Alles über Kastanien & Maroni

HEISS GELIEBTE KASTANIEDie Bäume treiben ihr wildes Spiel mit uns. Vorgestern noch Birnen um die Ohren, gestern die erste Babymaroni vor den Füßen, heute Kastanien auf dem Kopf. Egal, wie hart sie uns auch treffen.
Hauptsache, sie sind wieder da. Die köstlichsten Früchte der Saison: Die Edelkastanien.

​Der Kastanienbaum ist seiner Zeit voraus. Schon mitten im Hochsommer lag die erste Kastanie vor mir. Einer Überlieferung zufolge bringt dieses erste, noch nicht ganz so schmerzhaft stachelige Herbstfrüchtchen, das einem vor die Füße fällt, ein bisschen Glück. Ein Glück auch, dass zu so einem frühen Zeitpunkt im Kastanienjahr die Stacheln der Kleinen freundlicherweise noch kuschelig weich sind, sodass das Gefühl beim vorsichtigen Darüberstreichen mit den Fingern mehr einer zart besaiteten Akkupunktur, denn einem Fakir Teppich gleicht. Dennoch ist es angezeigt, sie aus ihrem Igel zu pellen, bevor man sie, so die Fama, in die Tasche steckt, von wo aus sie in Folge ihren Zauber entwickeln kann. Das kleine Kastanien Igelchen, das mir beistehen soll, habe ich testhalber am Schreibtisch positioniert, sodass es mich von dort aus beglücken kann.

Da dieser erste Wurf, der sich hoffentlich als ein Glücksbringer herausstellen wird, bereits im späten August stattfand, handelte sich somit um einen singulären, da frühen Bewurf.
​Eine Art Early Bird unter den Kastanien.

DIE ERSTE KASTANIE DER SAISON BRINGT GLÜCK

Mittlerweile spielt der Kastanienbaum, ganz der aktuellen Jahreszeit entsprechend, verrückt, entledigt sich aller Früchte und wirft wie wild damit um sich. Scheint zu glauben, er sei der Birnbaum. Die Früchte sind nur bedauerlicherweise noch nicht alle reif, die Kastanien in ihren stacheligen Hüllen landen auf dem Boden, platzen auf und leeren ihre kleinen, unreifen Früchte auf dem Boden und der Gartenstiege aus. Grüne und braune Kastanienigel bedecken den Rasen und man könnte meinen, die Natur hätte sich nicht mehr unter Kontrolle.

Ein Startsignal für mich, um für Abhilfe zu sorgen und zu tun, was ich kann. Sammeln, ernten, braten und basteln, denn: „Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

HERBSTFRÜCHTE IM VISIER: WELCHE ARTEN VON KASTANIEN GIBT ES?

Wie so oft im Leben ist nichts so, wie es scheint zu sein. Kastanien sind nicht gleich Kastanien, daher zum Einstieg in die Welt der stacheligen Früchte eine kleine Einführung und Charakterisierung der gängigsten Modelle.

VON EDELKASTANIEN UND ANDEREN ESSKASTANIEN

Edelkastanien sind Nussfrüchte, die so hübsch aussehen und ebenso stachelig sind wie putzige kleine Igelkinder. Die Früchte sind in der Zeit zwischen Ende September und November reif und donnern regelrecht vom Baum zu Boden, wobei meine Früchtchen nicht nur heuer ziemlich temperamentvoll unterwegs sind.

Edelkastanien werden unterschieden in Esskastanien und Maroni (Maronen). Wer jetzt aber glauben sollte, es handle sich dabei nur eine etymologische Spitzfindigkeit, der irrt. Die beiden unterscheiden sich tatsächlich in Form und Geschmack, wobei Maroni eine weiter gezüchtete Form der Esskastanie, sozusagen die Luxusedition, sind.

Der Name ist Programm und die Frucht mehr als genießbar. Mehr als köstlich!

Maroni bereichern die Herbstküche und eignen sich vorzüglich als Geflügelfülle, machen aus jedem durchschnittlichen Rotkraut ein Festtagskraut, stopfen hungrige Mäuler in Form von Maronenpüree zum Dessert oder werden im Vorübergehen beim Maronistandl als sättigender und wärmender Snack verzehrt. Ein stacheliger Allrounder!

KASTANIENBAUM

Eine Edelkastanie kann mehrere hundert Jahre alt und bis zu 30 m hoch werden. Meine Kastanie ist gerade einmal 6m hoch und dürfte dem Anschein nach noch einiges vor sich haben. Guter Ausblick und nachhaltiger Genuss für die Nachwelt!

Im Gegensatz dazu gibt es die vielfach bekannteren Rosskastanien. Bäume, die in unseren Parkanlagen und Alleen zu sehen sind. Auch sie tragen ähnliche Früchte, die jedoch nicht verwechselt werden dürfen, da sie ungenießbar sind.

Um botanisch korrekt zu bleiben, darf natürlich der Steckbrief der Rosskastanie hier nicht fehlen.

ROSSKASTANIEN

Rosskastanie und Edelkastanie haben trotz Namensverwandtschaft nicht das Geringste miteinander zu tun.
Von der Blattform bis zur Frucht gleicht kein Stachel dem anderen. Die der Rosskastanie stehen in deutlich größeren Abständen von einer klobigen Fruchtkapsel ab und die ganze Sache mutet etwas plump an. Ganz im Gegensatz zur zarten, eng- und vielstacheligen Edelkastanie. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

An den Früchten gibt es nichts auszusetzen, sie sehen richtig gut aus, sind kompakt, glänzend und mit einem imposanten weißen Auge in der Mitte ausgestattet. Optisch eine runde Sache, sind Rosskastanien kulinarisch gesehen nicht so attraktiv, ein kleines bisschen giftig, ungenießbar und rundum unverträglich.

Als Eselsbrücke zur Unterscheidung von Edel- und Rosskastanie dient die Goldene Kastanienregel, die besagt, man möge die mit dem Pferd im Namen lustvoll verbasteln und die Edlen genüsslich verspeisen.

„MARONI, HEISSE MARONI

Dampfende, heiße Esskastanien an kalten Tagen, wärmende Maroni in Zeitungspapier gewickelt, wenn die Finger schon vor Kälte klamm sind, betörender Duft im Großstadtsmog. Erinnerungen an früher kommen auf, wenn die Druckerschwärze der Zeitungspapiertüte auf die Finger abfärbt und man nach dem Genuss der Frucht ganz verschämt die Schale auf die Straße fallen lässt. Doch auch hier macht der Fortschritt keine Pause.

Eine Erfindung aus der Steiermark versprach die Lösung dieses Schalenproblems. Es handelte sich dabei um eine innovative Maroni-Tüte im Zweikammersystem, wobei eine Kammer für die Frucht vorgesehen war und die zweite Kammer dem Schalenabfall diente. Getoppt wurde diese Konstruktion nur noch durch einen Maroni Halter, in den sich Tüte samt Früchten und Schalen stecken ließ. Praktisch!
Doch ist diese lustige Idee mittlerweile Geschichte. Denn entsprechend einer EU-Verordnung aus dem Jahre 2016 dürfen in der Steiermark Maroni im Straßenverkauf nicht mehr in gerolltem Zeitungspapier abgegeben werden. Grund dafür sei die Druckerschwärze, so die Vorgaben für die Verpackung von Lebensmitteln.

Nachdem Sie jetzt Edel- und Rosskastanien voneinander unterscheiden können, hier noch ein paar Extratipps für Sie, was Sie alles mit den Früchtchen anstellen können.

KASTANIEN IM OFEN BRATEN

Heiße Maroni aus dem Backrohr sind ein Gedicht und ganz einfach zum Selbermachen. Nach Möglichkeit sollten Sie immer frische Maroni verarbeiten, wobei sich diese aufgrund ihres Gewichtes leicht erkennen lassen, da sie deutlich schwerer sind als alte. Wer zur Sicherheit auch noch die Wasserprobe machen will, legt alle Maroni in ein Gefäß mit Wasser. Die frischen Maroni werden zu Boden sinken und die nicht mehr ganz so taufrischen, mit oder ohne Wurm, an der Wasseroberfläche schwimmen. Die Guten kommen jetzt ins Rohr, die Schlechten werden entsorgt oder können zum Basteln verwendet werden. Einfacher geht’s nicht.

Im nächsten Schritt werden die Maroni mit einem scharfen Messer eingeschnitten. So dass die innere Haut mit angeritzt wird und sich die ganze Schale in Folge gut lösen lässt.

Damit die Maroni nicht zu sehr austrocknen, kann man sich mehrerer Methoden bedienen. Entweder weicht man sie nach dem Einschneiden und vor dem Braten mit Wasser ein oder besprüht sie mit Wasser aus dem Zerstäuber. Ebenso kann man eine Schale Wasser mit ins Backrohr zu den Maroni stellen.

Die Maroni kommen jetzt mit dem eingeschnittenen Teil nach oben ins vorgeheizte Backrohr und werden bei 200 Grad Ober- und Unterhitze ungefähr 30 Minuten gebacken. Dann noch kurz im abgeschalteten Backrohr ruhen lassen und nach dem Herausholen kurz in ein feuchtes Küchentuch wickeln. So lässt sich die Schale leichter lösen und auf den ersten Blick erkennen, ob sich da nicht doch jemand versteckt hat…

KASTANIEN IN DER PFANNE RÖSTEN

An Herbsttagen und kalten Wintertagen ist es ein ganz besonderes Vergnügen, noch einmal den Grill im Garten anzuwerfen, um Maroni rund um ein wärmendes Feuer zu braten. Mit Hilfe einer speziellen Stahlpfanne mit einem Boden mit Löchern und einem langen Stiel werden die eingeritzten Früchte solange über der Glut gewendet, bis sie aufzuplatzen beginnen. Dann sind sie fertig und können genussvoll verputzt werden. Schwarz angebrannte Stellen sollten Sie jedoch unbedingt entfernen.

WIE GESUND SIND KASTANIEN?

Obwohl die Kastanie auf Persisch Kasutah heißt, was übersetzt so viel wie „trockene Frucht“ bedeutet, enthalten Kastanien 50% Wasser und viele Vitamine. Ein hoher Anteil an Vitamin B, Vitamin C und E, Folsäure, Kalium und Magnesium machen sie zu einer gesunden Frucht mit hohem Sättigungsgehalt. Liegt doch der Kohlehydratanteil bei mehr als 40 Prozent. Sie liefern reichlich Energie, unterstützen das Immunsystem und tragen zu einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt bei. Und sind auch noch fettarm und haben weniger Kalorien als andere Nüsse.

Alles in allem ein gesundes Energiebündel.

3 BONUS-TIPPS RUND UM KASTANIEN

  • Obstfliegen Abwehr. Die lästigen Insekten machen einen großen Bogen um Kastanien und lassen sich ebenso einfach wie elegant vertreiben. Ein paar Kastanien in einer Schale beim Obstkörbchen aufgestellt und schon sind Sie die kleinen Fliegen los.
  • Natürlicher Mottenschutz. Getrocknete Kastanien im Kleiderschrank helfen gegen Motten und bringen gute Laune beim morgendlichen Öffnen der Schranktür.
  • Kastanienkissen. Ein Heizkissen für kalte Winterabende kann man ganz einfach selbst herstellen, indem man ein ausrangiertes kleines Kissen mit Kastanien füllt und im Backrohr bei 100 Grad erwärmt. Auf die Füße legen und genießen. Der Winter kann kommen!

1 Kommentar zu „Alles über Kastanien & Maroni“

  1. Ich wusste nicht, dass Kastanien so viele Vitamine haben. Dein Artikel hat mir wirklich geholfen die Kastanien und Maroni naeher kennenzulernen. Danke vielmals fuer das Teilen deines Fachwissens.
    Liebe Gruesse
    Emilia

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