gartentor summt und brummt?
Was ist dann zu tun?

Der Garten dirigiert sein Frühjahrskonzert mit der Hingabe eines Dirigenten von Welt. Es wird gesurrt, geflattert und manchmal auch lautstark gebrummt. Die Bienen sind da. Doch nicht nur eine, sondern ein ganzer Schwarm ist unterwegs und macht unüberhörbar auf sich aufmerksam. 

Ein lautes Surren, das im ersten Moment auch auf den gedanklichen Holzweg führen kann und mehr an einen harmlosen Rasenmäher oder eine hyperaktive Heckenschere denken lässt. Ein Geräusch jedoch, das intervallfrei durchsurrt, innehalten und den Rasenmäher vergessen lässt und garantiert zu einem zweiten Blick bewegt. Und selbst wenn man nicht gleich Konkretes orten kann, ist es fast spürbar. Es ist Bewegung im Gelände. Im Baum, in der Luft, ja zuweilen auch mitten im Garten eines kleinen Einfamilienhauses am Rande der Stadt.

Die Bienen sind im Schwarm unterwegs. Was im Mai und Juni gar nicht selten vorkommt.

Was das bedeutet, warum es dazu kommt, was in so einem Fall zu tun ist und wie man in der Situation richtig reagiert, habe ich eine Bloggerkollegin gefragt, die ihre Bienen ganz genau kennt und im folgenden Gastbeitrag darüber berichtet.

SCHWARMZEIT BEI DEN HONIGBIENEN

Gastbeitrag von Stefanie Bartz 

“Ich bin Stefanie und lebe mit meiner Familie in einem Dorf im Erdinger Land. Seit ein paar Jahren betreibt mein Mann eine kleine Imkerei und versorgt damit uns und unsere Kunden mit leckerem Honig. Unsere Kinder erleben dank unserer Bienenvölker den Kreislauf der Natur hautnah mit und bekommen einen Eindruck, wie viel Aufwand hinter einem Lebensmittel wie Honig steckt. ​

Bienenstand © Stefanie Bartz


Wenn im Frühjahr die Tage wieder länger und wärmer werden, beginnt auch für die Honigbienen ein neues Bienenjahr. Sobald ab Mitte Februar die Temperaturen über 10 Grad steigen, beendet die Bienenkönigin ihre Winterruhe und beginnt wieder Eier zu legen. In den kommenden Wochen soll das Bienenvolk wachsen und mit steigendem Nahrungsangebot auch ausreichend Futter einlagern.  

Sobald im Bienenstock genügend Bienen und weitere Brutzellen vorhanden sind, beginnen die Arbeiterinnen eine neue Königin großzuziehen. Dazu bauen sie, meist am Rand der Wabe mehrere längliche Weiselzellen, die deutlich größer als die Brutzellen der Drohnen oder Arbeiterinnen sind. Diese signalisieren dem Imker, dass der Schwarmtrieb begonnen hat und er erkennt anhand des Zustands wie akut der Schwarmtrieb ist. Sobald die Weiselzelle verdeckelt, also geschlossen ist, steht der Schwarm kurz bevor. 

Brutwabe © Stefanie Bartz

WARUM SCHWÄRMEN HONIGBIENEN?

Ein Schwarm ist die natürliche Art eines Bienenvolkes sich zu vermehren. Die alte Königin zieht dabei mit rund der Hälfte ihrer Bienen aus dem Bienenstock aus, um an einem anderen Ort ein neues Volk zu gründen. Dies geschieht meist kurz bevor die neue Königin aus ihrer Weiselzelle schlüpft. Die restlichen Bienen verbleiben mit der neuen Königin in ihrem alten Bienenstock. 

Die schwarmreichste Zeit reicht von etwa Mitte April bis zur Sommersonnwende im Juni. Ist das Wetter in diesem Zeitraum wechselhaft, verstärkt dies die Schwarmtendenz. Sobald es trocken ist und das Thermometer über 12 Grad steigt, fliegt der Schwarm los. Spätere Schwärme sind grundsätzlich möglich, kommen aber eher selten vor.  

WIE LÄUFT DER SCHWARM AB?

Hat das Volk einmal den Entschluss gefasst zu schwärmen, stürzen sich tausende Bienen wasserfallartig aus dem Flugloch der Beute. Sie fliegen in der Luft umher und warten ab, wo sich die Königin niederlässt. Meist fällt die Wahl auf einen herabhängenden Ast. Dort sammeln sie sich um ihre Königin und bilden eine Schwarmtraube. 

Bienenschwarm sammelt sich © Stefanie Bartz

Dieses imposante Naturspektakel kann auf manchen Beobachter recht bedrohlich wirken. Denn tausende Bienen in der Luft sind nicht zu übersehen und auch deutlich zu hören. Lässt man die schwärmenden Bienen in Ruhe und hält sich aus dem Gewusel fern, geht keine Gefahr von ihnen aus.

Nach etwa 20 Minuten sind alle Bienen in der Traube angekommen und bleiben dort erstmal einige Stunden bis zu einigen Tagen hängen.  ​

WAS SOLLTE ICH TUN, WENN ICH EINE SCHWARMTRAUBE ENTDECKE?

Honigbienen finden heute in der freien Natur immer seltener passende Behausungen wie Baumhöhlen. Zudem setzen Parasiten den Bienenvölkern in den letzten Jahren stark zu. Ohne Pflege und Behandlung des Imkers haben diese Völker kaum Überlebenschancen und die Infektionsgefahr der umliegenden Bienenvölker steigt. Daher sollte immer möglichst zeitnah ein Imker kontaktiert werden, der den Schwarm wieder einfängt.  

Du kennst keinen Imker? Dann kann Dir vielleicht der örtliche Imkerverein weiterhelfen. Viele der Vereine sind heute online präsent und können darüber gefunden werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Umkreissuche auf Schwarmrettung. Auf diesem Portal kann man durch Eingabe seines Standortes in Deutschland, Österreich und der Schweiz Imker in seiner Nähe finden und diese telefonisch kontaktieren. Falls du Dir nicht sicher bist, ob es sich wirklich um einen Bienenschwarm handelt, findest du auf dieser Seite ebenso weitere Informationen, woran du ihn erkennen kannst. 

Teile dem Imker möglichst genau mit, wo sich der Schwarm befindet. Handelt es sich um einen Ort in der freien Natur, ist es sehr hilfreich, wenn du ihm z.B. per Smartphone den genauen Standort in GPS Koordinaten übermitteln kannst.

Um den Schwarm zu fangen benötigt der Imker einiges an Ausrüstung. Daher hilft ihm eine Auskunft, ob die Stelle z.B. mit dem Auto befahrbar ist und auch wie zugänglich die Schwarmtraube ist. Hängt er sehr hoch in einem Baum oder kann man ihn ohne Leiter oder sonstige Hilfsmittel erreichen? Bei privaten Grundstücken ist zudem auch die Angabe eines Ansprechpartners vor Ort hilfreich, damit er Zugang zum Schwarm bekommt”.

Herzlichen Dank, liebe Stefanie!

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, selbst mitzuerleben, wie ein Bienenschwarm gefangen wird, können Sie das auf ringelundblume, dem Instagram Profil von Stefanie Bartz nachsehen und sie unter dem Highlight „Bienenschwarm“ auf ihrem jüngsten Schwarmfang begleiten. Mehr über das gute Leben finden Sie auf ihrem Blog Ringel und Blume.

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