Grünkohl: Intuitiv Kochen

In Papier eingewickelte Grünkohlblätter
Grünkohl Blätter vom Markt

Bio Grünkohl

Veganer und Vegetarier schätzen Kohl wegen seiner geschmacklichen Vielfalt. Ob roh, gekocht oder gebraten – Kohl lässt sich auf vielfältige Weise zubereiten und ist eine geschmackvolle Alternative zu Fleisch. Dachte auch ich mir und zog aus, um etwas Kohl zu besorgen. Jedoch, Grünkohl muss man mögen…

Grünkohlblätter vom Markt

Über Grünkohl ins Schwärmen zu geraten und diesen entsprechend auch schmackhaft zuzubereiten, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wie ich Freitag Abend feststellen musste.

Als ich am Vormittag mit zwei Handvoll herrlichen Grünkohlblättern vom Bauernmarkt nach Hause kam und diese wie einen prachtvollen Blumenstrauss vor mir her trug. Gerade, dass ich die Blätter nicht kopfüber getragen habe.

Am Tisch ausgebreitete Grünkohlblätter

Mit einem Wort, ich war begeistert und freute mich von ganzem Herzen, mit diesem Strauß Kohl einen saisonal wertvollen Beitrag zu leisten, meine Familie gesund zu ernähren. Ein rundum gutes Gefühl. Ähnlich, wie wenn man sich in einem Fitnessstudio einschreibt. Dann zwar nicht hingeht und doch fühlt man sich bei Abschluss des Abos schon recht fit und dynamisch. Wie eben auch im Fall des Grünkohls, der bereits auf dem Heimweg gesund stimmte.

Allein, die Zubereitung der grünen Blätter stellte mich vor ein paar nicht kalkulierte Probleme. Wie Blätter, die nicht ganz unbewohnt waren, wie ich feststellen musste. Hatte ich doch beim Auswickeln ein merkwürdiges Gefühl am Handgelenk, als würde mich etwas kitzeln. Und siehe da, die nicht einzuordnende Irritation entpuppte sich als kleines, wendiges und überraschend langes Würmchen, das vom Kohlblatt auf meine Hand gehüpt sein musste.

Ein schlechter Tausch für den Wurm, da seines Futters beraubt und ein guter für mich, hatte ich doch beabsichtigt, die Mahlzeit vegan auf den Tisch bringen. Das Ringeltier wurde fix ausgesetzt, sodass ich mich wieder meinem Kochwerk zuwenden konnte. Jedoch mit gemischten Gefühlen. Denn seit dem Anblick des Würmchens war ich in der Tat ein wenig besorgt, es könne sich womöglich noch ein Kollege von dem Kleinen im Blattwerk verbergen und ich diese bedauernswerte Kreatur womöglich mitten entzwei säbeln.

Keine gute Vorstellung, sodass ich Blatt für Blatt noch zweinmal unter die Lupe genommen habe vor der Schnetzelung, bis der Test positiv ausfiel. Erst dann habe ich mich entspannt und die leidige Angelegenheit mit dem Würmchen gedanklich ad acta gelegt und versucht, aus den Grünkohlblättern alles rauszuholen, was so ein Kohl hergibt.

Abgesehen von der klassischen Version Augsburger mit Kohlgemüse, da nicht vegetarisch und sowieso zu rustikal für meine Geschmacksnerven. Besser gesagt, ich wollte mitten im schönsten Altweibersommer noch kein klassisches Wintergericht fabrizieren.

Kohl mit Pinkel

Ich tat mich um und suchte nach ein paar Anregungen, das Gericht zum “…das ist der beste Kohl, den du jemals….” zu kochen. Na, Sie wissen schon. Was wir Köchinnen eben gerne hören.

Was habe ich gestaunt, als ich auf der Jagd nach einem Kohl-Rezept auf Kohl mit Pinkel gestoßen bin. Dem nicht genug, taten sich neue Welten vor mir auf, werden in diesem Zusammenhang nicht nur Kohl mit Pinkel, sondern auch noch ganz öffentlich Pinkeltouren angeboten. Wie Ausflüge auf die Weinstraße bei uns in der Steiermark. Andere Länder, andere Sitten.

Ziemlich befremdlich jedenfalls für alle, die wie ich, kein Nordlicht sind, sondern aus dem südlicheren Raum kommen und jetzt vielleicht ein völlig falsches Bild vor Augen haben. So wie ich.

Was nach einer Beschreibung schreit, was es mit Pinkel auf sich hat. Wikipedia weiß dazu folgendes zu berichten:

“Es gibt verschiedene Namensdeutungen, die die Bezeichnung allerdings weder mit „pinkeln” (für urinieren) noch mit dem „feinen Pinkel” (für einen eitlen Menschen) in Verbindung bringen. Der Ausdruck Pinkel (auch Püngel oder Pünkel) bedeutete vielmehr zusammengedrängte Masse oder  kurzer, dicker Gegenstand und hat möglicherweise seine Weiterentwicklung zu Bündel gefunden” (Wikipedia)

Meine Recherche ergab, Pinkel ist eine Wurst.

Diese Form der Kohl Allianz schied aus.

Vielmehr beabsichtigte ich, klein geschnetzelte Kohlblätter mit jungen Zwiebeln und Knoblauch in Olivenöl zu schwenken und diese Mixtur mit Salz, Pfeffer und zur gehaltvollen Abrundung mit etwa frisch geriebener Muskatnuss zu würzen. So ließe sich der Kohlteller, geschickt gewürzt, zum Überraschungs-Highligth am Abendbrottisch ausbauen. Dachte ich.

Kleingeschnittener Grünkohl mit Zwiebeln, Knoblauch am Teller mit Löffel zum Abschmecken

Die Idee sowie die Ambition waren gut, allein das Gemüse fand nicht den Anklang, den ich ihm gewünscht hätte. Müßte ich eine Sternebewertung abgeben, würde auch ich mich irgendwo in der neutralen Zone bewegen. Ehrlich gesagt.

Mein Gegenüber indes war da ganz anderer Meinung. Unkte, es könne sich wohl nur um einen Scherz meinerseits oder um eine nicht finalisierte Form der Zubereitung des grünen Gemüses handeln. Er schien nicht durch. Der Kohl.

Das gab mir zu denken. Der Wurm war nun endgültig vergessen, da nicht mehr das Problem. Dabei hätte vielleicht sogar ein wenig Protein dem Kohl zum Vorteil gereicht.

Derart herausgefordert, feilte ich fieberhaft an der Rettung des Kohls und der richtigen Konstistenz, um die etwas aus dem Ruder gelaufene Mahlzeit doch noch zu retten. Ließ das Kohlgeschnetzelte antrocknen und schob die ganze Bescherung ins Backrohr, wo ich es bei 150 Grad ca. 20 Minuten backen ließ.

Und siehe da, die Übung ward gelungen, die Kohlstückchen kamen kross auf dem Ofen und machten sich – abgekühlt, versteht sich – ganz gut auf dem Salat und den Bandnudeln, die ich in der Zwischenzeit fix zubereitet hatte und statt der ursprünglich vorgesehenen Kartöffelchen reichte. Mit Herz.

Grünkohl mit Herz

Grünkohlgemüse in Form eines Herz
Grünkohl mit Liebe zubereitet

Der Abend war weitgehend gerettet.

Was aber war passiert? Das Blattwerk vom Markt stellte sich stur und gab sich störrisch in der Kooperation mit der Köchin. Dabei dürfte ich Nerven gezeigt haben, wäre es doch ein leichtes gewesen, die widerborstigen Blätter mit etwas Gemüsebrühe oder einem Schuss Sahne aufzugiessen und abermals kräftig nachzuwürzen. Was man eben so macht, wenn ein Gericht nach nichts außer nach nacktem Blatt schmeckt.

Fazit: Beim nächsten Anlauf werde ich mich gleich auf meine Intuition verlassen.

Hier noch ein paar Fakten rund um den Kohl und seine Verarbeitung, damit das Grünkohl Blatt (doch noch) zum Leckerbissen wird.

Grünkohl und was Sie darüber wissen sollten

  • Grünkohlsaison ist von Oktober bis März
  • Die fein geschnittenen Blätter können für Gemüse, Salate, Suppen und Eintöpfe verwendet werden
  • Grünkohl steckt voller Vitamine wie Vitamin C und ist mit ca.100 mg pro 100g doppelt so hoch wie im Vergleich dazu eine Zitrone, die es nur auf rund 50mg pro 100g bringt oder eine Orange mit 45mg
  • Grünkohl ist reich an Mineralstoffen wie Calzium, Kalium, Phosphor oder Folsäure
  • Grünkohl steckt voller Ballaststoffe
  • Das Grünkohlblatt sollte vor der Verarbeitung entstielt werden
  • So ein Strunk vorhanden, wird dieser entfernt
  • Grünkohl enthält fettlösliche Vitamine, daher sollte das Gemüse immer mit Öl zubereitet werden
  • Grünkohl nicht zu lange köcheln lassen, da sich sonst die wertvollen Inhaltsstoffe verflüchtigen (was wahrscheinlich mein Problem im obigen Fall gewesen sein dürfte, wollte ich das Gemüse doch besonders gehaltvoll kredenzen)
  • Grünkohl kann roh, gedünstet oder gebraten werden
  • Grünkohl hält sich ein paar Tage im Gemüsefach des Kühlschranks
  • Grünkohl hat eine leicht bittere Note
  • In Übersee, in den USA ist der Kale, wie er dort heißt, überaus beliebt als Rohkost, im grünen Smoothie wie in Salaten und Bowls
  • Grünkohlchips werden als Snack immer beliebter, gebacken, getrocknet oder frittiert
Kale Life Chips Packung

Last but not least: Grünkohl mit Pinkel ist nichts Unappetitliches, sondern einfach nur eine Wurst aus dem Norden.

Sehe ich mir heute diese Liste an, kann ich gar nicht so viel falsch gemacht haben! Hat mich doch jahrzehntelange Küchenpraxis weitgehend dazu befähigt, grüne Gemüse jeglicher Form zu verarbeiten und diese auf den Tisch zu bringen. Wie oft schon habe ich die kleinen, lustigen Kohlsprossen im Zwiebellook verarbeitet. Ohne auch nur das geringste Problem mit einer Sprosse provoziert zu haben. Die kleinen, zarten Brussel Sprouts ließen sich kinderleicht zubereiten. Und die großen Blätter vom Kohlkopf wanderten anstandslos in den Smoothie. Als wäre Kohl mein täglich Brot.

Dass die Sache diesmal beinahe schief gegangen wäre, könnte daher auch andere Gründe haben…

Der kleine Flop, der eigentlich gar keiner war, tut meiner Begeisterung über den Grünkohl keinen Abbruch. Und so bin ich fix in den nächsten Pflanzenmarkt gefahren, habe mir ein Stöckchen Grünkohl zugelegt und plane diesen professionell anzubauen.

Grünkohlpflanze im Topf von oben aufgenommen mit Blick auf die Blätter

An einem halbschattigen Standort, was für eine Schattengärtnerin kein Auftrag ist. Gleichmäßig feucht gehalten und regelmäßig gedüngt, sollte sich der Kohl vortrefflich entwickeln können, sodass ich in Zukunft genug Stoff zum Üben habe. Um die Kohlküche zu perfektionieren.

Meine Familie wird’s freuen…

Denn schlimmer geht immer und zumindest solange ich mich nicht dem Seetang zuwende, wie hier nachzulesen ist.

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