Lebendige Gärten im Winter

WINTERZEIT IST DIE NEUE GARTENZEITEin Glückspilz derjenige, der winterfest in die nächste Gartensaison gehen kann. Manche arbeiten noch daran, doch gibt es keinen Grund, zu verzagen. Denn die Vorbereitungen sind überaus genussvoll. Gemütliche Abende auf der Couch, flackerndes Kerzenlicht und würzige Kräutertee Mischungen, die verführerisch die Nase umschmeicheln. Und ein gutes Buch. 

DAS GLÜCK, DAS AUS DER KÄLTE KOMMT

Winterzeit ist die neue Gartenzeit. De facto meine Worte. So verlockend stellt der Klappentext des vorliegenden Bildbandes dem Leser eine spannende Zeit in Aussicht. Zuversichtlich vertiefe ich mich nach dieser gefälligen Ankündigung in den Bildband. Denn für mich wird die vor der Tür stehende Winterzeit eine ganz besondere werden. Alles andere als nur eine kleine Herausforderung in eigener Sache: Erstmals plane ich, einen Kurzurlaub im eigenen Wintergarten verbringen. 

Angeregt durch die faszinierende Idee der Iceman Bewegung, die immer mehr ins Zentrum der kuriosen Weltrekorde rutscht und sich gerade langsam aber sicher zu einer, wenn auch skurrilen Heilmethode mausert. Im Zentrum dieser Methode steht, wie könnte es auch anders sein, das Eis und seine Wohltat für Körper und Seele. Einen Erfahrungsbericht über den klirrend eisigen Weg dahin und wie es gelingen kann, das Eis zu lieben, selbst wenn man von sich behaupten muss, eine veritable Fröstelnatur zu sein, können Sie hier nachlesen. Sofern Sie sich jetzt denken sollten, schlimmer geht immer. Oder natürlich bei Interesse an der Sache.

​Uns GärtnerInnen geht es gut. Doch ist ein Wintergarten nicht nur für unsereins ideal, die wir die perfekte Location für ein solches Abenteuer direkt vor der Haustüre haben, sondern ebenso für alle, die sich schon bald wieder nach Lust und Laune in die eisige Kälte stürzen wollen. Um in Eis zu baden oder einfach nur zu lustwandeln. Der Garten macht es  möglich. Wenn dann auch noch die Kulisse perfekt ist, steht dem winterlichen Gartengenuss nichts mehr im Wege. Mit und ohne Eis.

WINTERURLAUB IM EIGENEN GARTEN

Die kostbaren Ferientage wollen natürlich oder gerade auch im Winter gut geplant sein. Daher werde ich mich in jeder Hinsicht darauf vorbereiten und schon im Vorfeld für ein entsprechendes, der Jahreszeit stimmungsvolles Ambiente sorgen.

Für viele GärtnerInnen ist der Winter eine tote Jahreszeit. Nichts für schwache Nerven. Der Garten wirkt nackt, grau und ziemlich trostlos und kann schon auch einmal zu einer kleinen Wintergarten Depression seitens seiner zart besaiteten Gärtnerschaft führen. Zu allem Übel beschleicht einen ab und an auch noch der Gedanke an Rückzug und Vergänglichkeit, wobei man doch noch so viel vorgehabt hätte in der aktuellen Saison. Und die Zeit bis es wieder so richtig los geht im Garten, ist ein weiter. Ein Weg, der sich jedes Jahr aufs Neue überaus beschwerlich anlässt und schier unendlich erscheint.
Bedauerlicherweise genau mein Ding, denn ehrlich gesagt tendiere auch ich ein wenig zu winterlicher Larmoyanz. Was den Garten anbelangt. Doch damit soll nach der Lektüre des Buches endgültig Schluss sein.

Hinein ins Vergnügen, hinein ins Buch, hinein in den Garten.

IM WINTERGÄRTEN GIBT ES IMMER WAS ZU SEHEN

Hereinspaziert, in den farbenprächtigen Wintergarten, der seine Besucher zu überraschen weiß und Inspirationen liefert. Der keinen großen Winterputz erwartet, sondern sich in seiner ureigensten Form präsentiert. Mit viel Herz für die Tierwelt im Winter, die reichlich Schutz und Nahrung in ihm findet. Mit viel Farbe und Design für seine Gärtner, die ihn auch im Winter genießen wollen.

Cedrus atlantica „Glauca Pendula“ als Torbogen zwischen verschiedenen Gartenbereichen im Oktober in Bressingham Gardens

Doch bevor ein Wintergarten für seine Gäste erstrahlen und diese verzaubern kann, geht es ans Eingemachte. Die Struktur ist ausschlaggebend dafür, was im Winter zu sehen ist. Dabei handelt es sich um nichts anderes als das Skelett des Gartens, das mit Fleisch versehen werden muss, um entsprechend Leben in die triste Landschaft zu zaubern.

Dazu geht die Autorin auf Solitärgehölzer und ihrem Umfeld ein, auf Hecken, Spaliere wie Obstspaliere und Formschnittgehölzer wie Figuren aus Buchs. Diese sind jedoch seit Jahren auf dem Rückmarsch, da der Buchsbaumzünsler noch immer ein Thema ist. An dieser Stelle habe ich nach Alternativen zum Buchs gesucht, was jedoch von Schnittverträglichkeit, Standort und gleichmäßigem Erscheinungsbild abhängig ist und aus eben diesen Gründen nicht pauschal in Form einer Lösung gereicht werden kann. 

Doch da ich selbst von diesem brutalen Schädling betroffen bin, gebe ich die Hoffnung nicht auf, eines Tages eine für meine Anforderungen perfekt geeignete Pflanze zu finden, die solcherlei Angriffe parieren kann. Die richtige Pflanze am richtigen Ort. Denn auch meine Buchsbäume, darunter zwei sehr große Exemplare und zahlreiche kleine Bäumchen sind dem rücksichtslosen wie gefräßigen Zünsler zum Opfer gefallen, sodass ich mich von allen (!) verabschieden musste. Die Alternative wäre eine nachhaltig giftige gewesen. Daher ist die Suche nach einem entsprechenden Ersatz weiterhin sehr aktuell, nur leider sind taugliche Alternativen zum Buchs eher rar gesät. An einer Lösung wird gearbeitet.

FARBE, WOHIN DAS AUGE BLICKT

Herzstück des Bildbandes bilden die Kapitel rund um Farbakzente im winterlichen Garten. Dauerhafte, kurzfristige, mit und ohne Duft, wetterbedingte Akzente wie Licht, Regen, Raureif & Schnee und Wind. Berauschend warme ebenso wie tief leuchtende Töne ergeben gerade um diese Jahreszeit eine faszinierende Kulisse, deren Statisten farbige Nadeln und Rinden, Laub und Bodendecker sind. 

Dazu gesellen sich dekorative Knospen und Austriebe, denen man im Alltag oftmals nur wenig Bedeutung beimisst. Sind wir doch eher ungeduldig, was das Wachstum in unserem Garten anbelangt und warten im Grunde genommen nur auf Blatt und Blüte. Das reizvolle Zwischenstadium jedoch kommt  dabei oft unter die Räder.  

Schon beim Betrachten der Fotos kommt Vorfreude auf den tiefsten Winter auf und ich bin mir sicher, ich werde Wachstum und Leben in der kommende Saison noch genauer unter die Lupe nehmen als bisher. Dann, wenn sich Skimmia, Helleborus, Grünlinge und ihre Kollegen, die winterblühenden Gehölzer mit Duft und Farbe zeigen. Zaubernuss, Viburnum und Mahonie sorgen dabei für starke Akzente in Gelb, kräftigem Orange, Pink und Gelb. Um nur ein paar Beispiele herauszugreifen.

Wer sich darauf einlässt, kann in seinem Wintergarten durch geschickte Bepflanzung einen winterlichen Farbrausch erleben. Geht man einen Gedanken in die Tiefe, handelte es sich vielleicht sogar um ein der kalten Jahreszeit entsprechendes Pendant zum Indian Summer, so es ein solches gäbe.

Doch nicht alle Farbakzente sind von langer Dauer, was die köstlichen Entdeckungen gleich noch einen Hauch kostbarer macht. Kurzfristige Hingucker wie Früchte und Samen, die noch im Herbst reifen und dann an den Gehölzern hängen bleiben, sind wertvolle Nahrung für die Tierwelt. Da ist es von Vorteil, gerade um diese Jahreszeit mit offenen Augen durch den Garten zu streifen, um die temporären Schönheiten, die sich zeigen, rechtzeitig zu erspähen. Ein ganz besonderer Genuss wird der Anblick von Hagebutten, Zierapfel oder Kartoffelrose, wenn diese dann auch noch ein Hütchen Raureif tragen.

Einen Augenschmaus für uns und Gaumenschmaus für die Vogelwelt bieten die lila Beeren der Callicarpa, der chinesischen Schönfrucht, auch als Liebesperlenstrauch bekannt. 

​Selbst die zu anderen Jahreszeiten wenig attraktive farbliche Dimension, die des Winterbrauns, macht besonders im tief verschneiten Wintergarten gute Figur. Wer nicht zwingend zur Gartenschere greifen muss, um Verblühtes zu entfernen, wird nicht nur mit den Blütenständen aller Mitglieder aus der Familie der Hortensien viel Freude haben. 

Somit gibt es keinen Grund mehr, den Wintergarten nur aus der Ferne zu betrachten, womöglich vom Haus aus hinter vorgezogener Gardine. Um dann zu allem Überfluss auch noch in eine gärtnerische Winterdepression abzudriften. Dabei ist alles nur eine Frage der Bepflanzung, denn durch raffiniertes Gestalten mit den geeigneten Pflanzen am richtigen Ort wird selbst der mausgraueste Wintergarten zu einem form-und farbschönen Winterparadies. 

Um dem Leser die Pflanzenauswahl zu erleichtern, findet sich dazu im Anhang eine Übersicht über die verschiedenen Pflanzentypen  sowie mögliche Alternativen.​

ÜBER DIE AUTORIN IRIS NEY

Iris Ney ist leidenschaftliche Gärtnerin, Gartengestalterin, hält viel besuchte Vorträge und organisiert regelmäßig Gartenreisen nach England und Schottland. Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete sie mit Beth Chatto, was ihre Arbeit bis heute beeinflusst. In Deutschland wünscht sie sich eine größere Pflanzenvielfalt und kreativere Pflanzenverwendung. 

Sollten Sie jetzt auf Beth Chatto neugierig geworden sein, können Sie hier die Queen of Green, die große englische Gartenlady und ihr Werk entdecken. 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Scroll to Top