Bärlauch pflanzen im Schattengarten und ein einfaches Bärlauch Rezept von Ursula Strauss

DIE WILDKRÄUTER SIND LOSAnfang März endete ein Ausflug in ein nahegelegenes Landgasthaus ebenso aufregend wie tragisch. Mit einer Geschmacksexplosion im Mund und der bitteren Erkenntnis, es beinahe wieder einmal verschlafen zu haben. 

BÄRLAUCH, DER KNOBLAUCH UNTER DEN WILDKRÄUTERN

​Würziger Bärlauch im servierten Risotto war der Auslöser und gleichzeitig perfekter Reminder, dass die Saison bereits wieder begonnen hat. Denn Anfang März ist Bärlauch Zeit.

Vitaminreich und kräftig im Geschmack, hat der Bärlauch nicht nur Einzug in der Gastronomie, sondern auch in unseren Küchen gehalten. Aktiviert er doch unsere Geschmacksnerven und ist mit seiner knoblauchigen Note ein allseits willkommener Begleiter für Suppen, Saucen und Gemüsegerichte.

Trotzdem ist immer wieder von Bärlauch Verweigerern zu hören, denen das Wildkraut zu scharf, zu penetrant oder einfach zu aufdringlich in seiner Performance ist. 

URSULA STRAUSS SCHMECKT’S

Mir jedenfalls schmeckt’s genauso gut wie Ursula Strauss, meiner TV Lieblings Kommissarin, die in ihrem gleichnamigen Kochbuch ein Familienrezept für ein herrlich einfaches und schmackhaftes Bärlauch Süppchen verrät. Ein Süppchen, so lecker, dass ich Ihnen das Rezept nicht vorenthalten möchte, auch wenn wir noch gar nicht am Ende des Artikels angekommen sind. Ein kulinarischer Side Step, sozusagen. 

BÄRLAUCHSUPPE NACH URSULA STRAUSS

Für diese Suppe braucht man eine Hand voll Bärlauch und je nach Größe und Zahl der hungrigen Suppenkasper 1 bis 2 geschälte und gewürfelte Kartoffeln. Beide Zutaten solange in Gemüsebrühe köcheln, bis die Kartoffeln weich sind. Die Suppe vom Herd und ein paar Kartoffelwürfel heraus nehmen. Etwas Sauerrahm hinein rühren und alles miteinander pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Würfel wieder dem  Süppchen zugeben.

WÜRZIGER BÄRLAUCH AUS DEM WALD

Es braucht somit nicht viel, um eine derart herzerwärmende Suppe aufzustellen. Und mit ein paar Blättern sind Sie schon dabei. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? So der Volksmund. Und er scheint recht zu haben. Könnte man doch statt ins Gasthaus zu gehen, ebenso gut einen Ausflug in den Wald unternehmen, um etwas Bärlauch zu sammeln. Das Risiko, dabei ertappt zu werden, ist nicht groß, sind die würzigen Blätter doch frei zu haben. Das Ungemach droht von ganz anderer Seite

Denn die Gefahr ist groß, dass es zu Verwechslungen kommt, gibt es doch einige giftige Doppelgänger, die Sie unbedingt kennen sollten. Wie das Maiglöckchen oder auch die Herbstzeitlose, deren Blätter sehr ähnlich wie ein Bärlauchblatt aussehen. Die reale Gefahr darf nicht unterschätzt werden, denn trotz Aufklärungsarbeit kommt es jedes Jahr aufs Neue zu bedauerlichen Vergiftungsfällen, die im schlimmsten Fall sogar tödlich enden können.

Sollten Sie selbst nicht ganz sicher sein, ob Sie das schmackhafte Wildkraut von seinen Doppelgängern unterscheiden können, finden Sie am Ende des Beitrages ein nützliches Video mit den exakten Unterscheidungsmerkmalen. Für einen sicheren Genuss und vor allem für Ihre Sicherheit.

BÄRLAUCH IM EIGENEN GARTEN PFLANZEN

Doch hat man erst einmal das wilde Kraut eindeutig identifiziert, geht’s ans Eingemachte. Wie praktisch wäre ein Garteneck voll von saftig grünen Bärlauchblättern, die dicht gedrängt nur darauf warten, von mir geerntet zu werden. Ein ganzes Bärlauchfeld wäre eine gelungene Alternative.

Denn meine Versorgungslage mit Bärlauch war und ist noch nicht optimal. Obwohl ich in den vergangenen Jahren regelmäßig von meiner lieben Freundin Susi mit einem Körbchen würzigen Bärlauchs aus ihrem Waldstück versorgt worden bin. Und ich im Falle eines drohenden Engpasses meine Marktfrau in Sachen Nachschub zu gegebener Zeit aufgesuchen kann. Doch ist es etwas anderes, bei Bedarf einfach in den Garten hinaus zu spazieren, um ein paar Blätter aus eigenem Anbau zu ernten. Wahrscheinlich alles nur im Kopf, aber es fühlt sich einfach gut an, so viel besser. Interessanterweise schmeckt es auch besser.

Derart gefangen genommen von der Idee, mein eigener Lieferant zu sein, will ich es heuer endlich wissen. Werde in die Riege der Bärlauch Selbstversorger einsteigen und mehr für mich und meinen Garten tun. Bitte beachten Sie die unübliche Form der Erstnennung meiner eigenen Person, die hier jedoch ganz gezielt gewählt ist und zum Ausdruck bringen soll, dass ich es ernst mit mir meine!

Auch wenn Bärlauch ein weites Feld ist. Eines, das auch ich jetzt zu beackern beabsichtige. Und zwar im eigenen Garten. Denn ich bin reif für Bärlauch, aus mehrerlei Hinsicht:

  • natürlich um das mineralstoffreiche Frühlingsgemüse zu ernten und zu verspeisen, aber auch
  • um das Feld zu bestellen, das in meinem Fall ein abseitiges Schattenstück ist und dringend alternativ belebt werden will, was sich, wenn alles klappt, am Ende als ganz schön smart herausstellen könnte und
  • um eben diesen jahrelang brachliegenden Gartenstreifen zu aromatisieren, als wäre er ein Lavendelfeld in der Provence, nur eben mit Knoblauchduft angereichert und 
  • um last but not least einer kleinen Spielerei wegen und um endlich meinen neuen Bärlauch Gewürzsticker in die Erde rammen zu können, der mir im Gartencenter ins Auge gestochen ist und seither auf seinen Einsatz wartet. Wir Gärtnerinnen sind manchmal auch ein bisschen verspielt.

VOM GLÜCK EINEN SCHATTENGARTEN ZU BEWIRTSCHAFTEN

Für das Projekt Bärlauch kommt mir mein schattiger Garten ausnahmsweise sehr zu Pass. ​Als gelernte Schattengärtnerin mit mal mehr, mal weniger Begeisterung für diesen Umstand, kenne ich natürlich alle Vor-und Nachteile eines solchen. Doch weiß man erst einmal um die Vorzüge des Schattens Bescheid, kann man sich diese gut zunutze machen. Wie eben die Möglichkeit, sich im Garten eine Bärlauch Plantage anzulegen. Um Gärtnerin und Garten zugleich Gutes zu tun.​

Die Voraussetzungen für den Bärlauch Anbau könnten daher idealer nicht sein. Dazu dient mir ein langgezogener Gartenstreifen hinter dem Haus, der optisch noch nicht einmal im Entferntesten Ähnlichkeit mit einem Stück Grün hat, vorzüglich als Spielwiese. Mein gärtnerisches Waterloo, wenn man genau sein will.

Dem alten, wie hohen Baumbestand ist es zu verdanken, dass für reichlich Schatten gesorgt ist. Ebenso wie für unendlich Laub, das an dieser Stelle auch liegenbleiben und vermodern darf. Ein kleines Paradies für Bärlauch!

Weniger paradiesisch hingegen für andere Pflanzen. Aber ich gebe mich nicht geschlagen, habe ich erst im vergangenen Herbst einen, meiner Meinung nach, großen Erfolg mit Gründüngung auf eben diesem Stück Gartenboden erzielt. Über meine Tausend anderen Versuche breite ich hier an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens.

Dennoch bin ich heute gelassener und sehe darin eine geniale Übungsstätte für mein tägliches Mantra, Carpe Diem. Was übersetzt in die Gartensprache so viel heißen dürfte wie „genieße das Land, das Feld, den Boden, auch wenn nichts darauf wächst und sprießt“. Aber das nur so am Rande und nicht vielmehr als eine kleine Koketterie, denn bald wird es auch hinter dem Haus strahlend weiß blühen. Widrigenfalls kann ich mich noch immer an die Errichtung Roms erinnern und daran festhalten. Sollte sich der Bärlauch wehren.

BÄRLAUCH SAMEN ODER ZWIEBELN?

Die Strategie steht, ebenso wie ich meine Vorbereitungen vor Ort erledigt habe, sodass jetzt nur noch eine Kleinigkeit fehlt: der Bärlauch selbst. In welcher Form der Anbau stattfinden soll, ist Geschmackssache. Dachte ich, bis ich zu meinem Besuch im Gartencenter, der das Problem lösen sollte.  

Dort entwickelte sich der Versuch, Bärlauch Samen zu erstehen deutlich anders als geplant. Auf die Frage nach entsprechendem Saatgut gab die Center Beraterin zu bedanken, ich könne doch wohl nur Bärlauch Zwiebeln meinen. Samen gäbe es nicht. Um sicher zu gehen und ihre eigene Vorstellung zu untermauern, rief sie beherzt einen Lieferanten an, der ihr am Telefon versicherte, die nächste Ladung Bärlauch sei so gut wie im Anrollen, selbstredend nur in Form von Zwiebelpflanzen und diese auch erst in zwei Wochen. 

​Leicht irritiert, wie sich denn nun mein Vorhaben ohne nervige Wartezeit realisieren ließe, flanierte ich durch die Gänge und überlegte, kurzfristig einen Ausflug zu meiner Freundin Susi aufs Land zu unternehmen, um dort im Wald ein paar Büschel Bärlauch auszugraben. Bis ich gedankenverloren, zufällig oder nicht sei dahin gestellt, über ein Päckchen Bärlauch Samen im gut sortierten Regal gestolpert bin.

Seien Sie gewiss, die Erleichterung auf meiner Seite war groß. Einerseits der Bestätigung wegen, eine doch nicht völlig unqualifizierte gärtnerische Frage geäußert zu haben und andererseits, das Projekt wieder in greifbare Nähe gerückt zu wissen. Keine Frage, dass ich vor Verlassen des Ladens meine Beraterin noch rasch über meinen Fund in Kenntnis gesetzt habe.

Mit fetter Beute in Form von ein paar Briefchen Saatgut stand nun meinem Vorhaben nichts mehr im Wege.

KALTKEIMER BÄRLAUCHSAMEN

Außer vielleicht, dass es sich bei den Samen um ​Kaltkeimer handelt, die jetzt, Mitte März, noch blitzschnell in der Erde versenkt werden müssen. Bevor es nämlich zu warm wird. Die Samen brauchen knackige Kälte, um auszutreiben. Da erscheinen mir die aktuell noch frostigen Nächte in einem ganz anderen Licht.

Sollten Sie diese Frist verbummeln, gibt es noch immer die Möglichkeit, dem Bärlauchsamen Kälte vorzugaukeln und alternativ auf die Aussaat vorzubereiten. Dazu mischt man Samen mit angefeuchtetem Sand im Verhältnis 1:3, packt alles in einen Beutel und lagert die Kälteanbeter für einen Monat im Kühlschrank oder Tiefkühltruhe, bevor es ins Beet geht.

BÄRLAUCH AUSSÄEN UND WACHSEN LASSEN

Auch wenn man der Aussaat nachsagt, eine langwierige zu sein, möchte ich die Probe aufs Exempel machen. Nach dem ganzen Wirbel mit den Bärlauch Samen gibt es jetzt sowieso keinen Rückzieher mehr. 

Das zu bepflanzende Stück Boden wird vom Winterbelag gründlich gereinigt, von Unkraut und sonstigem Grünzeug befreit und für das Saatgut vorbereitet. Denn die letzte große Hürde wird sein, sicher zu stellen, dass mir dabei ja kein Maiglöckchen in die Quere kommt. Zumindest nicht im vorgesehenen Erntebereich. Denn, und man kann es nicht oft genug wiederholen, die geringste Unachtsamkeit kann teuflisch enden. Sollte auf Grund einer folgenschweren Verwechslung ein derartig fataler gärtnerischer Irrtum auch noch auf dem Teller landen, kann dies direkt ins Nirwana führen.

Übervorsichtige ziehen gleich bei der Aussaat eine Rhizomsperre ein, um Wildwuchs gar nicht erst aufkommen zu lassen. Mit eingelassenen Brettern oder Steinplatten ist das ein Kinderspiel. Ich selbst werde mich hüten und die Finger von einer solchen Sperre lassen, da es mein Ziel ist, mehr als nur ein paar Blätter Bärlauch in Zukunft ernten zu können. 

DIE VISION VOM BLÜHENDEN WILDKRÄUTER TEPPICH

Ich für meinen Teil freue mich jetzt auf den bärigen Lauch und träume bereits heute schon von meinem würzig duftenden Bärlauch Feld, das sich bis Mai in einen kuscheligen, weiß blühenden Wildkräuter Teppich verwandeln soll. Wenn alles nach Plan läuft.

​Möge die Eroberung meines Gartens beginnen!

BÄRLAUCH ODER MAIGLÖCKCHEN SICHER VONEINANDER UNTERSCHEIDEN

Doch nicht ohne vorab einen Blick auf die beiden Doppelgänger Bärlauch und Maiglöckchen zu werfen. Hier finden Sie zum Abschluss ein nützliches Video zur Erkennung von Bärlauch und wie Sie ihn sicher von seinen Doppelgängern unterscheiden können.

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