Wenn Saisonpflanzen zu Wegwerfprodukten verkommen

JEDES JAHR DAS GLEICHE SPIEL, DIE GLEICHE TRAGÖDIE – WEIHNACHTSSTERN UND ORCHIDEE BEFINDEN SICH IN GROSSER GEFAH
Abertausende Weihnachtssterne und Orchideen wandern zu Weihnachten über die Ladentische und von dort direkt unter unsere Christbäume. Wobei Orchideen das Gros ausmachen, gefolgt vom Weihnachtsstern. Geschenke, die unser Herz berühren und bald schon nach den Feiertagen im Müll landen.

Das muss nicht sein. Machen Sie ein Spiel daraus und geben Sie Ihr Bestes. Sie könnten gewinnen!

DAS DRAMA UM DIE WEGWERFPFLANZEN

Voller Begeisterung werden Weihnachtssterne und Orchideen verschenkt. Geschmackvoll eingewickelt und meist mit einer adretten Schleife umschlungen, landen die Lieblingsgeschenke aller Pflanzenfreunde auf unzähligen Gabentischen und warten dort auf ihren Einsatz. Ihr bestes Selbst unter Beweis zu stellen. Stern wie Orchidee.

Doch nicht immer ist die Übung von anhaltender Dauer und der Liebreiz gleicht bald schon dem eines sinkenden Sterns. Es geht bergab, die Hochblüte findet ihr natürliches Ende und die Pflanze entwickelt sich langsam zum hässlichen Entlein. Was weniger gerne gesehen wird.

Somit haben die hübschen roten, manchmal auch weißen oder goldenen Exoten und die aparten Mädels von der Fensterbank, die mittlerweile schon in allen Farben schillern, einiges gemeinsam. Trotz ihrer Schönheit, oder gerade deswegen, laufen sie Jahr für Jahr Gefahr, nach dem Verblühen endgültig entsorgt zu werden. Oft schon nach den Weihnachtsfeiertagen, wenn sie Blüten und Blätter verlieren und die Pracht dahinschwindet. Denn wer findet schon Gefallen an abgehalfterten Schönheiten, von denen nur noch das Gerippe zu sehen ist. Selbst wenn sie einst sogar in Grün über den Verkaufstisch gegangen sind. 

Grün gefärbte Phalaenopsis

ORCHIDEEN FÜR DIE TONNE

Tag für Tag landen Orchideen in den Einkaufswägen der Lebensmittelgeschäfte und Baumärkte. Täglich werden sie allen Orchideenfreunden, Geschenkesuchern und Schnäppchenjägern auf den Wühltischen feilgeboten. Uns fast schon vor die Füße geworfen. Die Orchidee ist zum Massenprodukt unserer Tage geworden. Für Nachschub ist jederzeit gesorgt und so ist es nicht überraschend, dass der Pflanze in manchen Haushalten keine allzu lange Verweildauer gegönnt ist.
Gleichzeitig landen Abertausende Orchideen in der Mülltonne. Verblüht, vertrocknet wie biologisches Dörrobst und rasch ungeliebt. Weg damit, heißt es dann, kaum dass die Blütenpracht erloschen ist.
Im Handel noch mit Aufputschmitteln voll bis zur Oberkante Unterlippe, müssen sich die Pflanzen in ihrem neuen Heim erst einmal akklimatisieren. Wollen Licht, Luft und Wasserverhältnisse erkunden, um sich darauf einzustellen, wo sie da gelandet sind. Ebenso sind sie gespannt auf ihre neuen Kolleginnen, so schon vorhanden, und wollen diese beschnuppern und kennenlernen. Manchmal auch darüber verzagen, da diese womöglich räumlich präsent, jedoch von der Möglichkeit einer engeren Tuchfühlung weit entfernt sind. Was Orchideen bedauern würden. Denn im Grunde ihres Herzens sind sie kleine Partytiger, die gute Gesellschaft lieben. So führt eins zum anderen, die Neue ist durch ihre Übersiedlung gefordert, und ist das Doping erst einmal ausgeschlichen, ist’s auch schnell vorbei mit der schönen Blüherei. Ein Blatt nach dem anderen verfärbt sich, schrumpft, bis am Ende alle am Boden liegen. Für etliche der Schönen bedeutet dieser Niedergang auch schon das Ende ihres bedauerlich kurzen Lebens im neuen Nest. Die Tonne wartet schon.
Jedoch sind nicht nur blattlose Orchideen für die Tonne bestimmt, sondern ebenso die schlappen, die saft- und kraftlosen Exemplare, deren Blätter sich müde und ausgelaugt über den Topfrand lehnen. Gelb verfärbt, ohne jegliche Faҫon und völlig verschrumpelt, machen sie nicht unbedingt eine gute Figur. Die jedoch vorausgesetzt wird. Manches Mal auch nur in Unkenntnis der Pflanze.
Gerade Pedanten neigen dazu, sofort bei derartigen Entgleisungen seitens des Wurzelwachstums einen radikalen Schlussstrich zu ziehen. Kaum verwandeln sich die Wurzeln an der Substratoberfläche von Grün in Undefinierbar, sind die auf Ordnung bedachten Zimmergärtner schon auf der Hut und wittern den nahenden Untergang.
Doch das geht eindeutig besser!
Denn was diese Voreiligen nicht wissen, ist, dass sie ihre neuen, ihnen blind vertrauenden Orchideen mit lediglich ein paar Handgriffen wieder in ein lebendiges wie strahlendes Kunstwerk zurückverwandeln können. Unerschrocken und angstbefreit, es könnte etwas schiefgehen.
” 
(Leseprobe aus „Das Orchideen-Experiment“

Tauschen Sie jetzt die Orchidee gegen den Weihnachtsstern aus, verhält es sich unter dem Strich ähnlich der Orchideen Wegwerfpraktik, denn auch die schönen Sternchen leben gefährlich, kaum wechseln sie ihr Gewand. Immer der Natur im Wort. Denn ginge es nach ihnen, würden sie uns garantiert rund ums Jahr mit ihrer schönsten Blütenrobe erfreuen wollen.

​​Aber auch im Pflanzenreich gilt: Nobody is perfect!

Indes, noch ist nicht aller Tage Abend und wir können unseren Sternchen und Orchideen dabei unter die Arme greifen, auf dass sie auch weiterhin und lange für uns da sind. 

Lesen Sie in Kürze in Teil 2 alles über die Möglichkeit, aus Wegwerfpflanzen Lebenspflanzen zu machen.
Wenn es heißt “Augen auf beim Pflanzenkauf!”

2 Kommentare zu „Wenn Saisonpflanzen zu Wegwerfprodukten verkommen“

  1. Ja, das mit den “Wegwerfpflanzen” ist so eine Sache. Orchideen habe ich inzwischen ganz gut im Griff und bekomme sie auch wieder zum Bluehen. Mit den Weihnachtssternen werde ich das garantiert niemals hinkriegen. Ist aber wohl auch Einstellungssache. Ich mag die Roten einfach nicht. Mein Mann und ich bekamen aber frueher im Buero mindestens drei pro Jahr als Weihnachtspraesente. Weiterreichen ging auch nicht – keiner wollte sie. Ich war dann immer ganz froh, wenn sie wieder verschwanden.
    Viele Gruesse
    Claudia

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